Wilders ganz subtil

Artikel veröffentlicht am 28. März 2008
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Artikel veröffentlicht am 28. März 2008
Angesichts von Wilders bisheriger Aussagen zum Islam ist sein korankritischer Film „Fitna“, den er nun im Internet veröffentlicht hat, geradezu subtil ausgefallen. Trotzdem bewegt sich der 15-minütige Streifen an der Grenze des gesetzlich Zulässigen und weit jenseits jeder politischen Vernunft. Freitag 28.
März 2008

Untermalt von traurigen Kompositionen von Tschaikowsky und Grieg verbindet der nun im Internet veröffentlichte korankritische Film des niederländischen Abgeordneten Geert Wilders Zitate des Korans mit Szene von Gewalt und Terror, um den angeblich gewaltsamen Charakter des Islams zu belegen. Eingeleitet von einer der umstrittenen dänischen Karikaturen, die Mohammed mit einer Bombe im Turban zeigt, folgen Bilder der Terroranschläge in New York, Madrid und London. Dazwischen werden immer wieder fanatische Prediger gezeigt und aufgebrachte Demonstranten, die zu Gewalt gegen Ungläubige hetzen.

In Sequenzen, die nicht umsonst seriöse Medien sich zu zeigen weigern, sind die entstellten Leichen der Opfer von Terroranschlägen und die makabren Szenen von Hinrichtungen im Irak, im Iran und anderswo zu sehen. Um die drohende Islamisierung der Niederlande zu verdeutlichen, zeigt Wilders Bilder der in den letzten Jahren errichteten Moscheen, die aber allenfalls als Architekturschau von Interesse sind. Provokant wird es noch einmal, als am Schluss eine Hand nach einer Seite des Korans greift und gleich darauf das Reißen von Papier zu hören ist.

Das Reißen einer Seite Papier

Doch Wilders wendet die Szene geradezu ins Subtile, wenn er den Satz einblendet, dies sei das Geräusch einer Seite, die aus einem Telefonbuch gerissen werde. Denn es sei nicht an ihm, sondern an den Muslimen selbst, die umstrittenen Seiten aus dem Koran herauszureißen. Doch auch wenn der knapp 15-minütige Streifen des Rechtspopulisten weniger polemisch ausgefallen ist, als zuletzt befürchtet worden war, bleibt es doch ein Hetzwerk, das, indem es eine direkte Verbindung zwischen dem Islam und Terror herstellt, die Angst und auch den Hass gegen diese Religion schürt.

Dass der Film, nachdem Fernsehsender und Internetanbieter ihn nicht hatten zeigen wollen, nun auf der britischen Videoportal Liveleak steht, wo sonst kuriose Unfälle und peinliche Fehltritte zu sehen sind, beweist, dass ein Brandredner wie Wilders in der Gesellschaft noch immer keinen Platz hat. Dass der Film von Extremisten beider Seiten als Beweis ihrer Sicht verwendet werden dürfte, und damit die Spannung nur weiter anheizt, ist allerdings ebenfalls klar. Auch wenn die bisherigen Reaktionen verhalten ausfielen, bleibt abzuwarten, welche Folgen der Film langfristig hat.