Wenn Europa Asien den Hof macht

Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2004
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Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2004

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Der ASEM-Gipfel von Anfang Oktober bringt die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem asiatischen Riesen wieder in Schwung. Mit einem scharfen Blick auf den Terrorismus.

Die fünfte Ausgabe des Asien-Europa-Treffens (ASEM) wurde in diesem Jahr unter dem Aushängeschild der Erweiterung abgehalten. Zwischen dem 7. und dem 9. Oktober haben sich in Hanoi eine um zehn neue Mitglieder erweiterte EU und eine ASEAN getroffen, die neben China, Japan, Südkorea und Ländern Südostasien nunmehr mit Laos, Kambodscha und Burma ebenfalls drei neue Mitglieder umfasst. Seit 1996 ruft der Gipfel alle zwei Jahre Regierungs- und Staatschefs zusammen und bildet das wichtigste multilaterale Forum der Euro-asiatischen Beziehungen. Auf der Tagesordnung stehen natürlich Wirtschaft und Geschäfte, aber auch Einwanderung, Menschenrechte und Kampf gegen den Terrorismus.

Wirtschaftliches Dreieck

Die wachsende europäische Integration und die Dynamik der asiatischen Wirtschaft haben das Gleichgewicht der Wirtschaftskräfte in der Welt radikal verändert. In Anbetracht der Tatsache, dass die EU 2002 der zweitgrößte Exportmarkt für die ASEAN war, und dass sich die europäischen Exporte in die ASEAN auf 30 Milliarden Euro pro Jahr belaufen, sind Asien und Europa durch enge Beziehungen von wechselseitigem Interesse verbunden. Nicht nur das: 27% des europäischen Exports gehen nach Asien und die EU bildet die größte Quelle von Direktinvestitionen und Kapital für den asiatischen Markt. Mit der Erweiterung der EU übertragt sich das Projekt des größten regionalen Marktes auf die Welt weit außerhalb der kontinentalen Grenzen Europas: Die Waren- und Kapitalflüsse zwischen Europa und Asien definieren eine Achse, welche die Kräfte im Handelsdreieck zwischen Nordamerika, Europa und Asien ins Gleichgewicht bringt.

Multilateralismus

Der ASEM-Gipfel stellt ein viel sagendes Beispiel der multilateralen politischen Annäherung in den internationalen Beziehungen dar. Europa anerkennt die Wichtigkeit der politischen Stabilität, der Demokratie, der Gleichberechtigung der Länder und deren Lösung innerer Probleme, welche die Beziehungen und die Gleichgewichte des globalen Wirtschaftssystems in Mitleidenschaft ziehen. Daher ist es notwendig, über Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO) und die UNO ein Netz der Zusammenarbeit und eine wirtschaftliche Umgebung aufzubauen, welches die Entwicklung eines Marktes begünstigt, der eine immer größere Anzahl von asiatischen Ländern einbezieht. Nicht aus purem Zufall hat die EU im Hinblick auf den bevorstehenden Beitritt Vietnams in die WTO bilaterale Beziehungen mit diesem Land unterhalten. In einem gewissen Sinne bildet die Globalisierung der Wirtschaft, in ihrer unablässigen Suche nach immer weiter wachsender Effizienz der Wertschöpfung, das Modell für die Politik der Zusammenarbeit und der Konsolidierung der internationalen Beziehungen.

Diese Politik erscheint umso bedeutsamer im aktuellen Sinnzusammenhang der Krise zwischen westlicher Zivilisation und Islam. Aus dieser Agenda erwächst aus dem Treffen der vergangenen Tage die Einhelligkeit im Konsens gegen den Terrorismus. Was eine noch größere Bedeutung gewinnt, wenn man an die Gipfelteilnahme großer moslemischer Länder wie Indonesien und Malaysia.