Warum die Homosexuellen heiraten wollen...

Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2004
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Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2004

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...und warum die Heterosexuellen sich fragen warum.

Indem sie den Homosexuellen das Recht zu heiraten verweigern, stellen die meisten Länder Europas die Bewahrung einer sozialen Ordnung, die auf der Unterscheidung der Geschlechter basiert und die als unveränderbar angesehen wird, über die individuellen Freiheiten. Doch damit verstoßen sie gegen das Gleichbehandlungsgebot aller Bürger. Welche vorzeitliche Furcht vor der Homosexualität verfolgt Europas Regierungen?

Was ist die Ehe?

Die meisten Menschen wären erstaunt zu vernehmen, dass die Homosexuellen seit jeher (oder doch schon fast immer) heiraten, allerdings... nicht untereinander. Die Geschichte ist voll solcher Männer, die der Konformität halber heirateten, doch von der Gesellschaft zu einem Doppelleben verurteilt wurden: Ehrwürdige Ehepartner bei Tag, doch schwule Liebhaber bei Nacht.

Ist die Ehe so heilig, dass sie unantastbar ist? Eine gesunde Anwendung der mikroökonomischen Logik erlaubt, den Verteidigern des konservativen Konzepts der Ehe eine sehr einfache Antwort zu geben: Die Ehe ist im Endeffekt nichts anderes als eine situationsgebundene Rente, die der Staat monogamen, heterosexuellen Paaren zahlt. Also ein Recht, welches den einen verliehen wird, den anderen nicht. Ein Recht jedoch, das Anrecht auf recht bedeutende materielle und finanzielle Vorteile verleiht. Entspricht dies nicht exakt der Definition dessen, was die meisten europäischen Institutionen üblicherweise „Diskriminierung“ nennen?

Die „Ehe light“ erobert den Westen Europas

Am 5. Juli 2001 verabschiedete das Europäische Parlament, der Diskriminierung bewusst, die Schwulen und Lesben in praktisch der Gesamtheit der Mitgliedsstaaten erlitten, eine Empfehlung an die Regierungen. Es forderte sie darin auf, den Homosexuellen wenigstens das Recht zu geben, eine Lebenspartnerschaft einzugehen.

Wie so oft, waren auch in diesem Fall die Niederlande der Vorreiter: Seit Einführung der „registrierten Partnerschaft“ Anfang 1998, bis zu den Gesetzen von 2001, die Homosexuellen erlaubten zu heiraten und Kinder zu adoptieren, wurde die Behandlung der Paare graduell, aber zügig angeglichen. Auch in Belgien wurde die Situation recht rasch gelöst: Das Gesetz vom 13. Februar 2003, das Menschen gleichen Geschlechts die Heirat ermöglicht, folgte der Einführung der „legalen Kohabitation“ von1998.

Abgesehen von diesen Ländern bleibt jedoch die Heirat zwischen Menschen gleichen Geschlechts in den anderen Mitgliedsstaaten weiterhin verboten. Jene „registrierten Partnerschaften“ und „Zivilpakte“, die man in Dänemark (1989), Schweden (1994), Frankreich (1999) oder Deutschland (2001) findet, ähneln allerdings seltsamerweise einer „Ehe light“. Ähnlich auch das derzeitige Gesetzesprojekt in Großbritannien. Auch können die dänischen, britischen und schwedischen Homosexuellen bereits Kinder adoptieren. Was Österreich betrifft, bereitet es gerade ein Projekt vor namens ZIP (Zivilpakt).

Auch in Südeuropa tut sich etwas: In Spanien hat der neue Ministerpräsident versprochen, bis 2005 das bürgerliche Gesetzbuch zu modifizieren, um die Ehe auch Homosexuellen zu öffnen. Und in Portugal führte 2001 ein Gesetz eine Lebensgemeinschaft ein, die nicht zwischen den Geschlechtern unterscheidet.

Lässt also die derzeitige Entwicklung unserer Gesellschaften auf eine bessere Zukunft hoffen, in der sich Sexualität mit Gleichheit reimt? Freuen wir uns nicht zu schnell: Ein Bericht des Europarats skizzierte vergangenes Jahr den Weg, der in den meisten Ländern zurückzulegen bleibt, um die Diskriminierung von Schwulen und Lesben zu beenden. Ganz zu schweigen vom Beitrittskandidaten Bulgarien, wo Homosexualität immer noch als Verbrechen behandelt wird.

Das wahre Gesicht der Konservativen

In Frankreich wütet derzeit der Streit um die Homosexuellenehe. Er hat die politischen Fronten neugezogen: Die traditionelle Unterscheidung zwischen links und rechts hat sich zugunsten einer neuen Aufteilung aufgelöst: Einer Unterscheidung zwischen Sozialliberalen, die offen für Veränderungen sind, einerseits und den Nostalgikern, welche die traditionelle Familie als Keimzelle der Gesellschaft verstehen und in ihren Vorurteilen verstrickt bleiben, andererseits.

Alles begann als ein französischer Bürgermeister, der Grüne Noël Mamère, zwei Männer traute und dies ihm eine einmonatige Suspendierung einbrachte. Von den Medien in aller Breite übertragen, schwoll die Polemik rasch an. Einige erklärten sich „dafür“. Andere, auch in der Linken, erklärten sich „dagegen“. Zweifelsohne aus Angst, die Homosexuellenehe könnte zur Legalisierung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paaren führen.

Wie in den Niederlanden, sagen Sie mir? Den Kinder gleichgeschlechtlicher Paare geht es dabei doch blendend! In Frankreich hingegen erziehen bereits Tausende homosexueller Paare Kinder in perfekter Harmonie... aber in völliger Rechtlosigkeit. Ist es nicht dies, das nicht länger zu tolerieren ist? Denn ohne geeigneten juristischen Rahmen, sind diese Familien neuer Art den geringsten Risiken des Lebens schutzlos ausgeliefert. Wenn einer der Partner stirbt, hat der andere keinerlei Recht auf das Kind, wenn der andere die Vormundschaft hatte. Auch kann er sich anstrengen, wie er will, er wird keine Entschädigung erhalten. Davon, spricht kein Mensch.

In einem Wort: Die Politiker der Rechten wie der Linken mögen die französischen Homosexuellen... solange sie weiterhin diskriminiert werden dürfen!

Europa hängt einer Fiktion nach: Einer sozialen Fiktion, die auf der Heiligung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern und auf dem Glauben an die Existenz einer symbolischen Ordnung beruht. Unter dem Vorwand, das Recht müsse diese symbolische Ordnung bewahren, weigern sich die Mitgliedsstaaten, mit einigen seltenen Ausnahmen, über die Frage der Homosexuellenehe zu entscheiden... Und, obgleich ihre oberste Aufgabe der Schutz der individuellen Rechte ist, lässt die europäische Justiz sie gewähren.

(1) In einem Urteil vom 31. Mai 2001 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Mitgliedsstaaten nicht verpflichtet seien, registrierte Partnerschaften oder Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts anzuerkennen, die in anderen Mitgliedsstaaten geschlossen worden waren.