Was Alice Schwarzer vom Islam weiß

Artikel veröffentlicht am 27. Februar 2008
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Artikel veröffentlicht am 27. Februar 2008
Die Publizistin und Feministin Alice Schwarzer hat mit ihren provokanten und zuweilen polemischen Äußerungen viel für die deutsche Frauenbewegung erreicht. Doch mit ihrer undifferenzierten Warnung vor dem Islam trägt sie nur zur Verschärfung einer ohnehin aufgeladenen Debatte bei. Montag 25.
Februar 2008

Alice Schwarzer Credit to: Noralina/FlickrAlice Schwarzer hat es an diesem Abend eilig, auf die Bühne zu gelangen. Die Grußworte sind noch nicht beendet, da tritt sie bereits durch den Vorhang und sorgt für einen ersten Lacher in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadthalle von Esslingen. Minutenlang wird die 65-Jährige vom Publikum, in dem sich an diesem Abend kaum mehr als eine Handvoll Männer findet, als eine Ikone gefeiert, die sie nach 30 Jahren an der Spitze der Frauenzeitschrift „Emma“ auch zweifellos ist. Schwarzer ist an diesem Abend gekommen, um aus ihrem zuletzt erschienenen Buch „Die Antwort“ zu lesen, in dem sie mit allen Angriffen auf die „größte unblutige Revolution des 20. Jahrhunderts“ abrechnet – die Emanzipation.

Die größte Gefahr sieht sie im Islam und im Biologismus, wobei sie hinzufügt, dass wenn sie vom Islam spreche, sie eigentlich den islamischen Fundamentalismus meine. Beide behaupteten, den Geschlechtern sei eine definierte Rolle vorgeben, wobei sich die einen auf den Koran, die anderen auf die Hormone berufen. Und natürlich komme in beiden Ideologien den Männern die definierende Rolle zu. Sie habe schon 1979, als sie kurz nach der Islamischen Revolution aus Solidarität mit den iranischen Frauen nach Teheran reiste, vor der Islamismusgefahr gewarnt, sagt Schwarzer. Heute habe sich der „islamistische Kreuzzug“, dessen Keimzelle sie im Iran verortet, bis nach Europa ausgebreitet.

"Drehscheibe des Terrors"

Niemals habe sie gedacht, einmal in Köln eine Frau im Tchador zu treffen. Heute sei Deutschland zu einer „Drehscheibe des Terrors“ geworden, sagt sie. Immer mehr muslimische Migranten bezeichneten sich als streng religiös, immer mehr befürworteten das Kopftuch. Für Schwarzer ist dieses „nicht allein ein Stück Stoff“, wie es öfters heiße. Ihrer Ansicht nach geht es dabei auch nicht um Glaube und Tradition, und keineswegs sei es mit religiösen Symbolen wie dem Kreuz oder der Kippa vergleichbar. Für sie ist es ein Zeichen der Unterdrückung, das an Schulen verboten werden sollte, wie dies in Frankreich bereits geschehen ist.

Für Angela Merkels Auftritt in den Golfstaaten findet Schwarzer warme Worte, da sie sich dort nicht verschleierte – anders als frühere Politikerinnen wie die grüne Staatsministerin Antje Vollmer, die gemeint habe, als Zeichen des Respekts gegenüber der fremden Kultur ein Kopftuch tragen zu müssen. Viel zu lange habe man bei Migranten unter Verweis auf die andere Religion und Kultur Eigenarten geduldet, die mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz nicht vereinbar sind. „Die Menschenrechte sind unteilbar“, ruft sie und fordert dazu auf, den Männlichkeitswahn zu ächten, der das „Fundament des Fundamentalismus“ sei – und ist sich damit des Beifalls des Publikums sicher.