Thomas Kolster: Slogans für die Öko-Revolution

Artikel veröffentlicht am 11. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 11. Dezember 2015

Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren zum geflügelten Wort geworden. Aber was hat sie mit Werbung zu tun? Genau in diesem Bereich hat sich Thomas Kolster spezialisiert. Der dänische Autor, Redner und Kreativleader spricht mit uns über Theater, Tagträume und Revolutionen.

Thomas Kolster hat mal was mit Werbung studiert, wollte aber eigentlich nie in diesem Bereich Karriere machen. Während der 15. Ausgabe der Weltklimakonferenz in Kopenhagen, Hauptstadt seiner Heimat, schlägt er dann einen neuen Weg ein: „Mir wurde klar, dass die meisten Botschaften, die wir rausschickten, einfach dumm waren und dass sie einfach nicht das beste Ding waren, das Firmen kommunizieren konnten. So habe ich entdeckt, dass ich im Bereich der Kommunikation agieren kann, mit Dingen, die meinen eigenen Werten besser entsprechen.“

Und auch wenn die vorausgegangenen COPs in vielen Punkten nur enttäuschende Resultate brachten, hat Thomas für sich doch etwas Positives aus den Vorgänger-Konferenzen mitgenommen. Er ist sich sicher, dass es sich um eine gute Gelegenheit handelt, um mehr Menschen für Fragen der Umwelt zu begeistern. Er hofft, dass die Klimakonferenz in Paris kein „großes Theater“ wird, wo die Leute am Ausgang die Ökologie am Schalter abgeben. Vielleicht kann diese Art Konferenz aber wie bei ihm auch bei Anderen „Samen säen, einen Hoffnungsschimmer“.

Aber was hat es nun auf sich mit nachhaltiger Kommunikation? Thomas ist sich sicher: die Kommunikation spielt eine Schlüsselrolle im Entwickeln neuer nachhaltiger Denk- und Aktionsmuster. Mit einer besseren Werbung könne man demnach auch eine bessere Welt machen. „Denn auch wenn uns die Marken den amerikanischen Traum verkauft haben, können wir diese ebensogut für ein nachhaltigeres Leben nutzen.“

Deshalb hat Thomas Kolster das Buch Goodvertising veröffentlicht und die gleichnamige Agentur mit dem Ziel gegründet, kleinen Firmen und Wohltätigkeitsvereinen unter die Arme zu greifen und ihnen Orientierung in der Welt der Werbung und im neuen Medienpanorama zu geben. Auch WhereGoodGrows, eine weitere Initiative von Thomas, gibt Hilfestellung zu guten Praktiken im Marketing für nachhaltige Initiativen. „Ich habe schon immer davon geträumt. Die Leute haben ständig gefragt, warum man nicht auch die Werbung für einen guten Zweck verwenden könne.“

So kam er irgendwann auch auf die Idee, eine „Lizenz“ im Internet zur Verfügung zu stellen, ähnlich wie die Creative Commons Lizenz, damit Sharities auch von erfolgreichen Kampagnen im Ausland profitieren können. „Das Ding ist, dass wohltätige Vereine meistens nicht so viel Geld für Werbezwecke zur Verfügung haben. Aber wenn sie erfolgreiche Kampagnen von anderswo wiederverwenden dürfen, können sie die Botschaft der Nachhaltigkeit, der Gleichberechtigung etc. an sehr viel mehr Menschen bringen.“

Das Ziel hinter Thomas Engagement? „Die Mentalität der Leute zu verändern.“ Genau deshalb ist er dieses Jahr auch nach Paris gekommen, um als Speaker an Place to B teilzunehmen, einer Klimadebatte, die parallel zur COP21 stattfindet. „Es ist faszinierend zu beobachten, dass selbst unter den jüngsten Teilnehmern Menschen sind, die perfekt über nachhaltige Entwicklung informiert sind und große Marken schon auch mal öffentlich zurechtweisen darüber, welche Contents ihnen gegen den Strich gehen. Genau das will auch Goodvertising erreichen, zu wissen, dass wir den Diskurs beeinflussen und unseren Planeten nachhaltig verbessern können. Und natürlich, dass die Marken auch Teil dieses Diskurses sein müssen. Man muss zunächst an eine Sache glauben, dann an die Relevanz der eigenen Stimme. Eine Revolution braucht nur ein einziges Wort, um ausgelöst zu werden“, so Thomas.

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.