Steve Beckett: „In den nächsten 10 Jahren werden sich Elektro und Science Fiction weiter annähern“

Artikel veröffentlicht am 2. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 2. Juli 2009

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Steve Beckett gehört seit nun mehr 20 Jahren zu den Vorreitern des Elektro. Seine Produktionsfirma, Weird And Radical Projects (WARP), hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Geburt der größten Namen der Elektroszene miterlebt. Interview.

Weird and Radical Projects (WARP) entstand 1989 in Sheffield, als Label für elektronische Musik und Weiterführung eines CD-Geschäfts. Es wurde von zwei aufgeweckten, jungen Männern, die die spielerischen Möglichkeiten der Maschinen erkannten, ins Leben gerufen: Steve Beckett und Rob Mitchell.

Ihr Ziel war es, der Tanzmusik die konzeptuelle Identität der anderen Stile aufzusetzen. Und von da an entstanden sie alle: LFO, Autechre, Aphex Twin, The Sabres of Paradise, Seefeel, Plaid und Squarepusher - einige der größten Visionäre der 1990er Jahre.

Mit neuem Sitz in London und der Verarbeitung des Todes von Rob Mitchell im Jahre 2001, folgte die nächste Generation des Labels: Jamie Lidell, Leila, Grizzly Bear, Maximo Park, Flying Lotus und Gang Gang Dance.

Die erste Jubiläumsfeier von WARP wurde im vergangenen Mai in der Cité de la musique in Paris gefeiert. Die nächsten Termine sind in New York, Tokio, London und selbstverständlich in Sheffield geplant.

Interview mit dem WARP Gründer Steve Beckett:

Hast du das Gefühl, dass die letzten 20 Jahre schnell vergangen sind?

Die sind so extrem schnell verflogen, dass es mir vorkommt, als wären es nur 5 Minuten gewesen. Als hätten wir gerade erst die allererste CD aufgenommen und veröffentlicht, um sie in Großbritannien zu verbreiten.

Und schon eine Idee, was in den nächsten 10 Jahren passieren wird?

In Wirklichkeit passiert das Neue doch schon jetzt gerade. Vor 10 Jahren hätte ich niemals solche Veränderungen erwartet, die das Musikbusiness heute durchlebt. Vor 10 Jahren zum Beispiel hätte ich nicht mit dem Internet gerechnet, geschweige denn davon geträumt, dass man Musik einfach herunterlädt. In den nächsten 10 Jahren wird sich die Technologie noch mehr an Dinge aus der Science Fiction annähern.

Hattest Du dir jemals die musikalische Evolution der letzten beiden Jahrzehnte so ausgemalt? Es scheint nicht der beste Moment für Elektro zu sein…

Ich weiß nicht, es ist immer eine gute Zeit für jeden Typ Musik und ich würde nicht sagen, dass es momentan so schlecht steht für die elektronische Musik. Wir haben immer noch erstaunlich talentierte Musiker wie Flying Lotus, Hudson Mohawke, Chris Clark, Bibio, Rustin... In Bezug auf die musikalische Evolution, hatte ich gedacht, dass wir immer und überall elektronische Musik haben würden. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass es keine Musik mit Gitarren oder andere Instrumenten geben würde. Es zeigt, wie sehr man sich täuschen kann, wenn man sich die Klänge der Zukunft vorstellt. Deshalb können wir nicht sagen, was passieren wird. Vielleicht kehren wir wieder in die 1920er Jahre zurück.

Dachtest Du in jüngeren Jahren, dass Maschinen die Hauptakteure des Labels werden würden?

In der Phase dachte ich, es gäbe keine Grenzen. Bis ich feststellte, dass die Grenze der neuen Klänge die gleich bleibende Technologie ist. Wir kamen an einen Punkt, an dem die Leute begannen sich zu wiederholen. Das gesamte Spektrum war bereits abgedeckt. Aphex Twin oder Squarepusher eroberten das ganze Territorium. So mussten wir in andere Richtungen aufbrechen. Und genau deshalb wollte ich nicht mehr mit anderen Musikern der Elektro-Szene zusammenarbeiten, sondern mit solchen, die Instrumente benutzen. Wie zum Beispiel Battles - die haben ihre Wurzeln in der elektronischen Musik und gebrauchen Instrumente auf eine neue Art und Weise.

Wie entscheidest Du Dich für bestimmte Künstler, wenn Du bis zu 200 Demos pro Monat geschickt bekommst?

Das hängt von einer emotionalen Verbindung mit den jungen Leuten ab, ob sie einzigartig und authentisch sind. Wenn sie originell sind und du das Gefühl hast, dass sie zu neuen Grenzen vorstoßen können, mit großen Melodien und guter Produktion. Aber es gibt nicht viele Demos, die diese Werte erfüllen und etwas Besonderes, Magisches haben.

Wer sind die Newcomer 2009?

Ich bin wirklich begeistert von Gonjasufi. Das ist ein Typ, der aus der Wüste Las Vegas’ kommt. Er macht tief greifenden Hip Hop, spirituell und komplex. Und andere Jungs, the Battles, deren elektronische Musik neuartig und erstaunlich klassisch ist. Das sind zwei Alben, die gegen Ende des Jahres rauskommen.

Wie hast du Chris Wait getroffen, den Direktor des neuen Filmes, den WARP auf den Markt bringt - A complete history of my sexual failures?

Ich lernte ihn kennen, als er Kurzfilme und sehr sympathische Videos mit Menschen in der Straße machte. In seinem Dokumentarfilm ist alles real, auch die 8 Viagras.

Und was sind die neuesten Projekte von WARP Films?

Wir haben gerade Bunny and the Bull beendet. Das ist ein Road-Movie von Paul King in einem Wohnzimmer. Es handelt sich um eine schizophrene Geschichte, sehr dunkel, aber von der theatralischen Seite aus betrachtet wunderschön. Außerdem gibt es einen anderen Film, Le Donk, von Shane Meadows (This is England). Das ist eine seltsame Komödie über einen Hip Hop Manager. Weitere Projekte sind Planung.

Erwartest Du Dir von der neuen Website warp.net mehr über das Internet zu verkaufen?

Über die Seite bleep.com haben wir bereits viele Produkte verkauft. Aber das Geschäft mit den Downloads wächst und wächst - sie machen insgesamt fast 60 oder 70 Prozent aus. Das heißt die Zukunft liegt in diesem Bereich. Jetzt haben wir die verschiedenen Geschäfte zusammengeführt: Filme, Musik und alles, was in irgendeiner Weise mit dem bleep-Konzept verwandt ist.

Warum habt ihr die Feierlichkeiten des 20sten Geburtstags ausgerechnet in Paris begonnen?

Ein Ort musste der erste sein. (lacht)