Wie mich die agile Methode agiler gemacht hat

Artikel veröffentlicht am 14. März 2018
Artikel veröffentlicht am 14. März 2018

Wie unsere deutsche Chefredakteurin Katha mit der agilen Methode warm wurde. Sneak Preview: Es war eine Mischung aus Chai-Tea-Latte, Stress, Kombucha und GitHub <3.

Alles begann in einem morgendlichen Pariser Bistrot. Unsere Developer von Scopyleft hatten uns gerade bei Pain au Chocolat und frisch gepresstem O-Saft eine kurze Präsentation zur agilen Methode an die Wand projiziert - besser konnte man die Methode der Softwareentwicklung, mit der die neue Webseite von Cafébabel programmiert werden soll, nicht verdauen. Oder?

Auf den Slides ging es ziemlich sportlich zu, von Sprints war da die Rede und auch ein paar Rugby-Jungs rauften sich in einem angeordneten Gedränge (Scrum nennt sich das Ganze auf Englisch). Aus diesem agilen Durcheinander sollte nun also das neue Cafébabel entstehen. Horror für mich, die bisher doch eher an klassisches Projektmanagement gewöhnt war, sprich: man schreibt einen recht detaillierten Plan, setzt Deadlines für das Team und hält sich verdammt nochmal daran - komme was wolle.

Ihr ahnt es jetzt wahrscheinlich schon, aber bei der agilen Methode geht es sehr viel agiler zu. Es werden keine utopischen Zielsetzungen vorgegeben, die mit der Realität von Softwareentwicklung nur wenig gemeinsam haben, sondern kleinere Etappenziele gesetzt - wir hatten es ja bereits erwähnt - sogenannte Sprints. Dein Grafikdesigner-Kollege Johan heißt nun plötzlich superoffiziell PO, Product Owner, eine Art Stresspuffer zwischen Redaktionswunschzetteln (ich will noch dieses phänomenale Scrollytelling-Tool, überdimensional große Fotos und Pullquotes und hüpfende Redakteursgesichter-Gifs im Pitch-Dokument und überhaupt) und Entwickler-Realität (ähm, nein, nicht Priorität für den User). Mindestens einmal täglich skyped der PO zu sogenannten Dailys mit Bordeaux oder Barcelona oder wo unsere Digitalnomaden-Developer gerade im Internet-Café sitzen. Auch das ist wichtig: der tägliche Schlagabtausch.

Agil kann einen aber auch echt akro machen. Besonders dann, wenn die Grenzen des Agilen verschwimmen und man keine Ahnung mehr hat, was jetzt noch zur agilen Methode gehört und was bereits zum Privatleben eines Digitalnomaden. Plötzlich schreibt @pointbr, den Saf zu Anfang auf slack für einen Bot gehalten und beschimpft hatte: “Bin gerade kurz am Flughafen in Lyon - skypen wir 15 Minuten?” Auch das Datum des schlussendlichen Website-Launches - ziemlich agil. Beim Sprint sprintet man manchmal nicht ganz bis zur Zielgeraden, aber das ist im Sport ja auch so. Deshalb ist immer wieder Anpassungsvermögen gefragt - und vor allem viel Austausch und Menschlichkeit. Besonders dann, wenn @pointbr auch ab und zu mal eine Woche persönlich in der Redaktion vorbeischaut und das Team mit Galettes, Chai-Tea und Kombucha versorgt.

Fakt ist, irgendwie sind wir jetzt schlussendlich hier gelandet: @katha joined #preprod-cafebabel-com by invitation from @pntbr, along with 7 others - mitten in der Testphase. Auf GitHub tauschen wir uns zu den letzten Korrekturen aus. Fakt ist - bald geht unsere neue Webseite endlich online. Wenn die agile Methode so will.