Trügerische Kochtöpfe

Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2009
Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2009
Zwischen Wahlniederlagen und Boykott - Spritztour durch Europas Wahljargon.

Eine Wahl zu verlieren gehört auch zum politischen Würfelspiel. Und der Kater nach dem verpatzten Wahlabend kann ganz schön heftig sein. Die Franzosen zum Beispiel haben nach einer durchzechten Nacht und dem Kopfzerbrechen über das Warum der Wahlniederlage eine so genannte 'Holzschnauze' (gueule de bois), als ob die Politiker vom Erfolg des 'großen Abends', dem grand soir, zu trunken waren. Man spricht dann auch gern von einer 'peitschenden Niederlage' - einer défaite cinglante - um auf den verletzenden und enttäuschenden Charakter der Sache aufmerksam zu machen.

Auch in Irland spart man nicht an Kreativität, um den Morgen nach der Wahl in Worte zu fassen. Nach den Europawahlen erklärte ein Kommentator, dass sich Libertas-Chef Declan Ganley verhalten hätte wie ein wütendes Kind, 'das seine Spielsachen aus dem Kinderwagen wirft' (throwing his toys out of his pram), wahlweise muss in Großbritannien aber auch die Puppe herhalten (throwing a dolly out).

In Deutschland spricht man bei einem 'jämmerlichen' Wahlausgang auch gern vom Katzenjammer, mit einer SPD, die nach den niedrigen Wahlresultaten wortwörtlich schäumte. Und auch in Spanien mussten sich die Sozialisten mit der Wahlschlappe, der 'niederschmetternden Niederlage' (aplastante derrota), abfinden. Schwer verdaulich!

Ein Grund mehr zu schmollen. In Spanien gibt es wohl auch deshalb den Ausdruck está haciendo pucheros - wortwörtlich 'den Kochtopf mimen' - der auch gern für trotzige Kinder verwendet wird. Nur ein Zufall? Das Wort pucherazo ('Schlag mit einem Kochtopf') bedeutete in der Restauration der Bourbonenmonarchie (1874-1923) gleichsam 'Wahlbetrug'. Ob einige Politiker in den Kochtopf gefallen sind, als sie klein waren?

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