Unterwegs in Serbien: Zwischen Desillusion und Nostalgie

Artikel veröffentlicht am 6. August 2008
Artikel veröffentlicht am 6. August 2008

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Junge Serben haben das Gefühl, nur zu einer Übergangsgeneration zu gehören. Daher ihr Desinteresse an Politik. Dennoch wird in den Cafés und Restaurants immer lebhafter debattiert. Hauptthema: Unzufriedenheit über das Kosovo.

Belgrad: Ich weiß nicht, was mich hier erwartet, was ich sehen und mit meiner Kamera festhalten werde. Umso besser, wenn man mit Freunden ins Blaue fährt. Dank der Magie des World Wide Web nehmen wir mit einigen serbischen Gesprächspartnern Kontakt auf: Studenten, Organisatoren von diversen Veranstaltungen, Vereine.

Resignation nach dem Schweigen der Diktatur

Flughafen Belgrad, 10 Uhr. Von allen Wahlkampfplakaten lächeln uns die zwei Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2008 entgegen - Boris Tadic (Demokratische Partei) und Tomislav Nikolic (Serbische Radikale Partei).

©Laurent FrançoisEndlich treffen wir in unserer Jugendherberge ein, die von Donovan betrieben wird, einer jungen Amerikanerin, die zum Islam konvertiert ist. Viele widersprüchliche Standpunkte treffen in ihrer Jugendherberge aufeinander. "Wir sehen keinen Ausweg, wir befinden uns schon seit Jahren in einer Übergangszeit, für nichts", erzählen junge Serben. "Es ist zu spät für unsere Generation." Mangelnder Enthusiasmus und Vertrauensverlust kennzeichnen eine ganze Generation.

'Für manche ist Europa eine leere Hülle, die nur den Interessen der USA und der NATO dient.'

Vereine und Studentenorganisationen versuchen, die Desillusion unter jungen Menschen zu bekämpfen. Vereine wurden gegründet, um dem Schweigen, das unter dem Milošević-Regime verordnet worden war, etwas Neues entgegenzusetzen. "Wir müssen unermüdlich arbeiten, um die Dinge zu verändern, um die Kontrolle zu übernehmen", sagt einer der Aktivisten. Und Europa? Darüber scheiden sich die Geister. Für manche ist Europa eine leere Hülle, die nur den Interessen der USA und der NATO dient. Andere sehen in Europa den einzigen Hoffnungsträger und eine Möglichkeit für Serbien, seiner Lähmung zu entkommen

Kosovo: ein heikles Thema

Das Kosovo ist und bleibt ein kontroverses Thema. Für die einen ist die Region die Wiege der serbischen Nation, die das Land nicht aufgeben möchte. Für andere ist es ein verlorenes Terrain mit nunmehr 90 Prozent albanischer Bevölkerung, das man aufgeben muss, um vorwärts zu kommen. Ein seltsamer Kampf. Einige Vorschläge schockieren mich, verärgern mich sogar.

'Das Kosovo ist und bleibt ein kontroverses Thema.'

Wir repräsentieren Frankreich und somit auch einen Teil des Westens. Folglich werden wir zur Zielscheibe für Groll und Bitterkeit über die französische Politik der Vergangenheit und die heute fehlende französische Präsenz.

Zwischen den Überresten von Gebäuden, die 1999 zerbombt wurden, und den einzelnen Interviewtreffen bleibt Raum für entspanntere Bilder. In der Nähe des Stadtzentrums: eine Eisbahn auf dem gefrorenen Fluss. Wir tanzen auf der Donau und vergessen für einen Moment all die gordischen Knoten, die den Balkan zusammenschnüren. Als wir in einem Restaurant ankommen, erhebt sich die Tischgesellschaft und tanzt zur Musik. Griechen, Serben und Kroaten. Die Stimmen übertönen den immer lauter werdenden Klang der Trompeten. Man spricht über den Balkan, den Ruhm alter Zeiten und jeder genießt seinen heimischen Rakija.