Väterchen Frost, zu Weihnachten eine Eurasische Union bitte!

Artikel veröffentlicht am 29. November 2011
Artikel veröffentlicht am 29. November 2011
Im Oktober schlug der russische Premierminister Wladimir Putin eine Eurasische Union der früheren Sowjetrepubliken vor. Sie könnte neben den USA, der EU und Asien zu den neuen Global Playern im Kampf um Einfluss auf der politischen Weltkarte werden. Doch mit ihr ertönten auch Stimmen, die im russischen Expansionswillen eine Bedrohung sehen. Meistert Putin diese geopolitische Herausforderung?

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Russland handeln wird. Es ist ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium. Aber vielleicht gibt es einen Schlüssel. Und dieser Schlüssel ist das nationale russische Interesse. — Winston Churchill, 1938

Obwohl Putin nicht älter zu werden und immer der gut aussehende Macho in seinen Dreißigern zu bleiben scheint, kann er sich dem Genuss nicht entziehen, das alte Russland in das neue Russland verwandeln zu wollen. Mit seiner offiziellen Ankündigung einer Eurasischen Union, die sich aus Russland und dessen früheren Satellitenstaaten zusammensetzen soll, fürchten sich einige davor, Russland wolle die Zeit zurück drehen. Von einer Wiedereinführung der Sowjetunion ist die Rede. Sie sei ein Schritt zurück von der eher dem Westen zugewandten Außenpolitik eines Dmitri Medwedew. Kritiker befürchten, eine neue Ära des Kalten Krieges stehe bevor. Ganz nach Putins Art könnten solche Absichten durchaus hinter diesem Vorschlag stecken, meint der ukrainische Journalist Vitalky Portnikow: „die Idee einer Wiedervereinigung der postsowjetischen Länder seit den 1990er Jahren die Ideologie innerhalb der russischen Elite ist.“

Auch moderne russische Werbung, insbesondere für Tabak und Alkohol, spielt mit der Idee einer Eurasischen Union.

Junge Russen fordern Freiheit aber auch nationale Stärke

Die jüngere Generation sieht das jedoch ganz anderes. „Endlich ist es soweit“, sagt der 28-jährige Ivan: „Es ist ein zu 100 Prozent realistisches Projekt - historisch verwurzelt, prägnant und ökonomisch notwendig.“ Sicherlich würde Putins (wahrscheinliches) Comeback den starken und aufrichtigen Glauben an ein stabiles russisches Imperium wieder aufleben lassen. Das ist ein Bild, dem viele Russen verhaftet und mit dem sie aufgewachsen sind. Dabei geht es weniger um den Wiederaufbau der UdSSR: vielmehr will die Generation junger heranwachsender Russen den nationalen Stolz auf ihre Heimat bewahren. Mit den Fesseln, die ein kommunistisches Regime mit sich brächte, wären sie jedoch nicht in der Lage zu leben. Diese neue Generation braucht ihre Freiheit, Demokratie und eine freie Wirtschaft. Russlands junge Generation befürwortet alles, was das russische Zentralsystem mäßigt, aber empfindet parallel auch nationale Stärke als den richtigen Schritt.

Seit den Gründungsverträgen zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1956arbeiten die Mitgliedsstaaten daran, ihren eigenen wettbewerbsfähigen Markt aufzubauen. Eurasien widmeten sie bisher weniger oder gar keine Aufmerksamkeit. Sie konzentrierten sich auf die USA auf der einen und China auf der anderen Seite. Auch Russland registrierten sie. Doch Staaten wie Belarus, Kasachstan oder andere Ex-Sowjetstaaten spielten für sie keine Rolle. Tatsächlich gibt es keinerlei erfolgreiche westliche Strategie für diese Region.

Dieser Superkontinent sollte jedoch keinesfalls unterschätzt werden. Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EurAsEC) wurde im Jahr 2000 von Russland, Belarus, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan gegründet, um die Mobilität zwischen den Ländern sicher zu stellen. Die Ukraine, die vielfach wie ein Stoßdämpfer zwischen der EU und Russland agierte, hat bisher nur Beobachterstatus. Doch der Erfolg der Eurasischen Union könnte durchaus in der Hand des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch liegen.

Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft mit Lukaschenko aus Belarus (in der Mitte), dem Präsidenten Kasachstans Nursultan Nasarbajew (zweiter von links) und Putin (der zweite von rechts)

Die Eurasische Union läutet eine neue Periode der Integration ein. Russland will die Zeit nicht zurück drehen. Stattdessen verändert es sich und passt sich einer neuen Maxime der Weltpolitik an – dem Regionalismus. Also was gibt es zu befürchten? „Russland ist einfach zu groß, um ein untergeordnetes Mitglied irgendeiner Union zu sein. Es wird sie lediglich zu seinem eigenen Vorteil nutzen“, sagt der 27-jährige Nico aus Weißrussland. Die Idee einer Eurasischen Union wurde nicht an einem Tag geboren. Sie hat eine Geschichte und hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Vielleicht hatte sie bisher keinen offiziellen Namen. Aber die Idee war da. Es scheint, als sei Putin, der frühe (aber sichere) Favorit der Präsidentschaftswahlen im März 2012, wieder mal allen voraus.

Fotos: Homepage (cc)KOTOB/Vitaliy Kotov/flickr/enot-potaskun.livejournal.com; im Text: EurAsEC Vertreter (cc)Minsk, Nationale Bibliothek Weiβrussland/ Vorsitzender Presse- und Informationbüro/Wikimedia