Uli Hoeneß und die Verbannung aus dem Paradies

Artikel veröffentlicht am 17. März 2014
Artikel veröffentlicht am 17. März 2014

Auf der Erde sind drei Dinge sicher: die Geburt, der Tod und die Steuern. Diese Gewissheiten unterscheiden das Leben auf der Erde vom Paradies. Es gibt allerdings ein paar Halbgötter, die ihrem Schicksal gerne Streiche spielen. Uli Hoeneß war einer davon: als lebende Legende des FC Bayern Münchens schien er unsterblich. 

Beim FC Bay­ern re­gier­te „der Uli“, der Mäch­tigs­te aller Fuß­ball­göt­ter er­ha­ben über sein Fuß­ball­volk. Er war es, der über das Kom­men und Gehen der Spie­ler und Trai­ner ent­schied. Dabei wurde ihm über­mensch­li­che Ur­teil­kraft zu­ge­schrie­ben. Die grie­chi­schen Sagen haben uns ge­lehrt, dass die Göt­ter ihr durch­trie­be­nes Spiel nach Be­lie­ben mit uns Sterb­li­chen spie­len. Die Un­be­sieg­ba­ren des FC Bay­ern haben seit Men­schen­ge­den­ken kein wich­ti­ges Spiel mehr ver­lo­ren, und Uli Ho­en­eß schau­te auf die klei­ne Fuß­ball­welt mit einem Lä­cheln herab. Als Spie­ler hat er alle Titel ge­holt, die es zu ge­win­nen gab, als Funk­tio­när des FC Bay­ern dann wei­te­re Male. „Der Uli“ woll­te nicht daran er­in­nert wer­den, dass er zu den Sterb­li­chen ge­hör­te und ver­hielt sich auch nicht so.

Göt­ter­däm­me­rung beim FC Bay­ern

Die­ser Tage ist Göt­ter­däm­me­rung beim FC Bay­ern Mün­chen. Ho­en­eß mit so­for­ti­ger Wir­kung als Prä­si­dent des FC Bay­erns zu­rück­ge­tre­ten. Min­des­tens acht­und­zwan­zig Mil­lio­nen Euro hat er

Steu­ern hin­ter­zo­gen. Das Geld hat er als Wurst­fa­bri­kant er­ar­bei­tet und damit auf dem Ak­ti­en­markt ge­zockt, aber sel­ten ver­steu­ert. Die Di­vi­sen hat er in der Schwei­zer Steu­er­oa­se ver­steckt. Oasen sind Orte der Völ­le­rei und des Über­flus­ses, um­ge­ben von der ein­tö­ni­gen, öden Wüste, in der alles ge­won­ne­ne Geld so­gleich unter der Sonne ver­duns­tet. Uli Ho­en­eß hat zu spät er­kannt, dass seine Steueroase in­zwi­schen eine Fata  Mor­ga­na war, und ver­passt im Halb­schat­ten deut­scher Steu­er­ge­set­ze für Groß­ver­die­ner, seine Steu­ern ab­zu­füh­ren.

Hier hier im deutsch­spra­chi­gen Raum ken­nen wir die Steu­er­oa­se, die Uli Ho­en­eß im Ge­fäng­nis erst ein­mal nicht wie­der zu Ge­sicht be­kommt. In Polen nennt spricht man von einem raj po­dat­ko­wy, einem Fis­kal­pa­ra­dies. Wie auch im Eng­li­schen (fis­cal pa­ra­di­se) und Fran­zö­si­schen (pa­ra­dis fi­ca­le). Pa­ra­die­si­sche Zu­stän­de für Ho­en­eß haben sich indes er­le­digt: im Ge­fäng­nis gibt es noch nicht ein­mal einen An­schluß, um Fuß­ball­spie­le zu sehen.