Suffragette: Frauen an der Filmfront

Artikel veröffentlicht am 20. März 2016
Artikel veröffentlicht am 20. März 2016

Eine Gruppe mutiger Frauen in England sollte die Zukunft ihrer Mitbürgerinnen und der Frauen auf der ganzen Welt für immer verändern. Mit ihrem Einsatz für das Frauenwahlrecht riskierten die Suffragettes, alles zu verlieren. Der Film Suffragette von Sarah Gavron (2015) erzählt eine der wichtigsten Geschichten des 20. Jahrhunderts, die heute manchmal als selbstverständlich hingenommen wird.

Wenn die Rede von Frauenrechten und Feminismus ist, sprechen Menschen zu oft mit gut gemeinter Ironie von „Frauenangelegenheiten“. Genau das passiert leider auch dem Film Suffragette - Taten statt Worte, der im Februar angelaufen ist. Der Streifen von Sarah Gavron soll daran erinnern, dass dieser Teil der Geschichte ein echter Kampf war, vorangetrieben von einigen mutigen Protagonistinnen, die ihr Leben einer Sache widmeten und dabei alles verloren. Heute wird das Frauenwahlrecht, das in Deutschland seit 1969 besteht, oft als selbstverständliche Errungenschaft abgetan.

Viele kennen den Spottnamen 'Suffragette' für die Frauen, die ein Wahlrecht für sich einforderten. Wenige erinnern sich aber an das Opfer der Kämpferin Emily Davison, die sich beim Epson Derby unter den Augen des Königs George V. und der internationalen Presse vor das Pferd des Königs warf. Sie wurde im Namen des Wahlrechts 'überrannt', das den Frauen trotzdem zunächst verwehrt blieb. Dieser Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1913. Es brauchte noch fünf weitere Jahre und das Ende des Ersten Weltkriegs, bis Frauen in Großbritannien ein partielles Stimmrecht bekamen. Während des Krieges trugen die Frauen an der Front auch einen wesentlichen Teil zum Sieg ihres Landes bei.

Der Streifen Suffragette - Taten statt Worte wird wahrscheinlich nicht als Meisterwerk der Filmkunst in Erinnerung bleiben. Aber er lässt den Zuschauer in sein Ambiente eintauchen. Der Kampf der Frauen, angeführt von Emmeline Pankhurst (gespielt von Meryl Streep, die nur ein paar Mal zu sehen ist) wird aus der Perspektive von Maud Watts erzählt (eine ausgezeichnete Carey Mulligan). Die 24-Jährige führt das gleiche anstrengende Leben wie viele andere Frauen. Sie hat Glück, dass sie Vorarbeiterin in einer Wäscherei ist und keinen gewalttätigen Ehemann hat. Ansonsten arbeitet sie 14 Stunden am Tag zu halbem Lohn, erfährt dabei sexuellen Missbrauch und riskiert ihre Gesundheit.

Es ist ein England, das noch weit von gewerkschaftlichen Errungenschaften und sozialen Reformen entfernt ist, wo die Lords einer von Männern beherrschten Welt das Gesetz diktieren. Der Politiker Lloyd George (Adrian Schiller) ist wenig visionär, obwohl er Liberaler und Vordenker der Labour-Partei ist. Vielleicht, weil er eher mit den abartigen Spielen der Männerwelt beschäftigt ist, diesem grausamen Krieg, der für immer die Herrschaft Seiner Majestät über die Geschicke der Welt zeichnen wird.

Die Suffragetten versuchen später, wahrgnommen zu werden, indem sie einen Bombenanschlag auf das leere Haus des Politikers verüben. In dieser Welt gibt Maud anfangs widerstrebend und ängstlich ihre Resignation auf und lässt sich in die Aktionen der Suffragetten verwickeln. Die Ordnungshüter halten sie unter Kontrolle, ebenso der zynische Inspektor Steed (Brendan Gleeson), der aber auch humane Züge aufweist.

Die Demonstrationen der Frauenrechtlerinnen verlaufen friedlich, bis es zu einer Eskalation mit verschärften Protesten kommt: einige Steine landen in Schaufenstern und es kommt zu Handlungen mit explosivem Symbolgehalt, als die Frauen versuchen, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen. Dem „schwachen Geschlecht“ werden die Schläge der Polizei nicht erspart. Sie werden immer wieder verhaftet. Im Gefängnis begegnet man ihren Hungerstreiks mit brutaler Zwangsernährung.

Maud wird auf diesem Weg alles verlieren. Ihr Ehemann Sonny (Ben Wishaw) ist wenig charismatisch und unterliegt dem Konformismus: er wirft sie aus dem Haus und lässt den kleinen Sohn George von einem wohlhabenden bürgerlichen Paar adoptieren.

Suffragette – Taten statt Worte ist ein Film, den Männer und vor allem junge Frauen sehen sollten. Denn die Ausübung eines unantastbaren Rechts, das zu einem harten Preis erkämpft wurde, zählt mehr als alle Frauenquoten oder politisch korrekt gegenderte Sprache.

Letzte Anmerkung: Am Ende des Films wird eine Liste mit Ländernamen gezeigt. Daneben steht, wann in diesen Ländern die Frauen zum ersten Mal wählen durften, in Italien zum Beispiel 1946, in Deutschland sogar erst ab 1969. In Saudi-Arabien haben Frauen erst 2015 Stimmrecht erhalten.