Weltweite Krise: die Frauen ans Werk!

Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2009
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Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2009
femmes_au_pouvoir.jpgIn diesen schweren Zeiten, wenn Europa von wirtschaftlicher zu sozialer Krise getrieben wird, ohne jetzt die üblichen Auseinandersetzungen in der Politik mitzuzählen, stellen sich die Klügsten unter den Forschern die Frage, welche zusätzlich noch Öl ins Feuer gießt: wie würden die Krisen beschaffen sein, wenn die Frauen an der Macht gewesen wären? Ob nun Folge einer Mode oder wahre Erkenntnis der Ethno-Soziologie – die Frage nach der freigiebigen Frau könnte gut und gern die neue Milchmännchenrechnung zur Wiederbelebung sein. Während die Einen herumphilosophieren und die Anderen sich feministischer Slogans bemächtigen, um die Rolle der Frauen in unseren Gesellschaften zu steigern, denkt man (etwas) weniger an die umliegende Not.

Die Frauen am Kopf wirtschaftlicher Herrschaft: Mythos oder Realität?

Letzten Oktober versammelte das weltweit bekannte Women’s Forum mehr als 700 Frauen in Deauville. Firmenleiterinnen, Bankiers, Politikerinnen und Verantwortliche in allen Bereichen – man erschien zahlreich, um gemeinsam den Triumph des Weiblichen zu symbolisieren. Das Forum existiert seit 2005 und vereint jedes Jahr die auf der Welt einflussreichsten Frauen. Angesichts der Krise diskutiert man dieses Jahr gesondert Wirksamkeit und Lösungen zur Wiederbelebung. Und in diesem Bereich verfügen die Frauen über ein erhebliches Potenzial. Das jedenfalls ist es, was zwei Studien enthüllen, die Eine realisiert von dem Forschungsbüro McKinsey, die Andere von Hudson (http://www.datapressepremium.com/rmdiff/CPEtudeHudsonVO.pdf). Angesichts der Finanzkrise stellt Christine Raynaud, Präsidentin von Hudson für Europa, folgende Frage: „Wären wir in der gleichen Lage, wenn die eigentlichen Qualitäten der weiblichen Leader wie ihre wohlbedachte Führung und durch einen Konsens sich mehr Geltung verschafft hätten?“ Eine Frage, auf die jene Studie von McKinsey bejahend zu antworten scheint, indem sie präzisiert, dass die europäischen Unternehmen, welche eine hohe Zahl an weiblichen Mitarbeitern in ihren Führungsgremien aufweisen, eben solche sind, die mit einer höheren Rentabilität des Eigenkapitals, mit besseren Betriebsergebnissen und einem stärkeren Wachstum des Börsenkurses finanziell wesentlich leistungsfähiger sind.

Und für die Europäer...

Wenn es eine „Tendenz“ gibt, heilbringende Moral der Frauen in der Wirtschaft zu polemisieren, dann führt das diesmal ein noch viel älteres Thema auf den Plan, als es die Rolle der Frau in der Politik ist. Der letzte im März erschienene Eurobarometer-Flash ist dieses Mal den Frauen und den europäischen Wahlen gewidmet: während die Tschechinnen, Polinnen und Portugiesinnen stark von dem Gefühl männlicher Dominanz determiniert bleiben – jeweils 89%, 84% und 83% unter ihnen sind von der praktizierten männlichen Dominanz in der Politik überzeugt – so haben die Frauen in Finnland (51%), auf Malta (62%) und in den Niederlanden (66%) das am stärksten ausgeprägte Selbstbewusstsein. Eine interessante Sache zur Stunde der großen Debatten rund um die besonderen Qualitäten der Frauen bzgl. Krisenprävention und -management ist, dass dasselbe Eurobarometer nach Meinung von Frauen (83%) und von Männern (76%) eine besondere Perspektive auf die Politik von Seiten der Frau bescheinigt. Als ob man diese Fakten noch untermauern möchte, betont eine andere Umfrage, dieses Mal umgesetzt von Ifop zusammen mit 1000 französischen und deutschen Frauen fürs Women’s Forum, dass 68% der Französinnen die weltweite Krise als eine Gelegenheit für Frauen auffassen, stärker in der Politik repräsentiert zu werden, indem auf ihre Führungsfähigkeit und Kompetenz gesetzt wird, während für die Frauen aus Deutschland Sensibilität und Freimut ein klares Plus für Frauen bilden. Wird nun also die Krise als Sprungbrett für Frauen Richtung parlamentarischen Schauplatz in Europa dienen können? In einigen Wochen haben die Europawahlen gezeigt, dass 83% der Frauen und 76% der Männer, die von der Kommission befragt wurden, durch eine größere Repräsentanz der Frauen die Einführung eines neuartigen Stils voraussetzen. Der Rechtsspruch kommt nächsten Monat...

Sophie Helbert

Trad.: Matthias Jakob Becker