Ungarn kämpft gegen die Vogelgrippe

Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2005
Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2005

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Die Vogelgrippe breitet sich in Richtung Westen aus, doch nun wurde in Ungarn ein Impfstoff entdeckt. Mit Maßnahmen wie diesen will das Land das Virus daran hindern, die Nachbarstaaten zu erreichen.

Die Angst vor der Vogelgrippe hat sich mit Lichtgeschwindigkeit von Südostasien bis nach Ungarn bewegt, und nun scheint das Virus auf Europa überzugreifen. Ungarn tut sein bestes, um die Vogelgrippe von seinen Grenzen fernzuhalten und die Übertragung auf andere EU-Mitgliedstaaten zu verhindern. Aber die Bevölkerung, hin- und hergerissen zwischen widersprüchlichen Prognosen, ist zunehmend besorgt.

Ungarns neue Grippeschutzimpfung

Seit dem Ausbruch des Virus’ im benachbarten Rumänien sind die Vorbereitungen zur Bekämpfung der Vogelgrippe in Ungarn beschleunigt worden. Die Zollbehörden haben die Kontrollen an den Grenzen (zur Ukraine und Rumänien) verschärft – weder Geflügel, noch rohes Fleisch, Federn oder Eier aus Rumänien können eingeführt werden und alle Fahrzeuge, die diese Art von Waren transportieren, müssen desinfiziert werden.

Die EU beobachtet die betroffenen Mitgliedstaaten. Auch die Kontrolle der Donauschifffahrt strikter geworden ist: Die Behörden beschlagnahmen alle lebenden Vögel und Geflügelprodukte von zweifelhafter Herkunft. Außerdem hat man strenge Biosicherheitsmaßnahmen eingeleitet, um Kontakt zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel in ganz Europa zu vermeiden. Im Nationalpark Hortobágy zum Beispiel, einem von Zugvögeln aufgesuchten Gebiet, analysieren Experten Vogelkot (einer der häufigsten Übertragungswege der Krankheit) und halten nach verdächtigen Todesfällen Ausschau. Ungarn hat dem übrigen Europa auch Grund zur Hoffnung gegeben, dass ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe in Vorbereitung ist. Am 26. September gehörten der ungarische Gesundheitsminister, Jen? Rácz, und zwei führende Gesundheitsbeamte zu den ersten Freiwilligen, denen ein Testimpfstoff verabreicht wurde, welcher in Ungarn gegen den tödlichen H5N1-Stamm des Virus’ entwickelt wurde. Am 21. Oktober hat der ungarische Gesundheitsbeauftragte Mihaly Kokeny die Wirksamkeit des Impfstoffs verkündigt. Wenngleich der Impfstoff nicht gegen eine mutierte, von Mensch zu Mensch übertrgbare Form von H5N1 schützen werde, sei durch diesen Erfolg der Weg für weiter entwickelte Impfstoffe geebnet.

Die EU spreizt ihre Flügel

Nur wenige Tage zuvor, am 18. Oktober, haben sich die EU-Außenminister nach den Ausbrüchen der Vogelgrippe in Rumänien zu einem Krisengespräch in Luxemburg getroffen. Obwohl das Risiko der Übertragung der Grippe von Vögeln auf den Menschen besteht, was Zehntausende Tote zu Folge haben könnte, haben die Minister versucht, Panik zu vermeiden und betont, dass sie antivirale Medikamente anhäuften.

András Bársony, Staatssekretär im ungarischen Außenministerium, hat bereits erklärt, dass, sollte eine Epidemie ausbrechen, genügend Medizin und Impfstoffe vorhanden seien, um alle ungarischen Bürger kostenlos zu behandeln.

Aber die Bevölkerung glaubt nicht immer nur das, was man ihr erzählt. Das gilt auch für den Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Kochen das Virus in Fleisch und Eiern zerstöre. Laut István Erdélyi, Leiter des Rates ungarischer Geflügelproduzenten, ist der Verbrauch von Geflügel in Ungarn in den vergangen Wochen um 10 bis 15% zurückgegangen. Ungarische Produzenten sorgen sich um die Auswirkungen, die das auf ihre Industrie haben wird, die 93% des zuhause konsumierten Hühnerfleischs liefert und ca.

130000 Tonnen Geflügel pro Jahr exportiert.

Anlass zur Sorge - oder nicht?

Es ist jedenfalls kaum verwunderlich, dass die Bevölkerung nicht weiß, was sie angesichts der Vorhersagen denken soll, die von bangemachend bis beschwichtigend reichen. Einerseits behauptet Klaus Stöhr, Direktor des WHO Influenza-Programms, „wenn eine solche Pandemie eintritt, werden wir es mit Hunderttausenden oder sogar Millionen von Todesfällen weltweit zu tun haben.“ Gleichzeitig sagte Zsuzsanna Jakab, Leiterin des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mit Sitz in Stockholm, dass „das Risiko der Bürger, sich mit diesem Virus anzustecken, minimal ist. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Anlass zur Panik in Europa.“ Mit der Zeit wird es nicht einfacher einzuschätzen, ob die Vogelgrippe eine echte Gefahr für die Menschen bedeutet, oder ob sie in erster Linie ein tierärztliches Problem bleiben wird, das „nur“ den Viehzüchtern Kopfschmerzen bereitet. Die Medien sind voll von widersprüchlichen Informationen, und der Mann von der Straße ist nicht imstande zu entscheiden, wem er glauben soll. Das einzige, was er tun kann, ist hoffen, dass das schlimmste Szenario nicht Wirklichkeit wird.