Tipps: Unterwegs in einem Tro Tro-Sammeltaxi in Ghana

Artikel veröffentlicht am 11. März 2010
Artikel veröffentlicht am 11. März 2010

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Im August bin ich in Accra, auf dem internationalen Flughafen Kotoka in Ghana gelandet. Nachdem ich problemlos die Immigrationsbehörde passiert und mein Reisegepäck aufgestöbert hatte, blickte ich in lachende Gesichter. Und just in diesem Moment wurde mir klar, dass ich eine unvergessliche Zeit vor mir haben würde. Ein Reisebericht.

Ghana liegt in Westafrika und wurde als erstes Land auf dem Kontinent im Zuge der Entkolonialisierung, die Mitte des 20. Jahrhunderts begann, unabhängig. Trotz Rohstoffreichtums ist Ghana derzeit eines der ärmsten Länder Afrikas. Vor der Reise hatte ich mich den obligatorischen Impfungen gegen Polio, Tollwut, Typhus, Hepatitis A und Gelbfieber unterzogen. Auch muss man in Ghana täglich Medikamente gegen Malaria, eine der gefährlichsten Krankheiten in Afrika, einnehmen.

Vor meiner Abreise hatte man mich oft davor gewarnt, dass die Leute in Ghana gern mit Ausländern sprechen - beziehungsweise mit den obroni, den 'Weißen', wie man in Twi, einer der bedeutendsten unter den vierzig in Ghana gebräuchlichen Sprachen, gerne sagt. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich mehrere spontane Heiratsanträge erhalten habe...

Ankunft in Accra

Mais- und Maniokbrei mit Tomtensoße und Tilapia ©Sofía VerzvolovskisNicht nur wegen der vielen Heiratsanträge kommt die Stadt Accra einem Freudentaumel gleich, wenn man die zahlreichen Attacken der Stechmücken und die starke Luftverschmutzung großzügig übersieht. Doch um der Hitze für ein paar Minuten zu entkommen, kann man in vielen Hotels, so zum Beispiel im Golden Tulip, für acht Cedis (etwas weniger als vier Euro) das Schwimmbad benutzen.

Die meisten Besucher wohnen im Viertel Osu. Dort können diejenigen, deren europäische Mägen sich mit der afrikanischen Küche nicht so sehr anfreunden konnten, eine schmackhafte Pizza und ein eher weniger schmackhaftes Glas Wein zu sich nehmen, zum Beispiel im Restaurant Mamma Mia. Im Buka gibt es landesübliche Gerichte mit Feinschmeckerallüren. Angefangen bei Red-Red (Reis mit Bohnen und einer Art Tomatensoße) über Hühnchen, banku (eine Art Mais- und Maniokbrei mit Tomtensoße und Tilapia) bis hin zu fufu gibt es hier viel Kulinarisches zu entdecken. Einer der besten Orte, um zu tanzen ist das Bywell, wo Jazzkonzerte und Hiplife gespielt werden - ein Stil mit Einflüssen aus Jazz, Hip Hop und Afrobeat.

Nima: Auf der Suche nach den Tro Tros

Jeden Mittwoch herrscht hier ein buntes Durcheinander ©Sofía VerzbolovskisIn Nima, dem muslimischen Viertel von Accra, ist jeden Mittwoch Markttag. Dort herrscht nur von außen betrachtet ein großes Durcheinander, das aber gut aufeinander abgestimmt ist und in sich funktioniert. Man sieht Frauen, die ihre Kinder in den in Ghana gebräuchlichen Tüchern auf dem Rücken tragen, während sie Hühner, Wasser in kleinen Plastikflaschen, Brot oder exotische Früchte verkaufen. Das Handeln gehört in Ghana zum guten Ton. Das kann man zum Beispiel im Arts Center beobachten, einem großen Markt, auf dem Masken, Schmuck, T-Shirts und vieles mehr zu günstigen Preisen verkauft werden. Im Arts Center häufen sich auch die Werkstätten für Musikinstrumente. Man kann dort beobachten, wie Djembés gebaut werden. Nicht selten kommt es zu improvisierten Jam Sessions.

Mitten auf dem Marktplatz gibt es eine kleine Haltestelle für Sammeltaxis (Tro Tros), die so aussehen, als würden sie im nächsten Moment den Geist aufgeben. Wenn man an die Küste fahren will, muss man sich darauf einstellen, dass die Reise nicht sehr bequem sein wird. Tro Tros ähneln Sardinenbüchsen, oft können nicht einmal die Fenster geöffnet werden und die Rucksäcke hat man die ganze Fahrt über, von Accra bis nach Cape Coast, auf dem Schoß. Aber es lohnt sich!

Das Kastell auf Cape Coast war während der Kolonialzeit eines der Zentren des Sklavenhandels und ist eine der elf Festungen in Ghana, die im Jahr 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Kein Licht fiel in diese Zellen, in denen Sklaven saßen, bevor sie auf Schiffen nach Nordamerika transportiert wurden. Cape Coast ist wohl der Ort in Ghana, den die meisten Touristen besuchen. Von hier aus kann man auch den Nationalpark von Kakum besichtigen. Sieben Seilstege führen über tiefe Schluchten, die Höhenangst sollte man in diesem Fall aber zu Hause lassen. Kakum bietet einen atemberaubenden Blick in die üppige Natur Afrikas. Ein Spaziergang durch die Wolken in vierzig Metern Höhe.

Tro Tro nach Busua Beach und Reggae in Kokrobite

Musik hört man in jeder Straße von Ghana ©Sofía VerzbolovskisZwei Tage später setzt sich unser Tro Tro in Richtung Busua Beach wieder in Bewegung. Im Vergleich zu der beschwerlichen Fahrt nach Cape Coast, ist es jetzt sehr entspannt und ruhig. Das Tro Tro setzt uns in einem Dorf namens Takoradi ab und nach einer Stunde, in der wir zu handeln versuchen, macht man uns darauf aufmerksam, dass man ein Taxi nehmen müsse. Sofort nähert sich eine Schar Taxifahrer, um uns zum Hotel zu bringen, welches für ghanaische Verhältnisse viel zu teuer ist (60 Cedis bzw. 32 Euro). Allerdings lockt zum Trost eine luxuriöse Nacht an einem beinahe menschenleeren Strand.

Wer gerne Reggae hört, kommt am Strand von Labadi und Kokrobite auf seine Kosten. Jeden Samstag wird im Hotel Milly’s Back Yard in Kokrobite eine große Reggae-Party veranstaltet. Zu Livemusik tanzen Touristen und Einheimische von acht Uhr abends bis zwei Uhr morgens. Über den Strand hinweg tönen Bob Marley und anderen Reggae-Größen wie Toots and the Maytals, Jimmy Cliff und Buju Banton. Die Energie und der kulturelle Reichtum, das Lachen der Menschen, das Glück und die Freundlichkeit, die diese Menschen ausstrahlen, machen die Zeit in Ghana zu einer wirklich unvergesslichen Erfahrung.

Fotos: ©Sofía Verzbolovskis