Von A bis Z: Die Generation Y im Porträt

Artikel veröffentlicht am 12. April 2012
Artikel veröffentlicht am 12. April 2012
Angeberisch oder einfach nur ehrgeizig? Illoyal gegenüber ihren Arbeitgebern oder einfach auf der Suche, Berufs -und Privatleben zu vereinen? Die Generation Y hat viele Facetten.

„Generation Y“ - dieser Begriff hat in der französischen Presse in den letzten Wochen große Schlagzeilen gemacht: „Die Generation Y greift nach der Macht“, „Die Generation Y wird Europa umkrempeln“ oder auch „Die Generation Y: Vorrang für Lebensqualität und Neuerungen“. Voilà, diese und ähnliche Schlagzeilen konnte man, neben zwei neuen Büchern über ebendiese Generation, in letzter Zeit fast überall lesen. Aber was verbirgt sich eigentlich genau dahinter?

Experten unterstreichen, dass die "Ypsilons" – so der Spitzname dieser Generationsvertreter – in den 1980er und 90er Jahren geboren wurden. Sie sind die Generation, die mit dem Internet groß geworden ist. Deshalb werden sie auch digital natives genannt. Aufgekommen ist die Bezeichnung „Generation Y“ Mitte des letzten Jahrzehnts in Managementkreisen. Als die ersten Ys den Arbeitsmarkt enterten, brachten sie neue Codes und Verhaltensweisen mit, die in keinem Lehrbuch für Personalführung zu finden waren.

Flexibel, super ausgebildet … und auf dem Sprung

Auf die Frage, wie man einen Vertreter dieser Generation erkennt, gibt das Buch La Génération Y par elle-même [„Die Generation Y über sich selbst“] von Julie Tissier und Myriam Levain Auskunft. Die jungen Journalistinnen (27 und 29 Jahre alt) machen den Klischees über diese Generation den Gar aus. Sätze wie „Sie sind Individualisten“, „Sie sind süchtig nach Porno“, „Sie sind ungebildet“ sind sowohl die Überschriften der einzelnen Kapitel als auch die Stereotype, die es zu zerstören gilt. 

Für die beiden Journalistinnen sind die Y „hyperconnected“, d.h. sie sind quasi mit dem Handy in der Hand geboren und begreifen das Internet als Zufluchtsort. Sie sind sehr gut ausgebildet, flexibel und in einer Zeit aufgewachsen, in der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit zum Leben dazu gehören. Sie haben deshalb eine andere Beziehung zur Arbeit als vorherige Generationen, erklären die beiden Journalistinnen. Deshalb sind die Ys gegenüber ihren Arbeitgebern auch nicht loyal und fühlen sich ihren Unternehmen nicht verbunden: „Die Loyalität zum Arbeitgeber ist kein Wert mehr in der Generation Y. Das ist nicht überraschend. Immerhin sind für uns alle Türen von Anfang an verschlossen und wir sind systematisch die letzten, die bedient werden. Wenn es einer unmöglichen Aufgabe ähnelt, einen unbefristeten Vertrag zu bekommen oder eine Wohnung zu finden, dann ist es logisch, dass wir einen gewissen Kampfgeist entwickelt haben. Der wird allerdings von den Älteren fälschlicherweise mit Unverschämtheit gleichgesetzt.“

In einer Gesellschaft, in der man nichts mehr geschenkt bekommt, haben die Ys eine gewisse Unabhängigkeit und 'Ich komm schon irgendwie klar' Logik entwickelt. Zugegeben: ein bisschen zynisch sind sie auch. Da sie seit ihrer Jugend mit dem Internet geimpft wurden, haben sie es heute schwer, zwischen Privat- und Berufsleben zu unterscheiden. Die Trennung dieser beiden Welten wird zunehmend schwieriger. Facebook, E-Mail und natürlich das Handy erinnern auch noch nach Feierabend an das Leben im Büro. E-Mails wollen zu jeder Tages- und teilweise auch Nachtzeit beantwortet werden. Letztlich verschwimmen Arbeitsleben und Freizeit.

Gibt es die Generation Y tatsächlich?

« Die Y sollen zugleich die „Generation Porno“ sein? Nicht mehr als andere. Porno gibt es ja nicht erst seit gestern. »

Auch wenn eine Technologisierung unserer Gesellschaft (u.a. wegen des Internets) nicht zu verleugnen ist, ist es doch schwer zu beweisen, dass sich auch Berufs- und Liebesleben altersabhängig verändert haben. Doch die beiden Autorinnen hebeln ihre eigenen Argumente aus. Indem sie Kapitel für Kapitel die Stereotypen der Generation Y versuchen zu erschüttern, bleibt am Ende kein einziges Erkennungsmerkmal ebendieser Generation übrig. So zum Beispiel im Bezug auf Sex. „Wenn es um Sex geht, dann stülpt uns die Gesellschaft das Image einer vollkommen hemmungslosen Generation über. Die Ypsilons sollen zugleich die ‚Generation Porno‘ sein?“ Nicht mehr als andere. Porno gibt es ja nicht erst seit gestern.“

Das gleiche gelte für den Bereich Partnerschaft und Treue. „Welche Werte der Liebe tragen wir in uns? So erstaunlich es klingt: Sie sind ziemlich klassisch. Die Treue bleibt ein wichtiges Gut für die junge Generation, weil sie ihre Partnerschaften auf Liebe und gegenseitigem Vertrauen aufbauen“, sagt die Sexualwissenschaftlerin Ghislaine Paris. Tatsächlich unterscheidet sich die Generation Y in Sachen Liebe und Sex nicht besonders von ihren Vorgängern. Deshalb lässt sich fragen: Existiert diese Generation überhaupt? In der Wissenschaft gibt es dazu keine einheitliche Meinung. Zahlreiche Untersuchungen zweifeln an den grundsätzlichen Eigenschaften dieser Generation. Das einzige, was die Generation Y von ihren Vorgängern unterscheidet? Das Alter!

Foto: Vorschaubild(cc)Giuseppe Bognanni/flickr; Foto mit Myriam Levain et Julie Tissier mit freundlicher Genehmigung von François Bourin; Video: (cc)UserExperienceWorks/YouTube