STEVE JOBS SCHOOL: EINE APP-AUSBILDUNG

Artikel veröffentlicht am 28. März 2014
Artikel veröffentlicht am 28. März 2014

Die Niederlande sind die Heimat der sogennanten early adopters. Und vermutlich genau aus diesem Grund, wurden im Land der Windmühlen bereits sieben Steve Jobs Schulen gegründet. Die Schüler verwenden neben Büchern, vor allem Tablets und Apps. Hat die Zukunft dort schon angefangen? Wir tauchen in die Welt von morgen ein.

Seit einiger Zeit sind „smart“ Tafeln und Tablets in den europäischen Grundschulen zu Hause, um die traditionellen Unterrichtsmethoden zu unterstützen. Dieses Jahr sind die Niederlande, mit der Gründung von sieben Steve Jobs Schools, einen Schritt weitergegangen. Die Stiftung 04NT (Ausbildung für eine neue Ära), fördert das Projekt mit dem Ziel, die neue Schülergeneration mit den nötigen Kompetenzen auszustatten: um kompetitiver zu sein, in einer Zukunft die digitaler und vernetzter ist, als je zuvor.

Wesentliche Ausstattung dieser Lehrrevolution ist ein iPad für jedes Kind, die Abschaffung der traditionellen Schulzeitpläne (die die niederländische Anstalten noch prüfen müssen) und die Gründung einer digitalen Schule, die als Social Network funktionieren soll.

DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

Die Verbindung zwischen dem Namen Steve Jobs und einem Ausbildungsprogramm, haben Kritik hervorgerufen. Der Vorwurf lautet, dass das ganze Projekt - besonders wegen der starken Betonung auf iPads - nur ein kommerzielles Manöver sein könne. Die Steve Jobs Schule wird als Bedrohung der traditionellen Schulen wahrgenommen: die abgewrackten Schulbibliotheken, werden von den schicken Tablets in den Schatten gestellt. Kritiker behaupten, dass die iPad Schulen digitale Demenz im frühen Alter hervorruft. 

Wir haben eine Steve Jobs Schule besucht, um uns unsere eigene Meinung zu bilden. An einem regnerischen Freitagmorgen, genau nach dem Ablauf der ersten sechs Monate des Projekts, klopfen wir an die Türen der Schule in De Ster. Sie ist die Einzige, die in Amsterdam an dem 04NT Projekt teilnimmt. Die Schule befindet sich im Viertel Zuidoost, am Stadtrand von Amsterdam, wo eine massive Einwanderung stattgefunden hat. Auf den Schulbänken, sitzt inzwischen die zweite Schülergeneration.

Jeden Tag eine APP

Der Schulleiter Bart Vervoort erklärt uns, wie er das Projekt an seine Schule angepasst hat. Es fängt mit den Schülerinnen und Schülern zwischen fünf und sechs Jahren an, und lehrt auch den Eltern, die Erziehung ihrer Kinder anders zu betrachten.

„Wir haben uns entschieden, langsam vorzugehen, um die Kinder nicht zu verunsichern. So ein Ansatz ist auch mit der Natur des Stadtteils verbunden, der uns vor besondere Herausforderungen stellt. Hier kommen verschiedene Nationalitäten und kulturelle Hintergründe zusammen: für die Kinder ist es nicht die größste Herausforderung Niederländisch lernen, sondern Ideen zu begreifen, die für ihre ursprüngliche Kultur ungewöhlich sind. Das gilt ebenfalls für die Eltern. Die Kindererziehung ist in Ländern wie Nigeria oder Ghana komplett anders. Die wichtigste Herausforderung besteht nicht in dem iPad, sondern uns mit diesen kulturellen Unterschieden auseinanderzusetzen“.

Auf welche Weise, kann ein iPad diese Unterschiede verringern? Obwohl Vervoort „keine große Erfahrung mit Computerspielen, bis auf Minesweeper“ hat, sieht der Schulleiter Videospiele als ein Mittel, um Barrieren zu überwinden und die Talente der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Und besonders das iPad, dank der großenVielfalt an Apps, ermöglicht es, das Lehren an die Fähigkeiten, Rhythmen und Qualitäten der Kinder anzupassen. 

EINE ZUKUNFT DIE VORFÄHRT ?

Was sind die nächsten Ziele? Die Entwicklung einer App, durch die die Lehrerinnen und Lehrer die Fortschritte der Kinder kontrollieren können, das Erweitern dieses Systems für andere Schulklassen, und vor allem die Einführung von Apps, die die Schüler direkt und aktiv in die Planung der Lehrpläne einbindet.

Die komplette Durchführung des Steve Jobs-Modells, wird außerdem eine größere Beteiligung der Eltern benötigen. Die Idee wäre, die iPads auch außerhalb des Schulgebäudes zu verwenden. Viele Eltern sind jedoch dafür nicht bereit, sie verstehen den didaktischen Wert dieses Instruments für ein Kind nicht. „Wir entwickeln uns nur langsam, um Risiken zu vermeiden und die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer aufrecht zu erhalten“, erklärt Vervoort.

Die Zunkunft in Zuidoost kommt langsam, aber sie kommt.