United World Colleges: Bildung ohne Grenzen

Artikel veröffentlicht am 18. September 2006
Artikel veröffentlicht am 18. September 2006

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Seit Jahrzehnten wollen die United World Colleges durch Bildung die Völkerverständigung fördern. Schüler aus aller Welt können an einem der elf Colleges studieren – doch das Auswahlverfahren ist hart.

„Wenn dir mit 17 Jahren eine Institution das Gefühl gibt, dass sie an deine Fähigkeiten glaubt und dir die Verantwortung gibt, dass du die Welt verändern kannst, ist das eine einmalige Erfahrung, die den Rest des Lebens prägt.“ Aitor aus dem spanischen Alicante hat einen Teil seiner Schulzeit im Atlantic College in Wales verbracht, einem von elf United World Colleges (UWC), die auf vier Kontinente verteilt sind. Wie tausend andere Schüler aus aller Herren Länder, die jedes Jahr ausgewählt werden, ging er von 1996 bis 1998 auf das UWC in Wales und schloss sie mit dem International Baccalaureate ab, das in Deutschland als Abitur anerkannt wird.

Das Programm des UWC beinhaltet zahlreiche außerschulische Aktivitäten. Im Vordergrund steht dabei soziales Engagement. Die Schulen sind so eine Art Vereinte Nationen im Kleinen und bestrebt, die internationale Verständigung zu fördern. Dafür nutzen sie ein machtvolles Instrument, das Haltungen verändern und Frieden fördern kann: die Bildung.

Werte in die Tat umsetzen

„Das UWC ermöglichte mir, Werte wie Solidarität, Respekt und Toleranz in die Tat umzusetzen und mich sozialen Problemen zu verpflichten“, bekräftigt Tom, wie Aitor ein ehemaliger Schüler. Aitor arbeitet zurzeit für die Interamerikanische Entwicklungsbank in Washington, Tom hat vor kurzem ein Masterstudium in Entwicklungspolitik begonnen.

Dass man Verantwortung schon in jungen Jahren übernehmen muss, war eine der Prämissen des Gründungsvaters der UWC, Kurt Hahn. Der deutsch-jüdische Pädagoge, der vor den Nazis nach Großbritannien fliehen musste, unterstrich auch die Bedeutung, die kulturelle Vielfalt in der Bildung spielen müsse. Nur so könne man Jugendliche zu kritisch denkenden Individuen erziehen. Deshalb leben in jeder der internationalen Schulen Jugendliche aus über 70 Ländern.

„Wenn die Situation im Nahen Osten in einer Klasse behandelt wird, in der ein Israeli neben einem Palästinenser sitzt, erhält man einen Blick auf den Konflikt, den einem Geschichtsbücher nicht geben können.“ In ihrer Anfangszeit waren die Colleges eine der wenigen Institutionen in der Welt, die Schüler sowohl aus westlichen als auch östlichen Ländern aufnahmen. Da Jugendliche aus allen Ländern ohne Rücksicht auf Konflikte aufgenommen wurden, entstanden Freundschaften zwischen Tutsi und Hutu oder Serben und Bosniern, während sich ihre Völker in Bürgekriegen bekämpften.

Blick in die Zukunft

In Europa gibt es heute drei United World Colleges: in Wales, Italien und Norwegen. Die jungen Stipendiaten zwischen 16 und 19 Jahren werden durch Nationalkomitees ausgewählt und je nach Reife und Fähigkeiten auf die Schulen in aller Welt verteilt. Nur ein kleiner Teil der Schüler, der den harten Auswahlprozess durchlaufen hat, bezahlt für die Ausbildung an der Schule. Mit diesem Geld und mit zahlreichen Patenschaften von privater und staatlicher Seite wird die Mehrzahl der Stipendien finanziert.

Die internationalen Colleges verfolgen nicht nur das Ziel einer besseren Welt, sie scheinen selbst aus einer anderen Welt als der unseren zu kommen. Die Schüler kritisieren mitunter die Gefahr eines Elitismus, der die Ziele und Ideale vergessen lässt, die diese Bildungseinrichtung von anderen unterscheiden sollte. Die Colleges stehen zudem ständig vor dem Zwang, wirtschaftlich überleben zu müssen. Es ist nicht leicht, die Kosten für die Stipendien zu rechtfertigen, wenn man bedenkt, welchen Wert Investitionen dieser Größenordnung in den Bildungssektor von Entwicklungsländern hätten.

Trotz allem beweisen Beispiele wie das Pedro Alonsos, dass eine verantwortungsvolle und qualitativ hochwertige Ausbildung die Welt verändern kann. Der ehemalige spanische Schüler eines UWC zählt heute zu den Spitzenforschern in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria. Er wurde vom Time Magazine zu einer der einflussreichsten Personen der Welt im Gesundheitsbereich gewählt. Alonso bestätigt: „Vor 30 Jahren hatte ich die Gelegenheit, auf eine Schule außerhalb von Spanien zu gehen, in der Schüler aus verschiedenen Ländern und Kulturen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen zusammenlebten. Diese Erweiterung des Horizonts war für meine Karriere sehr wichtig.“