Verspätungen in der Bahnreform?

Artikel veröffentlicht am 15. November 2004
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Artikel veröffentlicht am 15. November 2004

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Die Reform des Eisenbahnverkehrs ist Bestandteil der Ziele von Lissabon. Verbessert werden sollen vor allem die Zusammenarbeit und der Wettbewerb, zum Wohl des Reisenden. Bis zum Jahr 2010?

"Die Bemühungen, ein leistungs- und wettbewerbsfähiges Eisenbahnnetz auf dem Gebiet der Union auszubauen, werden solange vergebens sein, solange die Systeme auf nationale Netze beschränkt bleiben", sagte 2002 die Kommissarin für Verkehr und Energie Loyola De Palacio.

Die Bahn spielt eine wichtige Rolle in der Regierungspolitik, da sie die industrielle Produktion und die wirtschaftliche Entwicklung von ganzen Regionen beeinflusst. Und dazu ist sie noch eines der umweltfreundlichsten Transportmittel.

Europa kann die Bahn nicht vernachlässigen, keine Frage! Die Strategie von Lissabon hat sich unter anderem die Wiederbelebung der Bahn zum Ziel gesetzt, die im europäischen Verkehr nur noch 8% ausmacht.

Gleiswechsel

Im Rahmen der Schaffung des europäischen Binnenmarktes in den 80ern wollten die europäischen Behörden ein enges und wettbewerbsfähiges Eisenbahnnetz schaffen, um die regionale und wirtschaftliche Entwicklung Europas voranzutreiben.

Zum 1. Januar 1993 wurde der europäische Markt für die Beförderung auf dem Landweg eingerichtet. Er sieht transeuropäische Transportnetze (europäische Korridore) vor, sowie ein spezielles Programm, mit dem Forschung und Entwicklung hinsichtlich eines grenzüberschreitendes Eisenbahnnetzes gefordert werden. Dadurch sollen gemeinsame Normen für alle Mitgliedstaaten geschaffen werden.

Und da gibt es noch viel Arbeit. Bei den Schienen zum Beispiel: sie sind nicht in allen Ländern auf die gleiche Art und Weise verlegt. Je nachdem ob sie zur Internationalen Union der Eisenbahnen (UIC) oder zur einst sowjetischen und jetzt russischen Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSJD) gehören, haben sie 1435 mm Abstand oder 1520 mm Abstand.

Auch die Art der Stromversorgung oder die Größe des Züge variieren von Region zu Region...

Auch wenn es an einigen Stellen möglich ist, diese Unterschiede im Standard auszugleichen, insbesondere durch den Einsatz von Eisenbahnen mit zwei Stromsystemen oder durch die Verstellung der Räder vor dem Befahren eines anderen Netzes, ist der Weg zu einer wirklichen Zusammenarbeit lang.

Zwei "Pakete" mit Maßnahmen zur Erneuerung der Bahn wurden nach dem Erscheinen des Weißbuchs Europäische Verkehrspolitik 2001 auf den Weg gebracht. Damit sollen die Sicherheit, die Zusammenarbeit und die Öffnung des Eisenbahnmarktes verstärkt werden. Die Kommission hat dazu ebenfalls die Schaffung einer europäischen Eisenbahnagentur empfohlen, die ab 2006 existsieren soll.

Europäischer Zugführerschein

Im Lissabon-Prozess könnte mit der Verabschiedung eines dritten Eisenbahn-Pakets in diesem Jahr eine neue Schwierigkeit überwunden werden. Die Bemühungen werden sich diesmal auf die Sicherheit und den Komfort der Reisenden konzentrieren.

Es geht momentan darum, die Mindestrechte im Fall einer Verspätung zu klären (einheitliches Entschädigungssystem), die Bedürfnisse von in der Mobilität eingeschränkten Personen zu berücksichtigen und die Sicherheit zu erhöhen durch die Schaffung eines Führerscheins für europäische Eisenbahner. Vor allem soll aber durch die Einführung des Wettbewerbs der allgemeine Service verbessert werden. Er wird für Fracht im Jahr 2006 gelten und dürfte für den Passagiertransport am 1. Januar 2010 eingeführt werden. Einige Staaten wie Frankreich, Luxemburg und Belgien sind nachdrücklich gegen diese Maßnahme. Vor dem Hintergrund der Baufälligkeit und der geringen Wettbewerbsfähigkeit eines einst glorreichen britischen Netzes, betonen sie die Gefahren einer schellen Liberalisierung, obwohl das europäische Parlament gerne das Datum auf den 1. Januar 2008 vorgezogen hätte.

Sofia-Budapest in 27 Stunden

Jules Renard hatte noch Recht, als er schrieb: "Der Zug [ist das] Auto der Armen. Es fehlt ihm nur noch, das er überall hinfahren kann." Wer noch nicht versucht hat, Europa im Zug zu durchqueren, kann die Dringlichkeit dieser Maßnahmen nicht verstehen: Paris-Budapest via Wien, zwei Stunden Verspätung, Anschlusszug verpasst. Sofia-Budapest, via Bukarest, 27 Stunden Reise, inklusive Wechsel des Zugs und des Personals ... Paris-Chester, via London, Leicester, Nuneaton, und Crew, sieben Stunden mit wenigstens zwei Stunden Wartezeit in Nuneaton aufgrund eines Zuges, der nie abgefahren ist … Was soll man zu den auch während der Reise offenen Türen in den rumänischen Zügen sagen? Oder zum verfallenen Zustand einiger Virgin -Züge? Oder zu den Streiks der SNCF?

Was soll man vom Fehlen eines europäischen Verzeichnisses von Zügen halten? Von Paris aus ist es schwierig, sich über die Verbindung Bukarest-Ruse, oder Wien-Krakau zu informieren. Man kann nicht erfahren, dass in Warschau einen Schlafwagenzuschlag gibt, und seinen Platz Sofia-Budapest kann man nur für den bulgarischen Teil der Strecke reservieren.

Die "Pakete", wenn sie denn zustande kommen, sind daher mehr als willkommen! Europa sieht am Horizont von 2010 einen offenen Eisenbahnmarkt und einen glücklichen Reisenden. Ist eine Verspätung zu verantworten? Auf jeden Fall ist der Zug der Lissabon-Reformen bislang noch pünktlich.