Winter adé - Frauen in der Ex-DDR

Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2009
Winter adé After Winter Comes Spring Deutsche Demokratische Republik, 1988, 115 min Regie: Helke Misselwitz Sektion: Winter adé
Von Ole Skambraks

Die Berlinale-Sonderreihe "Winter adè" zeigt in fünfzehn abendfüllenden Programmen deutsche und osteuropäische Spiel-, Dokumentar-, und Experimentalfilme, die im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges entstanden sind. Einer dieser Filme ist die DEFA-Produktion "Winter adè" (1988) von Helke Misselwitz, ein wunderbarer Dokumentarfilm, der Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung in der ehemaligen DDR porträtiert. Die Reise beginnt in der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe Misselwitz stammt, und führt bis an die Ostsee. Die willkürlichen und zufälligen Begegnungen mit den Frauen ihres Films sind für die Filmemacherin auch eine Reise zu sich selbst: Misselwitz mischt sich unter ihr Volk und ihr gelingen dadurch Beobachtungen, die der Blick „von außen“ nie zustande bringen würde. Mit anderen Worten: Nur wer sich selbst bewegt, reist wirklich.

Es sind keine Intellektuellen oder Künstlerinnen, sondern Frauen, die "normalerweise nicht gesehen wurden und sich kein Gehör verschafften", so die Regisseurin im Publikumsgespräch am 13. Februar. Da ist zum Beispiel eine Werbeökonomin aus Berlin, die in einer modernen „Patchworkfamilie“ lebt und offen über weibliche Solidarität, Liebe und Beruf redet. Oder da sind zwei blutjunge Punkerinnen, die gegen Schule und Familie rebellieren und deren kreativer Style heutige Punks (wie soll man sie nennen?) fast schon blass aussehen lässt. Oder da ist diese unglaubliche 85jährige Dame, die im Rückblick auf ihr Leben so manches an Ehe und Familie kritischer sieht, als die Fassade der idyllischen Großfamilie es zunächst vermuten lässt.

„Winter adè“ ist ein vielstimmiger Film über weibliche Erinnerungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen, der die DDR ein Jahr vor ihrem Zusammenbruch plastisch beschreibt und heute immer noch eine solche Kraft ausstrahlt, dass man Lust bekommt, zu reisen und Filme zu drehen.

photos: Berlinale

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