Weltweite Demonstrationen am 15.Oktober 2011

Artikel veröffentlicht am 5. November 2011
Artikel veröffentlicht am 5. November 2011
Translated by Jasmin Kloetzing Vor einer Woche hat die Welt ihre Empörung gezeigt und ist in 80 Ländern und tausenden von Städten auf die Straßen gegangen. Einige von uns wollten die Gefühle und Eindrücke, die die Zusammenkünfte am 15.Oktober in uns hinterlassen haben, zum Ausdruck bringen. Wir waren an verschiedenen Orten, aber haben die Demonstration mit derselben Ergriffenheit erlebt.
Wir wollen die Atmosphäre, die man in Madrid, Salamanca, Barcelona und Brüssel wahrgenommen hat genauso wiedergeben, wie wir sie selbst erlebt haben.

Madrid

Diego Larrouy

Ich habe weder den 15M [15.März], noch andere Demonstrationen dieser Bewegung miterlebt, weil ich mich im Ausland aufgehalten habe. Obwohl einige mir sagten, dass andere Demonstrationen spektakulärer gewesen seien, hatte diese trotzdem etwas Besonderes. Sie war ein Fest. Hunderttausende Menschen überfluteten, auf eine friedliche, singende, tanzende und zur gleichen Zeit empörten Art und Weise, die Straßen. Die politisch eher rechts ausgerichteten Tageszeitungen berichteten über die Vorfälle in Rom und vergaßen, wie spektakulär der von Menschen, mit einem gemeinsamen Ziel, überflutete Plaza del Sol ist. Ich habe einige Demonstrationen in Madrid miterlebt: ETA Attentate, Nein zum Krieg, Palästina, die Republik… Ich glaube, von denen, die ich gesehen habe, war dies die zweitgrößte, aber ich kann das auch nicht mit Gewissheit sagen, da man die Leute einfach nicht zählen konnte.

Auf der anderen Seite waren das Leute jeglicher Art: junge, alte, Punks, Hip-Hopper, Studenten, Rentner, Schwangere. Keiner wollte das versäumen und im gesamten Zentrum von Madrid spürte man ein bedeutungsvolles Gefühl nicht still zu bleiben, so dass sie über unsere Köpfe hinweg entscheiden können.

Zweifellos hatte ich im einen oder anderen Moment Gänsehaut. Vielleicht, weil ich besonders sensibel bin.

Salamanca

Stine Jensen

Nachdem ich nach Salamanca gezogen war, habe ich die empörten Bürger von Salamanca  [Los indignados salmantinos] einige Male auf dem Marktplatz getroffen. Ich bin stehen geblieben, habe ihnen zugehört, ich war ergriffen und manchmal habe ich mich sogar darüber geärgert, wie sie die Dingen hier machen und mich auch mit ihnen über die Vorschläge einiger gestritten.

Dabei muss man immer daran denken, dass eben das, das schöne an der Bewegung 15M ist: „sie sind weder links noch sind sie rechts, es sind die von unten und sie wollen etwas von denen, die regieren.“ Ein jeder nimmt aus irgendwelchen Gründen teil. Mal sind es wirkliche, mal wollen sie ihre Unterstützung äußern.

Bei der weltweiten Demonstration am 15.Oktober war ich in Salamanca und das was dort geschah, hatte nichts mit all dem zu tun, was ich vorher in der Bewegung von Kopenhagen miterlebt oder aus dem Ausland über die spanische Bewegung verfolgt hatte. Das hat mir tausendfach bestätigt, dass die Bewegung, die ich teilweise als tot geglaubt hatte, lebendig war; sie hatte Lust zu kämpfen, sie war ergreifend und darüber hinaus erfreute sie sich der Unterstützung von insgesamt 80 Ländern (Wer weiß schon wie viele Leute die Straßen am 15.10. belagert haben?). Laut der Veranstaltung in Facebook haben in Salamanca 625 Personen an der Demonstration teilgenommen. Möglicherweise haben sich uns [während der Demonstration noch] viele Leute angeschlossen, als sie uns am laufenden Bande „Schau uns nicht an, schließe dich an!“ brüllen hörten. Die Demonstranten kamen aus allen Altersgruppen, Berufsgruppen und sozialen Schichten.

Barcelona

Susanna Arús, Fotografin: Greta Gandini

Die Erwartungen waren groß, wenn du an all die Leute dachtest, die du Seite an Seite, wie gute Bekannte, laufend sahst. Wir waren alle aus dem gleichen Grund dort: Wir wollten uns [öffentlich] beschweren.

Die Züge Richtung Plaza Catalunya waren voll, voller als normalerweise, und das löste in uns einen Nervenkitzel aus, der uns fragen lies: „Wie viele Leute werden wohl dort sein?“

Im Zentrum Barcelonas angekommen, war ich vom ersten Eindruck erschrocken: ich sah nicht viele Leute, wir waren alle zerstreut. Bis uns endlich klar wurde, dass die Demonstration bereits begonnen hatte. Wir rannten, um uns dem Marsch anzuschließen und dies war der Moment in dem wir begannen den Marsch deutlich zu sehen. Die Straßen waren übervoll. Es waren zu viele Leute am Kopf des Marsches, so dass die Organisatoren über die Megafone schrieen: „Alle müssen sich dahinter begeben!“

Als wir endlich alle geordnet waren, konnte der Umzug mit dem Motto “Von der Empörung zur Aktion” weitergehen. Die Straßen Barcelonas beherbergten verschiedene Märsche und wir konnten feststellen, dass die parallelen Straßen, ober- und unterhalb, auch voll von laufenden Menschen waren.

Wo war die Hauptdemonstration? Man hatte den Eindruck, dass ganz Barcelona an dieser Bewegung teilnahm und sich empörte.

Brüssel

Cristina Parapar: Auch die Hauptstadt Europas beschwert sich

Am 15. Oktober verkleideten Demonstranten aus aller Welt Brüssel mit Plakaten und füllten die Plätze mit Protestgeschrei. Mittags, während Anklagen an die „Schuldigen“ zu hören waren, nahmen wir mit trockenen Kehlen die Alleen ein. So feierten wir das 6-monatige Bestehen der Bewegung. Nachmittags versammelten wir uns - Bürger aus aller Welt - zu einer Massenversammlung in den Gärten des Parlaments. Es dämmerte begleitet von erhobenen Händen und Megafonen in den Händen. Wir hielten die Fackeln, die uns den Weg des Umschwungs wiesen.

Wir sprachen Französisch, Englisch und Spanisch, aber wir krakelten nur mit Blicken und schmunzelten mit Gesten. Wir äußerten Worte, die an den Gebäuden widerhallten und ein Echo auf der ganzen Welt produzierten. Brüssel empört sich ohne Grenzen.