Ungarn unterm Regenbogen

Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2005
Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2005

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Anfang Juli wird die Demo für schwul-lesbische Rechte zum 10. Mal durch das „Paris des Ostens“ ziehen. Die Zeiten, als die „Gay Pride“ noch ein Spießrutenlauf war, sind vorbei. Doch von den Freiheiten des westlichen Europas sind die Ungarn noch entfernt.

Auch dieses Jahr geht das schwul-lesbische Ungarn für mehr Gleichberechtigung auf die Straße. Vom 7. bis 10. Juli findet ein homo- und transsexuelles Festival statt, Höhepunkt ist die Straßenparade am Samstag. Die Tradition ist in Ungarn vergleichsweise jung: Dass der CSD im zehnten Jahr seine Sturm-und-Drang-Zeit noch nicht hinter sich hat, lässt auf eine politische Botschaft hoffen, die nicht wie im „alten Europa“ in den ausgelassenen Feiern untergeht.

Coming-Out im Fernsehen

Homosexuelle Belange nehmen im Moment einen prominenten Platz in der politischen Debatte Ungarns ein. Während die Konservativen auf die Einzigartigkeit der heterosexuellen Ehe pochen, plädiert der liberale Bund Freier Demokraten (SZDSZ) für die Homo-Ehe samt Adoptionsrecht. Und als wäre dies noch nicht genug für ein traditionell konservatives, prüdes Land, hatte kürzlich auch Ungarn sein erstes Politiker-Coming-Out: Klára Ungár, die im Vorstand der SZDSZ sitzt, hat am Internationalen Frauentag im Fernsehen erklärt, dass sie lesbisch ist – ein politischer Meilenstein.

Obwohl Ungarn Homosexualität 1961 entkriminalisierte, hinkte das Land lange Zeit beinahe allen übrigen europäischen Staaten in der Angleichung der Schutzaltersgrenze für homo- und heterosexuelle Kontakte hinterher. Erst als das Europäische Parlament drohte, kein Land mit gesetzlichen Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung in die EU aufzunehmen, änderte Ungarn 2002 die Gesetzeslage.

Doch Papier ist geduldig und von der schichten Anerkennung der Homosexualität als eine weitere Facette menschlicher Existenz sind Teile der ungarischen Gesellschaft noch weit entfernt. Wie in sämtlichen Ländern des ehemaligen „Ostblocks“, die sich heute in der EU befinden, drängten die kommunistischen Regimes Schwule und Lesben in den Untergrund. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus blieb Homosexualität ein Tabuthema.

Zwei Geschwindigkeiten

Entpuppt sich hier ein Europa der zwei Geschwindigkeiten? Während eine schwul-lesbische Demo vom Warschauer Bürgermeister verboten wurde, gehen selbst erzkatholische Länder wie Spanien oder Irland mit Riesenschritten der Gleichberechtigung entgegen. Politische Relevanz erhalten diese Unterschiede im Hinblick auf den Verfassungsvertrag der EU, der ein explizites Verbot der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung enthält. Da die Zukunft der Verfassung nunmehr auf wackeligen Beinen steht, könnte es zu Neuverhandlungen kommen, und es ist fraglich, ob das Diskriminierungsverbot seinen hohen Stellenwert im Basisdokument der EU erhalten kann.

Doch Ungarns Homo-Frühling hat eben erst begonnen. Am 9. Juli wird gefeiert, auf der schönsten Demoroute Europas.

Gay Pride Budapest

Samstag, 9. Juli 2005

http://www.gaypride.hu/gp/gp2005/