Wahlen in Griechenland: Die Pflicht ruft!

Artikel veröffentlicht am 5. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 5. Oktober 2009
Am gestrigen 4. Oktober fanden in Griechenland vorgezogene Parlamentswahlen statt, aus denen die Sozialisten von Giorgos Papandreou mit deutlicher Mehrheit (fast 44%) hervorgingen und die Konservativen der ND damit in die Opposition verweisen konnten. Ein Stimmungsbild.

Der scheidende griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis hätte keine bessere Entscheidung treffen können: Die vorgezogenen Parlamentswahlen, die am gestrigen Sonntag stattfanden, sollen dem Land neuen politischen Aufwind geben. In diesem Sinne haben die griechischen Bürger ihren Ministerpräsidenten am 4. Oktober 2009 abgewählt. Die Wahl wurde traditionell zwischen Pasok (den griechischen Sozialisten) und der konservativen Nea Dimokratia ausgetragen, die die beiden Mehrheitsparteien des Landes darstellen. In Griechenland, das seit 1973 eine parlamentarische Republik ist, wird nach den selbenn Prozeduren gewählt, wie auch in anderen Ländern der Europäischen Union. Doch einige "Eigenheiten" hat die Halbinsel dann doch…

Wahldebakel auf Bildschirmen und in Cafés

©caseyscamera/flickrIn Griechenland herrscht nicht nur eine politische, sondern auch eine mediale Krise. Die nationalen Fernsehsender strahlten in den letzten Wochen vor dem großen Termin Wahlsendungen en masse aus. Normal, würde manch einer jetzt behaupten wollen. Und trotzdem war das Resultat dieser übertriebenen Medienpräsenz enttäuschend: Dem Fernsehspektakel fehlte die Ernsthaftigkeit und der Gang in die Tiefe.

Dazu nur ein kurzes Beispiel aus den griechischen Tagesthemen: Der Nachrichtensprecher führte allein durch die Sendung und empfing in deren Rahmen vier oder fünf Persönlichkeiten, meistens Experten, Parlamentarier und Journalisten, die derlei Auftritte gewohnt sind. Auf Griechisch nennen wir diese kurzen Interventionen 'Fenster', da die entsprechenden Expertenmeinungen über einen Mini-Bildschirm, der während der Nachrichtensendung eingeblendet wird, übertragen werden. Die Nachrichtensendung wurde mit diesen vielen Zeitfenstern jedoch regelrecht zur Farce - das ist wirklich in jedem anderen EU-Land unvorstellbar! Da blieb dem Zuschauer nur noch die Betätigung des Off-Knopfes der Fernbedienung, um diese unverständliche Fensterchen-Debatte zu unterbrechen. Selbst der gewiefteste Zuschauer konnte nicht mehr folgen. In 60 Minuten Sendung gab es nur Gezeter, aber weder konstruktive Vorschläge geschweige denn Lösungen!

Ähnlich ging es auf den Plätzen der Stadt zu: In Griechenland hatte jede größere Partei einen Stand mitten in Athen aufgestellt. Der der Konservativen der Nea Dimokratia stand auf dem Syntagma-Plat (Platz der Verfassung), während sich die griechischen Kommunisten der KKE auf dem Omonia-Platz versammelt hatten. Jeder an seinem Posten bereit! Damit fällt es allerdings schwer, seine Stimme geheim zu halten, wenn man nun einmal ständig auf dem einen oder anderen Platz gesichtet wird. Jeder wusste somit von Vornherein, wer für welche Partei stimmen würde. Trotzdem konnte es spannend sein, bei der ein oder anderen Tasse Kaffee dem Wahl-Klatsch und Tratsch zuzuhören.

Wahlpflicht: Zurück zu den Wurzeln

Wir Griechen können nicht nur wählen - wir müssen!

Ein anderes Detail, wir Griechen können nicht nur wählen - wir müssen! Bei uns herrscht seit 1932 Wahlpflicht für alle Staatsbürger zwischen 18 und 70 Jahren. Strafbar ist das Nichtwählen seit der Verfassungsänderung von 2001 allerdings nicht mehr. Und so lag die Wahlbeteiligung 2007 bei ca. 75 Prozent, 2009 haben sich mit 82 Prozent wieder mehr Wähler mobilisiert.

Am Wahltag müssen die griechischen Wähler in ihren Geburtsort reisen. Die Wahl findet immer an einem Sonntag statt. Viele Arbeitnehmer, vor allem Lehrer und andere Berufsgruppen des öffentlichen Diensts, können bereits ab dem Freitag und bis zum Montag frei nehmen, um ihrer Wahlpflicht nachzukommen. Und obwohl eine kleine Minderheit ihre Wählerkarte an ihrem neuen Wohnsitz beantragt ist die Tendenz doch eine Rückkehr zu den Wurzeln – um seine Stimme in der Heimatregion abzugeben. In diesem Sinne wären vielleicht Online-Wahlen eine stressfreiere Lösung.