Universität „extra muros", oder: das Prinzip des aktiven Streiks

Artikel veröffentlicht am 16. März 2009
Artikel veröffentlicht am 16. März 2009
Dienstag, 17 Februar 2009 Von Armağan Gözkaman Übersetzung von Juliane Rösch Bis Freitag geben sich die forschenden Lehrkräfte der frischgebackenen Universität von Straßburg im Rahmen einer Vorlesungswoche in der Librairie Kléber, also außerhalb der Universitätsmauern, die Klinke in die Hand.
Roland Pfefferkorn, Professor für Soziologie an der neuen Universität von Straßburg, hat noch einmal besonders die Motivation der teilnehmenden Lehrkräfte angesprochen: „Wir nehmen an diesem Ereignis Teil um zu zeigen, dass wir aktiv streiken können. Das heißt wir üben weiter unseren Beruf aus und vermitteln Wissen, und das auch, wenn wir streiken.“ Also auf die breite Öffentlichkeit zugehen damit sie besser versteht „was es bedeutet, als Lehr- und Forschungsbeauftragter zu arbeiten“.

Paul Dumont, Leiter des Instituts für türkische Studien in Straßburg zählte heute zu den Referenten. Sein Vortrag über den „Europäischen Tropismus der Türkei“ erörterte das Streben der Türkei der EU beizutreten. „Gibt es in Europa einen Platz für die Türkei, dieses islamische, am Berührpunkt zweier Kontinente und im Herzen der alten Welt gelegene Land?“ Die europäisch-türkischen Verhältnisse sind wieder in einen geschichtlichen Kontext zu setzen, wenn die offizielle Aufnahme der Verhandlungen über den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union eine Frage in den Mittelpunkt gerückt hat, welche heute angeregte Diskussionen hervorruft. In seiner Blütezeit „war das orientalische Ottomanen-, Balkan- und Mittelmeerreich bereits von Europa fasziniert und seine Herrscher stellten sich gern als Erben der römischen Kaiser dar.“ Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich die institutionellen Reformen mehrten, zog Europa wieder die Blicke auf sich. Die türkischen Reformatoren orientieren sich weitestgehend am europäischen Modell, „ob es sich nun um die Aufstellung einer modernen Armee, die Ausfertigung neuer Gesetze, die Umgestaltung der Verwaltung, die Inangriffnahme eines neuen Bildungssystems oder um die Verabschiedung einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Veränderung der Mentalität und des Lebensstils handelt". Europa seinerseits unternimmt viel, um diese Zuneigung zu pflegen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Grundstock für eine günstige wirtschaftliche und politische Partnerschaft für die „europäischen Mächte“ gelegt. Schutz der Minderheiten, Achtung der Menschenrechte und politische Reformen stellen Gegenleistungen für das europäisch-türkische Verhältnis dar, welches in den letzten Jahren den politischen Kehrtwendungen und Aufschüben verschiedener Mitgliedsstaaten der EU unterworfen war.

Wochenprogramm auf der Internetseite der Librairie Kléber

(Foto : Julien Narboux/Flickr)