Uni-Ranking von Shanghai: Kampf der Hochschulen in Europa

Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2008
Wie immer hinken die altehrwürdigen Universitäten hinterher, während die angelsächsischen Universitäten die Riege anführen: Das Ranking von Shanghai hält die französischen Kaderschmieden der Grandes Ecoles ernsthaft auf Trapp, die sich auf die Suche nach Alternativen begeben.

Die Universitäten Kontinentaleuropas dümpeln auf den hinteren Plätzen und Frankreichs Elitehochschulen, die Grandes Ecoles, schmollen. In Frankreich schlägt man in der Presse teilweise einen sehr militärischen Ton an, so „zückt“ die Ecole des Mines de Paris ihr „Anti-Shanghai“-Ranking (L´Expansion), um die „Universitäten der Tricolore“ (Les Echos) zu retten. Die alte Riege der französischen Universitäten holt zur Gegenattacke gegen die „Shanghai-Rangliste“, das weltweite Ranking der Universitäten, aus. Für manche ist dieses Ranking nur ein weiteres Zeichen dafür, dass China, ebenso wie andere Schwellenländer, dabei ist, sich an die Spitze der Globalisierung zu setzen. Andere sehen darin sogar eine nationale Herausforderung.

Welche Kriterien werden benötigt, um eine Universität zu beurteilen?

©kainet/flickrUrsprünglich handelt es sich um eine einfache Rangliste der weltweit 500 besten Bildungsstätten, die von der chinesischen Universität von Jiao Tong auf der Basis von akademischen Kriterien (Anzahl der Zitate und Verweise in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Nobelpreise etc.) erstellt wird. Und genau darin liegt der Kern des Problems. Denn während die großen amerikanischen Unis wie Harvard, Stanford oder Berkley mit Abstand an der Spitze liegen und auch die britische und deutsche Konkurrenz die Kurve kriegt, hat Frankreich mit lediglich 23 gelisteten Universitäten das Nachsehen. Vor diesem Hintergrund hat Valérie Pécresse, die französische Bildungsministerin, angekündigt, bis zum Ende der französischen EU-Ratspräsidentschaft ein eigenes Ranking für die europäischen Unis zu erstellen.

Die Ecole des Mines geht sogar noch einen Schritt weiter und hat dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge sein eigenes Ranking der weltweit besten Einrichtungen vorgestellt. Dieses Mal steht nicht mehr der „Lehrkörper“ im Mittelpunkt, sondern, wie es auf dem Internetauftritt der Ecole des Mines heißt, eher die „Wirksamkeit der angebotenen Lehre in den höheren Bildungseinrichtungen“. Das Ranking berücksichtigt deshalb nicht mehr so stark die wissenschaftlichen Veröffentlichungen in englischer Sprache, sondern vielmehr die Zahl ehemaliger Studenten in den 500 weltweit größten Unternehmen, die leitende Positionen wie die des Geschäftsführers besetzen. Und damit ergibt sich eine Umkehrung der Verhältnisse. Die französischen Grandes Ecoles schneiden viel besser ab und Institutionen wie die HEC, eine angesehene Hochschule für höheres Management, l'ENA, eine Elitehochschule zur Ausbildung höherer Beamter oder die Polytechnique, die Ingenieure ausbildet, besetzen die vorderen Plätze. Das alte Europa und vor allem Frankreich sind damit beruhigt.

Ein Ranking der Rankings?

©wallyg/flickrDoch nach wie vor sind sich die Experten uneinig über die Relevanz der Auswahlkriterien. Für viele wird das Ranking der Ecole des Mines durch die große Anzahl an französischen Gruppen unter den Schwergewichten der Weltwirtschaft schlichtweg verfälscht. Hinzu kommt, wie der Forscher Hervé Joly unterstreicht, dass in der Mehrheit der Fälle die Nationalität des Firmensitzes mit der seines Managers übereinstimmt.

So ist es kaum verwunderlich, dass sich die französischen Chefs in den Top 10 dieses neuen Rankings wiederfinden, sind sie doch allesamt Absolventen der gleichen Wirtschaftsschulen.

Die deutschen Universitäten dagegen bleiben außen vor, da sie das Prinzip der Grandes Ecoles nicht kennen. Der Großteil der führenden Köpfe in Deutschland kommt von den unterschiedlichsten Universitäten. Mittlerweile gibt es Verhandlungen zwischen den Direktoren der Ecole des Mines und der Universität von Jiao Tong über eine Zusammenlegung der beiden Rankings unter Berücksichtigung beider Kriterien, sowohl akademischer als auch wirtschaftlicher.