Tschechien: Wenn sich Oper und Eishockey treffen

Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004
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Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004

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Angenommen, sie gingen zu einer Oper, die von Eishockey handelt, würden sie sich passend zur Oper oder zum Hockey-Match anziehen? Ein Blick auf einen Neuling an der tschechischen Oper.

`Nagano` ist sowohl für die Tschechen als auch für das ausländische Opernpublikum etwas neues. Es ist ein modernes Stück von Jaroslav Dusek (Schauspieler und Co-Produzent), Boris Sipek (Performance-Künstler und Architekt) und Ondrej Havelka (Schauspieler, Sänger und Opern-Manager). Die Oper soll das tschechische Volk an den Sieg ihres Eishockey-Teams bei den olympischen Spielen 1998 in Nagano erinnern und die Tatsache feiern, dass selbst eine kleine Nation gewinnen kann, und zwar nicht nur im Sport, sondern auch auf anderen Gebieten.

Ein riskantes Unternehmen

Allerdings waren ein humorvolles Skript und eine gelungene Produktion allein noch nie eine Garantie für einen Erfolg an der Oper. Die Idee, Eishockey zum Thema einer Oper zu machen, hat in der Öffentlichkeit und in den Medien großes Interesse geweckt. Jedoch scheinen sie dieser neuen Form der Kunstproduktion zu misstrauen. Innovative Opernprojekte stellen immer ein gewisses Risiko dar, doch scheint es besonders gewagt zu sein, Eishockey als Thema zu wählen anstelle von, zum Beispiel, dem Leben Karls IV. Immerhin schafft es `Nagano`, zu einer Zeit auf der Bühne zu bleiben, da sich der Respekt für die Leistung der Hockey-Spieler mit der Erkenntnis der Absurdität ihres Status als moderne Volkshelden vermischt.

Tatsächlich kommen in der Oper einige markige Sprüche vor, und so könnte man argumentieren, dass sie nicht auf die Bühne des Staatstheaters gehört. Vielleicht drehen sich Mozart und Dvorák gerade im Grab um, wo doch in der Komposition nirgendwo lange oder komplexe Melodien vorkommen, sondern gleicht eher einem musikalischen Mosaik, in dem das Beste aktueller Kompositionen mit älteren musikalischen Traditionen vermischt wurde. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Schauspieler ihre Einsätze gleichzeitig schätzen und anzugreifen scheinen. Smolka bringt ein breites Spektrum an Vokalinstrumenten ein, vom Gesang bis zum einfachen Sprechen. Das Endergebnis ist ein cleveres Theaterstück.

Kontakt zu einem neuen Publikum

Aber gehört diese Art Kunst zur modernen Oper, oder haben seine Schöpfer einen Fehler begangen und statt einer Oper ein Musical geschrieben? Tatsächlich hat dieses Stück der klassischen Oper eine Art Todesstoß versetzt. Werke wie Aida, Tosca, Madame Butterfly oder Prodaná Nevesta werden nicht mehr komponiert. Die Oper bezieht ihren Stoff nicht mehr aus der Geschichte oder aus antiken Mythen sondern vielmehr aus aktuellen Themen, die so viele Menschen wie möglich interessieren - sogar die jüngere Generation, die die Oper eher als Anachronismus empfinden denn als gegenwärtige Kulturerfahrung. Die Jugendlichen scheinen eher auf den Spaßfaktor zu achten als auf die Bildung; deshalb kann dieses originelle Projekt sie so sehr anziehen. Vielleicht wird diese neue tschechische Oper ja ein Teil der tschechischen Identität.

Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden. Wenn Sie ein Fan von Mozarts Zauberflöte sind, besuchen Sie lieber 'Nagano' als zu Hause den Fernseher anzuschalten.