Tiken Jah Fakoly: "Die Stimme des Volkes muss respektiert werden!"

Artikel veröffentlicht am 8. Februar 2011
Artikel veröffentlicht am 8. Februar 2011
Anlässlich seines Paris-Besuches kündigte der sozialpolitisch engagierte ivorische Sänger Tiken Jah Fakoly eine afrikanische Solidaritätswoche an, die zeitgleich mit seinem Auftritt im Pariser Stadtteil Bercy im Juni stattfinden wird. Vor allem sprach er jedoch über die Reaktion des afrikanischen Kontinents auf die tunesische Revolution.

Tiken Jah Fakoly ist vor allem für seine politisch engagierten Texte bekannt. Der Reggae-Sänger sprach sich öffentlich für den Rücktritt des umstrittenen ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo aus und lehnte es ab, für dessen Opponenten Alassane Ouattara zu singen. Obwohl ihn seine Stellungnahmen ins Exil zwangen, setzt er sich mit seiner tragenden Stimme weiterhin für die jungen Ivorer seiner Heimat ein. Auf seinem letzten Album African Revolution erklingen afrikanische Klänge vermischt mit Reggae-Rhythmen - eine Musik, die neue Wege geht und deren Texte die Bedeutung von Bildung betonen. Doch Musik scheint ihm nicht genug zu sein, er widmet sich unter anderem auch dem Projekt Un concert, une école („Ein Konzert, eine Schule“): Die Einnahmen einiger seiner Konzerte in Frankreich werden für den Bau von Schulen in Afrika verwendet.

Aufruf zum 18. Juni

Gestern kam Tiken Jah Fakoly in der französischen Hauptstadt an, Startpunkt seiner Tournee, die morgen beginnt und im Rahmen der afrikanischen Solidaritätswoche in Paris Bercy am 18. Juni endet. Seine Ankunft nützt er für etwas Unterricht in Politikwissenschaft, Thema - 'Zeitgenössisches Afrika'. „Die solidarische afrikanische Woche in Paris bietet Gelegenheit, über Afrika zu sprechen und dessen positive Seiten aufzuzeigen. Wenn wir Afrikaner das nicht tun, tut es niemand an unserer Stelle " Der Musiker unterstreicht, dass dies ein wichtiger Moment in seiner Karriere sei.

Nicht als Einziger wird er am 18. Juni auf der Bühne stehen: Die Nigerianerin Asa, der Rapper Soprano und noch viele andere Künstler werden mit von der Partie sein. Im Rahmen des Konzerts wird dem afrikanischen Kontinent eine Kulturwoche gewidmet. Unterstützung gibt es dabei vom französischen Museum für außereuropäische Kunst, dem Musée du Quai Branly, vom Konzeptkino Mk2 und dem Radiosender France Inter. Geplant sind eine Fotoausstellung, afrikanische Filmvorführungen, ein solidarischer Laden und diverse Begegnungen sowie Debatten.

Liebes ivorisches Volk

die im März 2009 mit dem Programm „Ein Konzert, eine Schule“ eingeweiht wurdeVor der Gruppe von Journalisten beweist Tiken Jah Fakoly wieder einmal seine Bereitschaft, sich für Afrika einzusetzen: „Wir sind erst seit 50 Jahren von Sklaverei und Kolonialismus, die Jahrhunderte angedauert haben, unabhängig. Wir haben jedoch nur eine Fotokopie der Unabhängigkeit erhalten, weshalb wir heute das Original verlangen, nämlich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu sein. Unabhängigkeit gibt sich nicht von selbst, man muss sie sich nehmen." Fakoly bekräftigt seine Idee von Bildung als Basis der Entwicklung: „Nur gebildete Menschen können sich ihrer Rechte bewusst werden."

Bedroht und belästigt entschied sich der ivorische Sänger 2003 ins Exil nach Mali zu gehen. Zu den jüngsten Ereignissen in seiner Heimat äußerte er sich dementsprechend nüchtern: „Es war das erste Mal in der Elfenbeinküste, dass vor den Wahlen eine Debatte im Fernsehen stattfand und verschiedene Parteien ihr Programm vorstellen durften. Die Menschen wollten eine Veränderung, weshalb die Wahlbeteiligung in der ersten Runde sehr hoch war. Leider hat sich die Situation jetzt verschlechtert. Ich möchte vor allem diese Nachricht weitergeben: Die Stimme des Volkes muss unbedingt respektiert werden."

Liebes tunesisches Volk

In Afrika sagt man gerne, dass Gott groß sei und dass es schon irgendwie gehen wird. Ich aber sage, dass Gott sehr beschäftigt ist und dass wir uns, wenn wir seine Hilfe wollen, zuerst selber helfen müssen", so Tiken Jah Fakoly. „In Tunesien hat das Volk den Kampf gewonnen, doch wenn Afrika dasselbe will, dann müssen die ethnischen und religiösen Gräben überwunden werden."

Am 18. Juni 2011 gibt Tiken Jah Fakoly ein Konzert in der Konzerthalle Paris Bercy. Die afrikanische Solidaritätswoche findet vom 13. bis 18. Juni 2011 an mehreren kulturellen Orten der französischen Hauptstadt statt: Musée du Quai Branly, Mk2 und Maison de la radio.

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von ©Tiken Jah Fakoly/tikenjahfakoly.artiste.universalmusic.fr/www/; Tiken Jah Fakoly: ©Sladjana Perkovic