Wallströms Welt

Artikel veröffentlicht am 12. Juni 2006
Artikel veröffentlicht am 12. Juni 2006

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Seit die EU-Kommissarin Margot Wallström im Jahr 2005 ihr eigenes Internet-Tagebuch startete, ist sie eine Art Star in der Blogsphäre.

Margot Wallström ist ein Phänomen der Blogosphäre. Während des ersten Jahres, in dem ihr Blog existierte, wurden über 4000 Kommentare zu ihren Eintragungen abgegeben und viele Blogger verweisen nun regelmäßig auf die Webseite der Europäischen Kommission. Das Europäische Parlament feierte das als einen Erfolg. Dennoch wurde der Blog als „Witz“ kritisiert. Ist Wallströms Tagebuch ein erfolgreicher Weg, die europäische Debatte anzuregen oder handelt es sich nur um Selbstdarstellung?

Kreatives Chaos

„Was ich an der europäische Debatte am meisten mag, ist ihre Vielfältigkeit“, schreibt ein Kommentator im Blog. Dieses Zitat zeigt Wallströms Naturell. Die Debatten, die im Blog aufkommen sind alles andere als strukturiert. Das Spektrum reicht von der EU-Erweiterung bis zu Buchempfehlungen. Einige Kommentatoren antworten direkt auf die Beiträge Wallströms, während andere das Internet-Tagebuch als eine Plattform für interne Debatten nutzen. Für einen Außenseiter ist es schwierig, dem Diskussionsstrang zu folgen.

Aber es ist genau das, was Wallströms Blog zu einem chaotischen und deshalb europäischen Diskussionsforum macht – so wie es auch Einblicke in das Leben einer EU-Kommissarin bietet.

Die Freiheit, anders zu sein

Wallströms Tagebuch ist ein Ort der Redefreiheit. Jeder, der über einen Zugang zum Internet verfügt, kann einen Kommentar verfassen. Der Moderator Joe Hennon gibt diese Kommentare dann zur Publikation frei. Er sagt, er habe im ersten Jahr nur 7 oder 8 Kommentare nicht publiziert – was den offenen Charakter der Diskussion nur noch bekräftigt.

Hennon ist auch eine Art Informationsquelle in den Debatten, verweist Leser zu EU- Webseiten oder klärt Fragen, die die europäischen Institutionen betreffen.

Die Tatsache, dass die meisten Kommentare inklusive Wallströms eigenen Beiträgen in Englisch verfasst werden, hat vor allem am Anfang viele britische Teilnehmer angezogen.

Hennon erinnert sich, dass der Blog früher eher unausgeglichen war. Aber nach der Ablehnung der europäischen Verfassung fühlten sich auch zunehmend andere Europäer angezogen. „Ich denke, das Beste was uns passieren konnte war der Anstoß zu einer Verfassungs-Debatte durch Franzosen und Holländer. Dadurch konnten wir eine wirkliche Debatte über die Zukunft Europas starten“, sagt der Moderator.

Während des ersten Jahres haben im Blog Menschen aus allen europäischen Nationen teilgenommen, das Blog verzeichnet 15 000 Stammleser und eine Million Hits im Monat.

Ein neuer Raum

Margot Wallström sagt, dass sie in dem Aufbau eines Internet-Tagebuchs die Möglichkeit sah, einen neuen virtuellen Raum zu schaffen, in dem sich die Europäer an Diskussionen beteiligen können. Angesichts der immer größer werdenden Anzahl an Teilnehmer aus ganz Europa scheint es, als seien die Bemühungen der Kommissarin erfolgreich verlaufen.

Auch wenn die Debatten unstrukturiert sind und es hart ist, ihnen zu folgen – die Stamm-Kommentatoren begrüßen den Blog. „ Ich denke, hier wird die seltene Möglichkeit geboten, sich an europäischen Debatten zu beteiligen“, schreibt ein franzöischer Teilnehmer. Andere Kommentare feiern das Internet-Tagebuch sogar als eine Plattform zur Meinungsbildung über Europa-Themen: „Ich finde, das dieser Blog der einzige Weg ist, mit der EU zu kommunizieren. Ich denke wirklich, dass dieses Tagebuch mein Interesse an der EU mehr geweckt hat als andere Versuche in der Vergangenheit.“

Das Tagebuch bietet auch einen interessanten Einblick in die Handlungen der europäischen Kommission. Wallström erklärt die Themen, mit denen sie sich befasst, aber sie schreibt auch über ihre Geschäftsreisen und teilt ihre abenteuerlichen Erlebnisse beim Weihnachtsessen mit den Lesern.

In einem erst kürzlich verfassten ‚Weißpapier’ über die Europäische Kommunikationsstrategie definierte die Europäische Kommission das Blog es als eines der entscheidendsten Elemente erfolgreicher europäischer Kommunikation, „Europa ein menschliches Gesicht zu geben“. Kommissarin Wallström hat genau an diesem Punkt angesetzt

Ein Computer mit menschlichem Antlitz

Die Beiträge der Leser zeigen, dass dies sehr willkommen ist. Ein Teilnehmer sagt: „Es ist wunderbar, eine reale Person in der wichtigen Position zu finden, die Verdienste der Europäischen Gemeinschaft seinen Bürgern zu kommunizieren“, während ein anderer feststellt: „ Anstelle von puren Reden über Kommunikation und deren Wichtigkeit, ist es toll zu sehen, dass sie auch wirklich dementsprechend handelt.“

Das Diskussionsforum und Wallström selbst haben das Blog zu einem viel gelesenen und wichtigen Teil der europäischen Blogosphäre werden lassen.