Wahlen in Italien: Balotellis Steilvorlage für Berlusconi

Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2013
Ein Balotelli macht noch keinen Sieg … oder doch? Mit dem Kauf des „Enfant terrible“ des italienischen Fußballs von Manchester City hat der AC Mailand einen der Transfercoups des Winters gelandet. Ein Deal, dessen Auswirkungen nicht nur in den Stadien der Serie A, sondern auch auf der politischen Bühne zu spüren sein werden.

Mit der Bekanntgabe des Transfers am 30. Januar ist dem AC Mailand, dem Verein des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, neben dem Wechsel von David Beckham zu Paris St. Germain die wohl größte Sensation in den letzten Tagen der Transferperiode gelungen. Die Ablösesumme für den umstrittenen italienischen Nationalspieler liegt bei geschätzten 23 Millionen Euro. Dazu kommt ein Jahresgehalt von 4,5 Millionen Euro. Bleibt noch abzuwarten, ob Balotelli einen Teil davon für karitative Zwecke spendet, so wie es der englische Fußballheld in der französischen Hauptstadt tut.

Balotelli, ein willkommener Wahlhelfer für Berlusconi?

Während seiner zwei eher unterdurchschnittlichen Jahre bei Manchester City fiel Mario Balotelli vor allem durch seine Eskapaden auf: Mal setzte er sein Haus in Brand, mal stieg er nachts unerlaubt in eine Schule ein, um dort auf die Toilette zu gehen. Sein inzwischen berühmter T-Shirt-Aufdruck „Why always me?“ kursiert im Internet und ist die Zielscheibe zahlreicher Parodien. Bereits zu seiner Zeit bei Inter Mailand hatte das „Enfant terrible“ des italienischen Fußballs für einen Skandal gesorgt, als er während einer Fernsehsendung ein gegnerisches Trikot überstreifte.

„Wenn der Wechsel von Balotelli die Wahl entscheiden kann, ist unser Land wirklich verloren.“

Aber es wäre zu kurz gegriffen, Balotelli auf seine Eskapaden abseits des Platzes zu reduzieren. Denn es ist nun mal sein fußballerisches Können, das ihn zu einem unumstrittenen Nationalspieler macht. Vor allem sein Einsatz im Halbfinale der EM 2012 gegen Deutschland hat ihn zu einem Nationalhelden gemacht. Der neue Stürmer von Mailand hat auch nicht lange gezögert, sich beim AC Mailand in Szene zu setzen, und gleich in seinem ersten Spiel einen „Doppelpack“ (zwei Tore kurz hintereinander) erzielt. Ein Lichtblick für den gebeutelten Verein AC Mailand, der im Titelrennen weit hinter Juventus Turin liegt. Aber das Eintreffen des Wunderkinds hat auch abseits des Rasens Aufmerksamkeit erregt: es kam bereits zu einem Zusammenstoß verschiedener Mailänder Fangruppen.

Doch nicht nur wegen der sportlichen Dimension sorgt die Ankunft von Super-Mario für Aufsehen. Zahlreiche Stimmen der italienischen Halbinsel haben mit Ironie hervor gehoben, dass der Transfer gleichzeitig mit Berlusconis Wahlkampagne für das Amt des Premiers geschieht . So feixt der Journalist Wolf Piccoli nach dem Sieg Mailands auf Twitter: Balotelli trifft in seinem ersten Spiel für den AC. Eine schöne Vorlage für Berlusconi, aber Bersani [Per Luigi Bersani, der sozialdemokratische Kandidat; A.d.R.] betont, dass er nicht auf ihn bauen kann.“ Auf Facebook widerspricht Roberto Saviano, Autor des Bestsellers Gomorra, der These, der Kauf von Balotelli könne tausende Stimmen bringen: „Wenn der Wechsel von Balotelli die Wahl entscheiden kann, ist unser Land wirklich verloren.“

Die sozialen Netzwerke stehen dieser Angelegenheit kritisch gegenüber – das liegt auch an der Berichterstattung der traditionellen Zeitungen, die alles andere als objektiv ist. So hatte die Gazetta dello Sport am Morgen nach dem fantastischen Auftritt der Rugby-Nationalmannschaft gegen Frankreich nur Augen für Balotelli. Auch die anderen italienischen Tageszeitungen berichteten über die Leistungen des Nationalspielers. Das ist nicht wirklich verwunderlich: der Berlusconi-Clan kontrolliert durch den Pressekonzern Mediaset einen großen Teil der italienischen Medienlandschaft. Und angesichts der niedrigsten Umfragewerte seit Berlusconis Rücktritt werden alle Register gezogen, damit die Quoten des "Cavaliere" wieder steigen.

"Super Mario" & der "Cavaliere"

Für die Italiener ist das nicht überraschend. Sie sind es gewohnt, dass die Wahlen immer mehr zu Reality-Shows werden, in denen Berlusconi persönlich auftritt: Von „Wer senkt die Steuern?“ – er hat kürzlich versprochen, die IMU (Steuer auf den Erstwohnsitz) zu senken, die Monti auf Druck der EU 2011 eingeführt hatte – bis zu „Leb mein Leben als AC-Mailand-Präsident“. Auch der Wechsel von Balotelli ist Teil der Show. Und das, nachdem Berlusconi selbst ihn zwei Wochen zuvor noch als „faulen Apfel“ bezeichnet hatte, der die ganze Mannschaft anstecken könne.

Alles nur Zufall oder doch geplant? Super-Mario ist nicht nur der Spitzname von Balotelli, sondern auch der von Mario Monti, Nachfolger und Gegner Berlusconis für die Wahlen am 24. Februar. Vielleicht das Zeichen für einen erneute Wende? Das Transferfenster ist nun geschlossen, aber ein Vorvertrag ist nicht auszuschließen…

Illustrationen: Teaser: mit freundlicher Genehmigung von ©offizielle Facebookseite von Balotelli; Videos: "Doppelpack" von Balotelli (cc)dado98suv/YouTube;  "Mela Marcia" (cc)AndreaTucci1/YouTube