Vegetarier: Schluss mit Extra-Wurst in Deutschland

Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2017
Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2017

Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt hat Mitleid mit Fleischessern: Um sie nicht weiter zu verwirren sollen Veggie-Würste und Veggie-Schnitzel andere Namen bekommen. 

Vielleicht hat Christian Schmidt, der deutsche Agrarminister, ja schlechte Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist er ja einmal beim Abendessen aufgeschreckt, weil das Würstchen auf seiner Gabel, in das er genüsslich gebissen hatte, ein fleischloses Würstchen war. "Pseudo-Fleischgerichte" nennt der gebürtige Bayer solche Fleischersatzprodukte, die man als "vegetarische Wurst" oder "vegetarisches Schnitzel" bezeichnet. Sie seien "komplett irreführend und verunsichern die Verbraucher", sagte der Minister der Bild in einem Interview.

Deshalb hat sich der Politiker zum Ziel gemacht, diesen Missstand zu korrigieren: Vegetarische und vegane Produkte dürften nach Meinung des Ministers nicht mehr  als "Wurst" oder "Fleisch" bezeichnet werden. Denn niemand dürfe bei vegetarischen und veganen Ersatzprodukten "so tun, als ob es Fleisch wäre".

Dabei florieren solche Produkte gerade auf dem Markt: Laut dem internationalen Marktforschungsinstitut Mintel war 2015 jedes zehnte in Deutschland neu eingeführte Produkt vegan. Damit werden in Deutschland jährlich doppelt so viele vegane Produkte auf den Markt gebracht, wie im europaweiten Durchschnitt. Schließlich hat Deutschland einen hohen Anteil Vegetarier: Etwa 10% aller Deutschen ernähren sich vegetarisch, und etwa 900 000 Personen sind vegan, was ein weiteres Prozent der Bevölkerung ausmacht. Ein Absatzmarkt, der nicht zu verachten ist. Und so werden in dem Land, das eigentlich für seine Würste und Schnitzel bekannt ist auch viele fleischlose Wurst- und fleischlose Fleischprodukte angeboten.

Der Minister wolle die Produkte nicht per se verbieten, rechtfertigt er sich. Er ist nur für eine genaue Kennzeichnung, um Missverständnissen vorzubeugen. Wie diese genau aussehen soll, weiß Schmidt aber selbst nicht. Das Ministerium verweist auf entsprechende Fachausschüsse der Lebensmittelbuch- und der EU-Kommission. Fest steht aber, dass ihm das Thema sehr wichtig ist: Bereits im Sommer hatte sich der Minister aus Bayern beim europäischen Kollegen Vytenis Andriukaitis, dem EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, für eine klare Kennzeichnung eingesetzt.

Die Satirezeitung Postillon gibt einen weiteren wichtigen Aspekt zu bedenken: Vegetarier sollten nicht mehr von der "Schnitzeljagd" oder dem "Fruchtfleisch" sprechen. Gibt es Vegetarier die "das ist mir Wurst" sagen? Auch das sollten sie sich schnell abgewöhnen, bevor es darauf Strafen gibt.