WAMP - Budapester Design auf Erfolgskurs

Artikel veröffentlicht am 31. März 2010
Artikel veröffentlicht am 31. März 2010
Seit 2006 versammelt der Designermarkt in Budapest WAMP jeden Monat hunderte junge ungarische Designer, die ihre Kreationen einer immer größer werdenden Besuchermenge vorstellen wollen. Aber WAMP ist nicht einfach nur ein Netzwerk, das sich die Aufwertung der ungarischen Designerbranche zum Ziel gesetzt hat, sondern mittlerweile auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

In dem Budapester Stadtviertel an der Margit-Brücke, nahe der gemächlich dahin fließenden Donau, hat sich die Boutique Musu in einem winzigen Raum im Erdgeschoss eines prunkvollen Bauwerks eingenistet. Im Schaufenster fallen ein sowjetischer Fernseher, verschiedenste Anstecker, Plüschtiere, und natürlich auch einige Klamotten ins Auge. Die beiden Freundinnen „Betty“ und „Boggy“ haben ihr kleines Bekleidungsunternehmen 2007 gegründet und sich seitdem auf alternative, bequeme und widerstandsfähige Fahrradbekleidung spezialisiert: Chic&Choc.

Auf den Spuren der New Yorker Designerwelt

Betty und ihr Panda, das Markenzeichen der beiden Designerinnen2008 schließt sich die Boutique Musu dem Netzwerk WAMP an, nachdem sie in einem Designerwettstreit die Qualität ihrer Arbeit unter Beweis gestellt hat. In Aussicht stand einer der begehrten Plätze auf dem berühmten Designermarkt von Budapest. Dieses Ereignis, das zum unumgänglichen Treffpunkt des jungen, schöpferischen Nachwuchses der Hauptstadt geworden ist, versammelt jeden Monat fast 100 Aussteller (von den insgesamt 400 Mitgliedern des Netzwerks). Um die 5000 Besucher finden sich regelmäßig ein, im Winter in einem überdachten Markt, von der ersten Frühlingswärme an im Freien.

Réka Matheidesz, eine der drei Gründerinnen der Designerplattform, ist selbst keine Designerin sondern kümmert sich ums Management von WAMP: „In New York gibt es bereits einen Designermarkt, warum also nicht auch in Budapest?“ Jeden Monat werden hier Kleider, Schmuck, Keramiken, Spielzeug, Recycling-Objekte und vieles mehr ausgestellt. „Für die Designer, von denen viele nicht das Glück haben eine eigene Boutique zu besitzen, ist dies eine unglaubliche Chance.“ WAMP unterstützt sie auch bei der Entwicklung ihrer Marketingstrategie: „Jeden Monat wird ein Designer für die Qualität und Originalität seiner Arbeit geehrt, was zu einer Förderung der besten Designer beiträgt.“

In der Boutique von MUSU kann man sich auch Unikate anfertigen lassen

Design mit internationalem Flair

Über die monatlichen Treffen hinaus organisiert WAMP jedes Jahr ein internationales Designfestival, mit dem Ziel, einen internationalen Dialog zwischen Designern herzustellen und die jungen ungarischen Modeschöpfer in professionelle Netzwerke einzubinden. Das jüngste, gemeinsam mit den Niederlanden organisierte Festival zog mehr als 8000 Besucher in nur drei Tagen an, angefangen von den Modeschauen über Designworkshops bis zur Abschlussgala. Mittelfristig plant WAMP sogar eine Expansion in andere Städte Ungarns.

In Ungarn, das immer noch stark vom Soviet way of life geprägt ist, stellt Designermode etwas gänzlich Neues dar.

Dennoch ist das Netzwerk nicht einfach nur ein Kunstmarkt. „Wir verbinden die Modeschöpfung mit anderen Metiers, um die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Schönheit von Alltagsgegenständen zu lenken und um neue Strömungen in der ungarischen Mode anzuregen.“ In einem Land wie Ungarn, das immer noch stark vom „Soviet way of life“ und seinen geläufigsten, tausendfach vervielfältigten Alltagsgegenständen geprägt ist, stellt die Designermode etwas gänzlich Neues dar. „Erst vor etwa zehn Jahren sind die ersten Initiativen hier aufgekommen“, erzählt Réka, „schon bald wird man die Entstehung einer wirklich eigenen ungarischen Mode beobachten können.“

Da sie oftmals im Ausland studiert haben und schon viel gereist sind, ist den drei Verantwortlichen von WAMP die Entwicklung der europäischen Integration überaus wichtig. Manch ein Designer hat überdies bereits die Möglichkeit bekommen, mit dem Designernetzwerk die ungarischen Farben bei internationalen Events in Wien, Berlin oder gar Peking zu vertreten.

Seit 2006 verkaufen hier über 500 Nachwuchsdesigner ihre Produkte

Designermode ist kein Luxus

Wirtschaftskrise? Kenn' ich nicht! Die Mehrheit der Modeschöpfer von WAMP erfreut sich einer immer größer werdenden Bekanntheit und steigender Umsätze. „Heutzutage kaufen die Leute nur noch die billigsten Sachen, oder aber die einzigartigen. Darauf setzen wir, indem wir das Einzigartige, das Originelle, das Andersartige kreieren. Unsere Käufer wissen, was sie bei uns für ihr Geld bekommen“, freut sich Betty. Und Designermode ist entgegen der landläufigen Vorstellung kein Luxusprodukt. „Was die Designermode so kostspielig macht, sind die Margen der Designboutiquen, die die ihnen anvertrauten Kreationen weiterverkaufen. Dadurch kann sich der Preis schnell verdreifachen“, erklärt Betty. „Auf dem WAMP-Markt verkaufen wir die Produkte zu unseren eigenen Preisen.“ Und Réka fügt hinzu: „Der Sinn von WAMP ist es, Designermode für alle zugänglich zu machen, sprich, eine Schnittstelle zwischen den Designern und dem Publikum herzustellen.“

Im Übrigen spricht die Branche ein eher junges Publikum an, in der Regel zwischen 15 und 35 Jahren, mit einer stetig wachsenden Beliebtheit bei den unter 20-Jährigen. Aber nicht ausschließlich: „Ich beobachte, dass immer mehr Mütter mit ihren Kindern in die Boutique kommen, um die Kleiderbestände der Familie aufzufüllen“ , so Betty, „die Designermode ist eindeutig dabei sich zu demokratisieren.“

Musu: « Denken. Lachen. Losfahren »

Trotz dieser Erfolge können längst nicht alle Designer von ihren Kreationen leben. Betty schätzt sich glücklich, die Wohnung ihres Freundes mitnutzen zu können. Viele andere üben nebenbei noch eine zweite, einträglichere Tätigkeit aus. „Man muss eben geduldig sein“, predigt Réka. „Als wir anfingen, war WAMP eine Leidenschaft, wir waren alle ehrenamtlich tätig. Mittlerweile ist es ein richtiger Job.“

Betty verfügt außerdem über ein abgeschlossenes Kunststudium. „Designen ist auch eine Art, den Menschen den Sinn des Einkaufens, des Konsums näher zu bringen. Was wir herstellen, ist keine Mode, sondern Gegenstände mit ihrem je eigenen, besonderen Wert.“ Nicht umsonst lautet der Slogan der Boutique Musu „Denken. Lachen. Losfahren“. In der Tat: Das Geschäft mit der ungarischen Designermode scheint mittlerweile richtig in Fahrt gekommen zu sein.

Vielen Dank an dascafebabel-Team in Budapest.

Fotos: ©Fabien Champion