Welttag gegen einen Rassismus "der neuen Generation"

Artikel veröffentlicht am 19. März 2009
Artikel veröffentlicht am 19. März 2009
Der 21. März ist der internationale Tag gegen die Rassendiskriminierung. Die Gelegenheit, unsere alltäglichen Verhaltensweisen ein wenig näher zu betrachten. Die Diskriminierung ist moderner geworden: diskreter, bemüht sie sich nun, den politisch korrekten Kriterien zu entsprechen, die die gesamte Gesellschaft erfasst haben.

In den letzten Jahrzehnten ist der Respekt des Gleichheitsprinzips grundlegend wichtig geworden. Wenn die Diskriminierung heutzutage offiziell unter keinen Umständen gerechtfertigt werden kann, ist sie doch in der Wirklichkeit weit davon entfernt, verschwunden zu sein. Die kürzlich in Europa geschehenen Vorfälle zeigen eine Wahrheit auf: Rassismus und Diskriminierung sind im Alltag präsent wie je zuvor.

Das neue Gesicht des Rassismus

Schon in den achtziger Jahren hatten neue Theorien aus der Sozialpsychologie eine Form des subtilen, kaschierten Rassismus beschrieben. Das Profil von rassistischen Personen hat sich geändert: Früher drückten sie ihren Glauben an die genetische Unterlegenheit anderer Rassen offen aus; heute verteidigen sie eine gleiche und gerechte Behandlung aller Gruppen, aber praktisch fühlen sie ein Unbehagen, eine Angst und Beklommenheit gegenüber andersartigen Personen. Mit anderen Worten, obwohl das Vorurteil wegen des sozialen Drucks nicht direkt ausgesprochen wird (man erwartet, dass es keine Diskriminierung gibt), bleibt es stark genug, um auf die Verhaltensweisen anderer Menschen einzuwirken.

Celedonia García, klinische Psychologin, erklärt uns: „Mit sieben Jahren können die Kinder bereits die Emotionen, die bestimmte Situationen bei ihnen auslösen, von denen unterscheiden, die sie zeigen müssen, um sich den gesellschaftlichen Normen entsprechend zu benehmen. Deshalb unterdrücken sie die Reaktionen, von denen sie wissen, dass sie bestraft werden und versuchen, ihr Verhalten dem anzupassen, was man von ihnen erwartet, selbst wenn das, was sie ausdrücken, nicht direkt das widerspiegelt, was sie denken oder fühlen. Diese Technik der Anpassung des Verhaltens charakterisiert unsere sozialen Beziehungen, und wir entwickeln und perfektionieren sie unser ganzes Leben lang.“

Rechtfertigung der Diskriminierung

Ich habe nichts gegen die Immigranten, aber es ist nicht gerecht, dass sie Arbeit haben und die Leute hier nicht.

Der „aversive“ Rassist, um den Begriff der amerikanischen Psychologen Sam Gaertner und Jack Dovidio aufzunehmen, wird durch die Ausübung der Diskriminierung charakterisiert und rechtfertigt sich durch deutliche Kriterien des Begriffs Rasse. Dies ermöglicht ihm, sich weiterhin als eine Person ohne Vorurteile zu betrachten. Das ist beispielsweise der Fall bei J.R., fünfzig Jahre, der wegen der Krise seinen Job verloren hat: „Ich habe nichts gegen die Immigranten, aber es ist nicht gerecht, dass sie Arbeit haben und die Leute hier nicht. Sie nehmen uns das Brot vor dem Munde weg.“ Diese Art der Reaktion ist in diesem Kontext sehr verbreitet. „Die Immigration ist oft mit Kriminalität, Umstrukturierung und dem Verlust von Gelegenheiten verbunden, was zur Folge hat, dass die Mehrheit (die autochthone Gruppe) sie als Bedrohung ansieht. Die „aversiven“ Rassisten finden hier eine Entschuldigung, um ihre negative Einstellung gegenüber Immigranten und ihre diskriminatorischen Verhaltensweisen zu rechtfertigen“, erläutert Celedonia García.

R.F., eine aus Südamerika stammende Kellnerin, hat in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern Europas gelebt. Auch sie bestätigt: „Mehrere Male hat man mich bei Einstellungsgesprächen gefragt, warum ich nicht in mein Land zurückkehre, um dort Arbeit zu suchen, als ob ich weniger das Recht zu essen hätte als sie, weil ich woanders geboren bin.“ Diese neue Form des Rassismus kann aber auch schnell von ihrer Subtilität einbüßen. Sie ist der Nährboden für Vorfälle von offener Gewalt, die durch Konfliktsituationen oder soziale Entwicklungen, die bei der mehrheitlichen Gruppe ein Gefühl der Bedrohung auslösen, hervorgerufen werden. Im aktuellen Kontext der Wirtschaftskrise könnte man behaupten, dass genau dies eingetreten ist.

Machismus und Homophobie

Auf dieser Form der Diskriminierung beruht auch die Ablehnung anderer Gruppen, wie die der Frauen und der Homosexuellen. Man wahrt ihnen gegenüber eine offene oder politisch korrekte Einstellung, aber man hält beim Aufeinandertreffen Stereotype aufrecht. Die Vorurteile wurden seitens der Gesellschaft so sehr verinnerlicht, dass sogar Betroffene sie manchmal übernehmen und in ihren Wertmaßstab integrieren.

So hat die Gleichstellungspolitik trotz ihres beträchtlichen Einflusses auf das kollektive Bewusstsein lediglich eine begrenzte Wirkung auf die Vorurteile und innewohnenden oder unbewussten Einstellungen, die sehr schwer zu identifizieren und ändern sind. Trotz der Ausrottung der traditionellen Diskriminierungsformen beeinträchtigen manche „stille“ Parameter auch weiter die Freiheit und die Gleichheit von Minderheiten und können ebenso dramatische Folgen haben.