Was bringt ein Praktikum im EU-Parlament?

Artikel veröffentlicht am 31. Januar 2009
Artikel veröffentlicht am 31. Januar 2009

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Europa hautnah erleben? Dazu gibt es keine bessere Gelegenheit, als ein Praktikum im Wirrgarten, dem halbkreisförmigen Plenarsaal und der Kantine des Parlaments im Brüssel zu absolvieren - vorausgesetzt, man hat sein Gehalt und seine Arbeitszeiten gut ausgehandelt!

Stellen wir vorerst einmal klar, wie die Tatsachen aussehen (oder eben nicht): Es gibt keinen prototypischen Praktikanten im EU-Parlament (EP). Die offiziellen Praktikanten des Parlaments, die in einem sehr strengen, offiziellen Verfahren ausgewählt werden, mischen sich unter die Praktikanten der politischen Gruppierungen, zu denen schließlich noch jene Praktikanten hinzukommen, die direkt, und ganz unabhängig vom Parlament, von den einzelnen EU-Abgeordneten engagiert werden. So zahlreich sind also die Wege, aber auch die Hindernisse, um Praktikant im EP zu werden. Und wenn man dann zum ersten Mal durch die Gänge dieser achtenswerten Institution schreitet, verspürt man zugleich Stolz und Furcht, Neugier und Verantwortung, Hast und Respekt.

Ein pulsierender Mikrokosmos

©Alexandre Glogowski/flickrDer erste Eindruck? Wie ein Kind, das zum ersten Mal Urlaub auf einer exotischen Insel macht, muss man auch hier schnell und zur großen Überraschung feststellen, dass das Parlament eine völlig autonome Welt bildet, die einem kleinen Dorf ähnelt. Der parlamentarische Mikrokosmos bietet einem alles, was man für den Alltag benötigt, und noch einiges mehr: In einem Ambiente, das viel Komfort und Luxus versprüht, befindet sich ein Friseursalon, ein Postamt, drei Banken, Informationsbüros der Stadt Brüssel, ein Supermarkt, mehrere Kiosks, ein perfekt ausgestattetes Fitnesszentrum, eine vierstöckige Tiefgarage, eine Imbissbude und eine Kantine.

Allerdings besteht beim Praktikantendasein im Europäischen Parlament die Gefahr darin oder zumindest die Versuchung, dass man sich nur im „europäischen Kreis“ aufhält und sich dabei, mehr oder weniger freiwillig, von der Außenwelt abschirmt. Das Netzwerkeln zwischen den Praktikanten und Beamten funktioniert einwandfrei, wobei der Place de Luxembourg mit seinen zahlreichen Bars das Zentrum darstellt. Dabei werden jedoch nicht der Austausch oder gemeinsame Projekte beispielsweise mit den Studenten gesucht, was viele Praktikanten sehr bedauerlich finden. Aus diesem Grunde wurde die EPSA (European Parliament Stagiaires Association) gegründet, die sich auch nach außen hin öffnen will. Alejandro Jiménez García, der aktuelle Präsident des Vereins, wünscht „sich eine Annäherung und eine Integration der Praktikanten in das Brüsseler Leben, vor allem in die Studentenszene, um eine sektenartige und elitäre Isolierung zu verhindern.“

Zwei Seiten der Medaille

©Anyhoo/flickrWas die tatsächlichen Aufgabenbereiche der Praktikanten im EU-Parlament anbelangt, ist es schwierig, sich auf ein allgemein gültiges Profil festzulegen, da jedem Praktikanten andere Aufgaben anvertraut werden: Zusammenfassungen, Berichte, Änderungsvorschläge verfassen, Unterlagen für Sitzungen vorbereiten, Artikel schreiben.

In erster Linie ist dies vom Chef des Praktikanten abhängig, von seiner Stelle, seiner Partei oder seinem Herkunftsland. Daher verlangt die EPSA die Gleichberechtigung aller, vor allem bei der Entlohnung. Jeder Abgeordnete kann nämlich nach eigenem Ermessen den Praktikanten für seine Arbeit bezahlen oder nicht. Viele Praktikanten im Parlament werden nicht bezahlt.

Schließlich bringen die unregelmäßigen Arbeitszeiten für einige Praktikanten viele Nachteile mit sich, da der Umzug nach Straßburg für die Plenarsitzung sehr strapazieren kann. Manchmal können Arbeitstage bis 8 Uhr abends dauern.

Neue Bekanntschaften, ein internationales Umfeld, professionelle Kontakte, verschiedene Sichtweisen, widersprüchliche Debatten voller Leidenschaft sowie Demokratie in der Praxis und im Alltag sind nur einige der außerordentlichen Vorteile, die sich den Praktikanten im EU-Parlament bieten. Praktikant im EP zu sein bedeutet, den Puls der Europäischen Union zu fühlen. Manchmal ist er laut und wird immer schneller, manchmal ist er still und stottert, aber er schlägt immer, dank der Ideen der Parteien, des Engagements der Abgeordneten, der gewissenhaften Arbeit der Assistenten, der Strenge der Beamten und, nicht zu vergessen, dank der Vitalität der Praktikanten!