USA-Europa: Die French Fries schmecken wieder

Artikel veröffentlicht am 11. September 2006
Artikel veröffentlicht am 11. September 2006

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Fünf Jahre nach den verheerenden Anschlägen lernen immer mehr Amerikaner die europäische Art der Terrorbekämpfung schätzen.

"Die vereitelten Anschläge in London zeigen doch, dass die Europäer den Terrorismus erfolgreich bekämpfen". So wie Abby, eine Journalistin aus Washington, denken immer mehr Bürger in New York und Washington, jenen Städten, die vor Jahren von Terroristen angegriffen wurden. Dass die Bürgerrechte in Europa anders als in den USA nicht dem Kampf gegen den Terror geopfert werden, kommt in den liberalen Hochburgen der USA gut an: "Ich glaube nicht, dass die Europäer die Telefone der Bürger abhören, so wie das hier die National Security Agency gemacht hat, oder dass es in Europa Gefängnisse wie Abu Ghureib gibt", sagt Abby.

Nach fünf Jahren nähern sich die USA und die EU im Kampf gegen den Terrorismus wieder an. Unmittelbar nach dem 11. September 2001 schwappte zwar eine Welle der Sympathie von Europa nach Amerika: "Wir sind alle Amerikaner!" titelte die französische Zeitung Le Monde am 12. September 2001. Doch schon bald gingen die Meinungen darüber, wie man den Terrorismus bekämpfen solle, auseinander – der Graben zwischen Amerikanern und Europäern wurder breiter. Der Antiamerikanismus in Europa verstärkte sich, gleichzeitig wuchs in den USA die Ablehnung gegenüber der EU. Das ging soweit, dass die Kantine des amerikanischen Kongresses ihre "French Fries" in "Freedom Fries" umbenannte.

Vor kurzem kehrte man in der Kongress-Kantine zum ursprünglichen Namen zurück – die Stimmung in den USA scheint sich zu Gunsten Europas zu wenden. In New York und Washington ist man inzwischen der Meinung, dass Europa im Kampf gegen den Terrorismus ein wichtiger Verbündeter ist.

“Keiner kann ohne den anderen Erfolg haben“

Nach dem 11. September 2001 war man in Amerika davon überzeugt, dass man unmöglich mit Terroristen verhandeln könne und dass die europäischen Versuche, eine diplomatische Lösung zu finden, sinnlos seien. Und nachdem die Europäer sich weigerten, dem amerikanischen Führungsanspruch zu folgen, war Unilateralismus die einzig mögliche Option. Jetzt wendet sich das Blatt.

"Die Vereinigten Staaten und die EU sind im Kampf gegen den internationalen Terrorismus Partner. Keiner kann ohne den anderen Erfolg haben", so Michael Brown, Sicherheitsexperte und Dekan der Elliot School of International Affairs an der Universität von Washington. Auf der Straße denken die Leute ähnlich. James, der an einer Sprachschule in Manhattan arbeitet, denkt, dass Amerika nur mit Europa „eine breitere und effektivere Strategie“.

Einer Umfrage des German Marshall Fund aus dem letzten Jahr zufolge, sind mehr als die Hälfte der Amerikaner der Meinung, dass die USA und die EU eng zusammenarbeiten sollten. Fast drei Viertel der Amerikaner befürworten sogar eine größere Rolle Europas in der Weltpolitik – ein überraschend hoher Anteil.

Mehr und mehr Amerikaner glauben inzwischen, dass man Terroristen nicht allein mit Waffen bekämpfen kann. Europas Softpower scheint effizienter, als zunächst gedacht. Vielleicht schätzen auch deshalb immer mehr Amerikaner die Unterstützung Europas. „Die Politik der USA in den letzten Jahren hat Ablehnung in der Welt erzeugt“, sagt Julia, eine 26-jährige Englischlehrerin aus New York. „Die Zusammenarbeit mit den Europäern trägt viel dazu bei, Dialog und Diplomatie zu fördern.“

Die Gefahr kommt aus Europa

Natürlich sind es auch die Anschläge von Madrid und London und die vereitelten Terrorattentate in Frankreich, Italien und Deutschland, die die Amerikaner daran erinnern, dass auch Europa an vorderster Front gegen den Terrorismus kämpft. Der Regierung in Washington bereitet das allerdings auch Kopfzerbrechen, meint Jeremy Shapiro, Direktor des EU-USA-Forschungszentrums am Brookings Institut in Washington: „Im Gegensatz zur gängigen Meinung kommen die Nachwuchsterroristen nicht nur aus den Religionsseminaren in Pakistan oder den Slums von Kairo“, so Shapiro. „Stattdessen werden in Europa immer mehr junge wütende Muslime zu Extremisten." Viele Amerikaner fordern deshalb, dass Europa einen großen Teil der Verantwortung im Kampf gegen den Terror übernimmt.

Doch immer noch gelten Europas Sicherheits- und Verteidigungskräfte als schwach, unfähig und unterfinanziert. "Die EU ist wichtig, aber nicht sehr nützlich. Der Europäische Rat, Europol, Eurojust und andere Institutionen sind entweder absolute Neulinge oder klägliche Versager", so Shapiro. Dass Europa „sein Militär und seine Geheimdienste verbessern muss“, um den internationalen Terrorismus wirksam zu bekämpfen glaubt auch Jon, der für die britische Botschaft in Washington arbeitet. "Verbesserte Kommunikation und Informationsaustausch sowohl innerhalb als auch zwischen den Regierungen ist der Schlüssel zu einem wirksamen Kampf gegen den Terror", betont Michael Brown.

Wenn man New York und Washington verlässt und sich in Gegenden begibt, wo George W. Bush seine Wähler hat, sieht das Bild von Europa etwas anders aus. Auch wird das Ausmaß der Bedrohung diesseits und jenseits des Atlantiks unterschiedlich wahrgenommen. Laut der Umfrage des German Marschall Fund halten 71 Prozent der Amerikaner den Terrorismus für eine große Gefahr für ihre nationale Sicherheit, im Gegensatz zu 51 Prozent der Europäer. Das beeinflusst natürlich die Prioritäten und Strategien beider Seiten – und erschwert die Zusammenarbeit.