Warnsignal: Die 'Wahren Finnen' gefährden den Euro

Artikel veröffentlicht am 18. April 2011
Artikel veröffentlicht am 18. April 2011
Bei den Parlamentswahlen in Finnland hat die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen 19,1 Prozent erreicht und liegt nur knapp hinter dem Wahlsieger, der konservativen Sammlungspartei. Die Wahren Finnen werden vermutlich an der nächsten Regierung beteiligt sein. Die Presse befürchtet, dass sie wegen ihrer EU-feindlichen Rhetorik die Stabilisierung des Euro gefährden.

Iltalehti: Globalisierung hat die Aussichten unsicherer gemacht; Finnland

Die rechtspopulistischen Wahren Finnen haben ihren Erfolg bei den Parlamentswahlen am Sonntag den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Strukturen zu verdanken, meint die Boulevardzeitung Iltalehti: "Weder der Skandal um die Parteienfinanzierung, noch die Eurokrise an sich haben den Erdrutsch verursacht. Viele haben die über hundert Jahre alte Parteienstruktur satt, bei der die Unterschiede zwischen den drei großen Parteien immer schwieriger zu erfassen sind. Vor allem wurde gegen einen zu starken gesellschaftlichen Wandel protestiert. Die Globalisierung hat die Aussichten unsicherer gemacht und die Entscheidungskompetenzen scheinen sich zu verflüchtigen. [...] Den Wahren Finnen muss nun eine echte Chance gegeben werden, Verantwortung zu übernehmen." (Artikel vom 18.04.2011)

Corriere della Sera: Geringerer Handlungsspielraum für Helsinki und Den Haag; Italien

Der Wahlerfolg der rechtspopulistischen Partei Wahre Finnen bei den Parlamentswahlen in Finnland gefährdet die Stabilisierung des Euro und ist daher ein Alarmsignal für ganz Europa, kommentiert die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Die finnischen Wähler haben eine Botschaft über die Landesgrenzen hinaus geschickt. [...] Nicht nur in Finnland, sondern auch andernorts führt die Unfähigkeit der Regierungen, der Einheitswährung eine glaubwürdige Struktur zu geben, zu einem antieuropäischen Populismus. [...] Der landesspezifische Unmut lässt sich zwar nicht nur mit der Eurokrise erklären. Doch diese schürt den populistischen Zorn, der seinerseits die Rettung klammer Staaten immer schwieriger macht. Deshalb verfügen die Regierungen von Helsinki wie von Den Haag nun über einen geringeren Handlungsspielraum. Dies nährt die Gefahr, dass sich die Schuldenkrise ausweitet, die ihrerseits den Populismus schürt. Die Spirale muss gestoppt werden, bevor es zu spät ist." (Artikel vom 18.04.2011)

Eesti Päevaleht: Regierungsbeteiligung der Wahren Finnen ist nicht nur eine innere Angelegenheit Finnlands; Estland

Die bemerkenswert hohe Wahlbeteiligung von rund 70 Prozent bei den finnischen Parlamentswahlen ist vor allem auf die Mobilisierung durch die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen zurückzuführen, schreibt die Tageszeitung Eesti Päevleht: "Viele Finnen wurden von dem schönen Wetter zu den Urnen gelockt, aber ein noch wichtigerer Faktor war die Partei Wahre Finnen: Viele Bürger stimmten für sie, weil sie der drei großen Parteien und ihrer Finanzierungsskandale überdrüssig waren, aber viele Finnen fürchteten sich auch vor dieser Gruppierung und vor ihren Politikern und beteiligten sich deshalb an den Wahlen, um gegen sie zu stimmen. [...] Ob sie an der Regierung beteiligt werden oder nicht, ist nicht nur eine innere Angelegenheit Finnlands, sondern betrifft ganz Europa: Davon hängt beispielsweise ab, wie die Rettung der Euro-Krisenländer verläuft."

(Artikel vom 18.04.2011)

Aftonbladet: Es kommt nicht oft vor, dass die finnische Politik die globalen Finanzmärkte beeinflusst; Schweden

Mit dem Erfolg der rechtspopulistischen Partei Wahre Finnen unter ihrem Parteichef Timo Soini bei den Parlamentswahlen in Finnland kommt dem Land eine entscheidende Rolle bei der EU-Finanzpolitik zu, bemerkt die Boulevardzeitung Aftonbladet: "Es war nicht seine Haltung gegenüber den Einwanderern, die dazu führte, dass das Wall Street Journal sich für den Mann interessierte. Timo Soini ist plötzlich eine zentrale Figur hinsichtlich der Zukunft des Euros. [...] Es besteht nämlich das Risiko, dass das finnische Parlament die finanzielle Unterstützung des krisengeschüttelten Portugals durch die Euroländer stoppt. Soll Südeuropa doch Konkurs gehen, denkt sich Soini. […] Die gestrige Parlamentswahl wird Konsequenzen haben. Der Anteil Finnlands an den Kreditgarantien kann bis zu 1,4 Milliarden Euro ausmachen. Das kann sicher von den übrigen Euroländern getragen werden. Doch die gesamte Entscheidung muss neu verhandelt werden. Es kommt nicht oft vor, dass die finnische Politik die globalen Finanzmärkte beeinflusst."

(Artikel vom 18.04.2011)

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