Stierkampf - Europas undemokratisches Schauspiel

Artikel veröffentlicht am 30. März 2009
Artikel veröffentlicht am 30. März 2009

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Die Alliance Anticorrida hat einen Rundbrief mit einem Aufruf an alle Europaabgeordneten geschickt, sich gegen den Stierkampf auszusprechen. Die Gründerin der Organisation macht ihren Standpunkt unmissverständlich klar: Zum Vergnügen einer Minderheit ein Tier zu Tode verwunden sei ein Skandal.

“Die Stierkämpfe in Europa abschaffen” - dieser Vorschlag des französischen Vereins Alliance Anticorrida steht derzeit in der Spitzengruppe aller Bürgerpetitionen auf der Website “Europäische Stellungnahmen”, unter der Schirmherrschaft von Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlamentes. Der Vorschlag zur Abschaffung des Stierkampfes soll unter diesem Motto von hundert Franzosen diskutiert werden, welche per Zufallsprinzip ausgewählt, vom 21. bis zum 22. März am europäischen Bürgerrat teilnehmen.

Es handelt sich um ein grundsätzliches Prinzip: Wir haben nicht das Recht Tiere zu misshandeln. Die Ehre eines Stieres und sein Überleben ist kein Recht, was ihm erst zugestanden werden muss, indem man ihn öffentlich und zum Vergnügen einer Minderheit zu Tode verwundet. Es besteht kein Grund, dass ein Mensch an einem Tier, weil es kampflustig und unbezähmbar ist, in einer künstlich geschaffenen Zurschaustellung, seine Qualitäten als Krieger erproben muss. Die Funktion eines Stieres ist es nicht, in einer Arena zu kämpfen, dies ist auch nicht die Funktion der unglücklichen Lanzenreiter, von denen ein Großteil verletzt aus den Kämpfen hervorgeht.

©anticorrida.org

Ein gleichberechtigter Kampf?

Ich bin aus Nîmes und wie die Hälfte aller Einwohner mag ich keinen Stierkampf. Trotzdem kann man bei uns, ebenso wie in 11 Départements im Süden Frankreichs, in aller Legalität ein Kalb so lange verletzen, bis es stirbt, da diese Region in einer langen, ununterbrochenen Lokaltradition steht. In meinem Garten habe ich das Recht, eine Stierkampfarena zu eröffnen, ein paar Liter Pastis zu kaufen, einige Merguez und einen oder mehrere Jungbullen. Um legal zu bleiben, kann ich Tickets mit Kontrollabschnitten verkaufen und es kann losgehen.

Für eine einzige Darbietung von 90 Minuten erhalten Toreros teilweise bis zu 300 000 Euro am Tag.

Unter den Augen einer Person, die als erfahren gilt, kann das Massaker, von mir oder irgendeiner anderen Person verübt, beginnen. Während 15 langer Minuten erhält der Stier bis zu 1 Meter 50 lange,  weiße Stechlanzen und Spieße in den Körper. Mehr als die Hälfte aller Stiere sind verstümmelt und stehen unter Drogen mit Stoffen, die Verhaltensstörungen oder auch Sehprobleme hervorrufen. Der Gebrauch von Medikamenten ermöglicht es, das Verhalten des Tieres zu manipulieren, so gehen die Toreros immer weniger Risiken für immer mehr Geld ein. Für eine einzige Darbietung von 90 Minuten erhalten sie teilweise bis zu 300 000 Euro am Tag. Wie kann man da von einem gleichberechtigten Kampf sprechen?

Der Stierkampf ist ein riesiges Geschäft geworden und ein Großteil der Stierkampfarenen wird durch das Geld der Steuerzahler subventioniert. Durch öffentliche Einflussnahme gönnt sich Frankreich großzügige Subventionen für mehr als siebzig Kommunen, fast alle defizitär. Insgesamt sind es aber nicht mehr als 7000 Zuschauer im ganzen Gebiet, die die Arenen besuchen. Die Alliance Anticorrida schätzt in ganz Europa die jährlichen Subventionen an die Züchter von Stieren für die Corrida auf insgesamt 20 Millionen Euro. Trotzdem sind nur noch 27 % der Spanier und Franzosen am Stierkampf interessiert. Der Stierkampf ist daher das undemokratischste Schauspiel schlechthin.

Von der Nützlichkeit der Stiere aus der Corrida

Durch den Torero versucht sich der Zuschauer dem Tode zu nähern.

In mehreren Départements im Süden Frankreichs wird das Fleisch eines Stieres aus dem Stierkampf ohne spezielle Etikettierung kommerzialisiert. Man kann also ohne es zu wissen Fleisch verzehren, das aus einer Praxis hervorgeht, die man eigentlich ablehnt. Ganz zu schweigen von der gesundheitlichen Gefahr, da die freigewordenen Toxine die akzeptablen Grenzen überschreiten. Die nichtprofessionellen Veranstalter geben vor, um jeden Preis die Verletzung und den Tod des Toreros vermeiden zu wollen, aber sie setzen deren Körper einer ständigen Gefahr aus. Dabei sind die Zuschauer weder Sadisten noch blutrünstige Perverse, wie manche zu Unrecht denken mögen. Durch den Torero versucht sich der Zuschauer dem Tode zu nähern. Es ist der große Unbekannte, der ihn fasziniert. Es handelt sich daher darum, einen morbiden Trieb wach zu halten. Der Stierkampf ist verdammenswert, weil er diesen Trieb ermutigt. Denn selbst wenn die Gewalt ein Teil des Menschen ist, ist das ein Grund sie weiter zu fördern?

Die eigentliche Frage ist, woraus besteht der Nutzen des Stierkampfes? Nützlich ist er in erster Linie für die, die davon profitieren. Die Eisenindustrie ist verschwunden, ebenso die Kohleminen, und keiner ist dabei gestorben. Eine Vielzahl von Rassen der wiederkäuenden Paarhufer verschwindet jeden Tag und niemand schert sich darum. Schließlich gibt es ja noch die Parks, wie etwa den Regionalpark der Camargue, deren Aufgabe es ist, bedrohte Tierarten aufzunehmen.

In den kommenden Tagen wird die Alliance Anticorrida Kontakt zu den Kandidaten des Bürgerrats aufzunehmen, damit sie zu dieser Problematik Stellung nehmen.