Wir fordern die BBC heraus

Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003
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Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003

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Der Fall Kelly macht nachdenklich. Europa braucht seine eigene BBC und seine eigenen Skandale. Um eine wahre Demokratie zu werden.

Man sagt, Tony Blair sei ein Lügner. Man sagt, die Kriegstreiber seien gezwungen worden zu lügen, damit der Konflikt eskaliere. Man sagt, die Leiche von Professor Kelly sei Zeichen einer Politik, die aus Intrigen gesponnen wird. Man sagt, die „vierte Macht“ sei tot und von nun an alles unter Kontrolle von Downingstreet 10.

Trotzdem würde ich es gerne sehen, wenn sich das, was sich in Großbritannien während dieser letzten sechs Monate ereignet hat, in Europa wiederholen würde. Gerne würde ich einen öffentlichen Fernsehkanal sehen (der dem Staat gehört), der eine Untersuchung durchführt, die die Regierung zu Fall bringen, den Krieg ausbrechen lassen oder verzögern, vorgezogene Neuwahlen provozieren könnte. Ich würde gerne einen Präsidenten der europäischen Union sehen, der öffentlich erklärt, niemals gelogen zu haben. Ich würde gerne eine Opposition sehen, die die Entlassung der Regierung fordert. Ich würde gerne sehen, wie die öffentliche Meinung Europas Fragen stellt. Ich würde gerne eine Debatte im europäischen Parlament zwischen denen hören, die auf dem „casus belli“ beharren und denjenigen, die denken, dass sie einen Plan zur Veränderung der Welt haben – oder nur des Mittleren Ostens.

Glücklicherweise spielt man in den leeren Büros der europäischen Institutionen nicht mit dem Tod. Aber man hat niemals eine einzige wirkliche politische Debatte vernehmen können, abgesehen von der unnützen Streiterei zwischen Schultz und Berlusconi. Was man stattdessen sehen konnte war ein europäisches Parlament, das unfähig war, eine Resolution über den Irak zu beschließen. Man hat einen Konvent gesehen, der es zu Stande brachte, unsere Verfassung umzuschreiben und die Bürger dabei zu vergessen.

Und wenn eines Tages etwas passieren würde? Wenn, beispielsweise, die Brüsseler Bürokraten mit dem Tod spielten, wer würde uns das erzählen? Wer könnte in Europa eine gefährliche Untersuchung über die Gelder anstellen, die Brüssel den Diktatoren der ganzen Welt bewilligt? Wer könnte Prodi mit seiner zwielichtigen Vergangenheit als Leiter der öffentlichen italienischen Industrie während der 80er Jahre konfrontieren? Leider keine europäische BBC, kein Tony Blair, kein Professor Kelly.

Aber man kann die BBC herausfordern: „Café babel“ kann die europäische BBC werden, um die europäische Macht zu kritisieren und zu hinterfragen, um eine öffentliche Meinung zu schaffen die nur nach „Knüllern“ verlangt, damit jeder Verantwortung übernimmt und damit jeder seine Freiheit hat. Damit man so vielleicht nicht versucht, mit dem Tod zu spielen.