Wie Süditalien die Touristen zurückerobern will

Artikel veröffentlicht am 8. September 2009
Artikel veröffentlicht am 8. September 2009

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Mystisch schöne Höhlen wie die Grotta di Castelvenere im Valle Telesina in der Provinz Benevento (Kampanien), wo der Legende nach Amor geboren sein soll, aber auch Orte wie Vieste oder Reggio Calabria: Eine Führung durch einige Perlen Süditaliens, die in Reisekatalogen oftmals vergessen werden.

Nach Castelvenere im Valle Telesina gelangt man über die „Autostrada del Sole“, die nach Kampanien führt. Der Ort hat nur 2600 Einwohner, aber dank seiner geografischen Lage, seinem Klima und dem fruchtbaren Boden auf den dicht mit Olivenhainen und Reben bebauten Hügeln ist er ein bedeutendes Produktionszentrum für Olivenöl und Wein. Zu den hier produzierten D.O.C.-Weinen zählen zum Beispiel Solopaca, Guardiolo und Falanghina, ferner werden verschiedene kalt gepresste Olivenöle in Spitzenqualität hergestellt. Nur wenige Kilometer von Telese entfernt liegt das Dorf Faicchio (Region Campania), wo ein wunderschönes Herzogsschloss aus dem 12. Jahrhundert besichtigt werden kann. Zu den Orten gibt es auch Zugverbindungen aus Rom und Neapel (in Benevento aussteigen).

Die Wiedergeburt des Tourismus in Apulien

©DIESUS/flickrIn diesem Spätsommer verzeichnete die Agentur für Tourismus von Lecce (Apulien) eine erneute Zunahme des Touristenstroms, vor allem aus Deutschland, der trotz Krise und knappen Budgets um 3 Prozent gestiegen ist. In Vieste (Apulien) wusste man darüber hinaus auch noch eine weitere Chance zu nutzen: den Wind. An einem Strand in der Bucht werden Surf-Kurse angeboten. „Dieses Angebot nutzen vor allem die deutschen Touristen“, berichtet der Geschäftsführer Santo Gioffrè. Nach einer langen Periode des Rückgangs endet nun auch die Einsamkeit der Bronzestatuen von Riace in Kalabrien wieder: „Die Besucherzahlen steigen in der ganzen Region“, erklärt der Referent für Kultur Damiano Gagliardi. Leider hat man nur viel zu spät gemerkt, dass zwei Meisterwerke nicht ausreichen, um den Tourismus anzukurbeln. Auch hier folgen die deutschen Touristen, die wegen der Bronzestatuen gekommen sind, geordnet ihrem Reiseführer. Aber bevor sie die beiden Krieger besichtigen, lassen sie sich durch die Säle des Museums von Reggio begleiten.

Kalabrien wird restauriert

©Me/WikimediaIm Stadtviertel Trabocchetto von Reggio Calabria werden derzeit archäologische Ausgrabungen zur Besichtigung eingerichtet. Und auch auf dem Corso Garibaldi und entlang der Strandpromenade, die schon D'Annunzio liebte, beginnen Restaurierungsarbeiten an Palazzi und Wohnhäusern. Der Bereich der Stadtmauern aus griechischer Epoche ist bereits fertig. Die Kathedrale Maria Santissima Assunta in Cielo im Stadtzentrum gegenüber der Piazza Duomo ist Teil des vom Patriarchen von Konstantinopel kolonialisierten Kulturerbes.

Auch der einheimische Dichter Salvatore Spanò berichtet von den Geschichten und Mythen dieser Gegend und dem konstanten, erschütternden Rückgang der Besucherzahlen. Das touristische Observatorium der Region Kalabrien mit Sitz in Cosenza verzeichnete einen Besucherrückgang von 712.000 Touristen im Jahr 1981 auf nur 64.000 im Jahr 1994.

Die jüngsten archäologischen Funde und die Bemühungen der Regionalverwaltung rufen nun jedoch auch andere Städte Kalabriens aufs Programm, die bislang von den Reiseveranstaltern unbeachtet blieben, sodass sich nun auch die ©catepol/flickrProvinz Reggio zu einem interessanten Reiseziel entwickelt. Was erklärt den Erfolg dieser neuen Reiserouten? „Zum einen die Werbung: Die Kampagne „Scopri il Mediterraneo“ („Mittelmeer entdecken“ A.d.R.) erwies sich als äußerst effizient, erklärt der Referent für Tourismus von Reggio Calabria. Außerdem ist Kalabrien leicht zu erreichen: mit dem Zug, dem Auto oder auch im Flugzeug. Und die Krönung des Ganzen ist das offizielle Web-Portal von Reggio Calabria, wo ein virtueller Reiseführer gesprochene Tipps gibt. Das heißt, die Region ist fest entschlossen, die seit langem ausbleibenden Besucher erneut anzulocken und wartet zu diesem Zweck mit diversen Initiativen auf.

Das aufgefrischte Interesse für Urlaub, in dem, nicht zuletzt auch aufgrund der allgemeinen Krise, Schlichtheit und familiäre Atmosphäre an erster Stelle stehen, gibt Regionen wie Apulien, Kampanien und Kalabrien, die viel zu bieten haben aber von ausländischen Reiseveranstaltern oft vergessen werden, eine neue Chance. Zur großen Freude der Italiener aber auch der Touristen selbst.