Staatsoper Berlin: Theater-Workshops für Geflüchtete

Artikel veröffentlicht am 8. September 2016
Artikel veröffentlicht am 8. September 2016

Die Berliner Wilkommensklassen für Flüchtlinge sind dazu eingeladen an wöchentlichen und kostenlosen Theaterworkshops teilzunehmen, welche von der renommierten Staatsoper in Berlin organisiert werden.

Seit Januar sind 10 200 Geflüchtete in Berlin angekommen. Bis zum Ende des Jahres werden 24 000 weitere erwartet, welche dann zu den 54 325 Migranten hinzukommen, die im letzten Jahr nach Berlin gekommen sind (Quelle RBB).

Seit 2015 vervielfältigen sich die Initiativen in ganz Deutschland,  aber besonders in Berlin, wenige Schritte vom Reichstag entfernt. Einige Vereine organisieren Picknicks, andere "Refugees Welcome"-Ausflüge. Auf Internetseiten stellen Privatleute ein Zimmer ihrer Wohnung  zur Verfügung. Theater, Museen und Restaurants stellen Spendenboxen in ihren Lokalitäten aus. Spenden können materiell oder immateriell sein, die Berliner haben eine Vielzahl an Möglichkeiten sich zu engagieren, wenn sie denn wollen.

Die Staatsoper in Berlin hat sich dem Engagement nicht entzogen und hat im letzten Jahr nach jeder Vorstellung insgesamt mehrere tausend Euro Spenden einsammeln können, so erzählt es uns Rainer O. Brickmann, Direktor der Jungen Staatsoper (der Einrichtung der Staatsoper für Kinder und Jugendliche). Doch seit 2016 wollen die Mitarbeiter der Oper noch weiter gehen. Rainer Brickmann beauftragt daraufhin Ronan Favereau, Schauspieler und Theaterpädagoge, damit, einen Workshop für Willkommensklassen zu initiieren, jene Klassen, welche speziell zur Eingliederung junger Migranten an deutschen Schulen eingeführt wurden.

Heute trifft sich die Klasse von Frau Schröder um 10 Uhr am Eingang der Staatsoper. Der Workshop wird geleitet von Ronan und Jeruscha, Studentin der Musikpädagogik an der Universität der Künste Berlin (UDK) und zukünftige Musikleherin. „Es war wichtig, das Programm sowohl in der Musik als auch im Theater angesiedelt ist, zwei Künste, die in der Oper natürlich vereint sind. Deswegen habe ich auch Musikpädagogen kontaktiert, um diese Workshops gemeinsam zu leiten“, erklärt uns Ronan. 

Auf Ronans Ansage hin, formen 16 Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren, 6 Mädchen und 10 Jungen, einen Kreis. Die erste Aufgabe besteht darin, seinen Vornamen mit einer Geste zu assoziieren. Die erste Schwierigkeit ist bereits, das Wort 'Geste' zu erklären, das noch niemand zu kennen scheint. Die zweite Herausforderung ist es, die Spannung von allen so lange zu halten, bis alle Namen und Gesten gemeinsam wiederholt wurden. Anspruchsvoll.

In den drei Workshop-Stunden werden wir tanzen, gehen, zuhören, Pantomime spielen. Wir werden Deutsch sprechen, Arabisch, Albanisch, wir werden auf Farsi singen, auf Englisch, auf Kurdisch, und als Höhepunkt werden wir kleine Theaterszenen improvisieren, auf Deutsch, bitte.  Man vergisst sehr schnell, dass diese Schüler erst seit sehr kurzer Zeit in Deutschland sind (für eine Mehrheit sind es erst ein paar Monate), so ähnlich sind sie bereits ihren europäischen Mitschülern. Die Gruppe von 16 Schülern besteht aus Quatschtanten, Krachmachern, schüchternen Jungs, Zuspätkommern ohne Entschuldigung, dafür aber mit aufgezogener Cappy, welche flüstern, wenn die anderen Vollhals mitsingen. Es gibt Klassenclowns, den, der nicht stillstehen kann, und die, die an den Erwachsenen klebt und nur mit der Lehrerin spricht. Unberechenbar wie unterhaltsam.

Das, was diese Jugendlichen jedoch von anderen unterscheidet, ist ihre sehr hohe Motivation und ihre besonders dynamische Teilnahme. Sogar jene, die sich zunächst gegen das Singen gesträubt haben, nehmen aktiv teil an den Aktivitäten. Ihre Favoriten? Das Alphabet, „wir laufen im Raum, ich sage einen Buchstaben, und ihr müsst einen bekannten Namen mit diesem Buchstaben finden. Anschließend müsst ihr den Determinanten und sein Plural benennen.“

Die Antworten kommen aus allen Richtungen, Finger heben sich und gleichzeitig ertönen Ausrufe: Früchte, Gemüse, Tiere, Musikinstrumente. Viele Vokabeln wurden auswendig gelernt, und was für ein Spaß diese anzuwenden! Ein weiterer Glanzmoment des Workshops findet um das Klavier versammelt statt. Jeruscha spielt Beethoven, Yann Tiersen, Mozart. Eine religöse Stille, Applaus, Ronan fragt nach jedem Stück: „Wie war's? Traurig, glücklich? Und welche Tiere habt ihr gehört?“ Viele Hände heben sich, um Eindrücke zu beschreiben, man sieht Tiger, Elefanten, Vögel, Mäuse. Fantasie geht also unterwegs nicht verloren. 

Nach der Pause kommen wir in den Großen Saal der Oper. Man kann bewundernde Seufzer vernehmen, während die Kinder auf den Rängen Platz nehmen. Manche von ihnen sind schon einmal in einem Theater in ihren Herkunftsländern gewesen, im Libanon beispielsweise. Andere haben bereits Theater- oder Opernstücke im TV gesehen. Asel, 14 Jahre, gehen die Augen auf, als er von Ronan hört, dass der Kinderchor der Oper in diesem Jahr auch für die Kinder offen ist, falls sie möchten.

Der Workshop schließt mit der Improvisation kleiner Sketche. „Was findet ihr komisch in Deutschland? Was ist anders als in eurem Land und bringt euch zum Lachen?“ Auf die Fragen wird nicht so sehr eingegangen, zu schwierig ist es, diese 'kleinen Dinge' zu finden, wenn man von zwei verschiedenen Welten spricht. Sie zitieren vielmehr komische Momente, die sie hier erlebt haben: „eine Frau mit Einkaufstaschen ist aus der Metro ausgestiegen, sie ist hingefallen und alle Früchte sind über den Boden gerollt! Ein Mann tanzte in der Straße, er hatte eine Flasche Alkohol in der Hand und war nackt“. Noch einmal reiht sich Anekdote an Anekdote, das Deutsch ist teils holprig, aber verständlich. 

Ronan teilt die Klasse anschließend in drei Gruppen. Jeder soll einen Sketch auf die Bühne bringen, welcher eine typisch deutsche Redewendung beinhaltet. Dieses Mal verstehen die Schüler sofort, diese Ausdrücke kennen sie bereits auswendig: „Wie bitte?“ oder aber „Ach so!“ Die Ideen kommen schnell, man redet nur auf deutsch, manchmal übersetzt einer von ihnen dem anderen, der ein Wort nicht verstanden hat, auf Arabisch. Ahmed, der bisher sehr involviert war, beschwert sich sogar, als seine Kamaraden während der Aufführung auf Arabisch sprechen. „Das müssen wir noch einmal machen!“

Zum Ende wird erneut ein Kreis gebildet. Es ist an der Zeit für eine Bilanz: „Was mochtet ihr am meisten, am wenigsten?“ „Das Alphabet“ und „die Theaterszenen“ sind die häufigsten Antworten der Begeisterung. Viele der Kinder nehmen sich am Ende Zeit den beiden Leitern zu danken, sie sind sich ihres Glückes bewusst an solch einem Ort empfagnen worden zu sein. Sie beteuern alles ohne Ausnahme gemocht zu haben. Jilo traut sich jedoch schließlich eine kleine Kritik zu äußern: vielleicht waren manche Aufgaben schwierig wegen der Sprache. Jeruscha stimmt dem zu, sie selbst sieht ein, dass sie sehr viel gesprochen hat, ohne ihre Hände zur Beschreibung der von ihr interpretierten Lieder auf dem Klavier genutzt zu haben. Einen kurzen Moment haben auch wir vergessen, dass diese Kinder erst seit ein paar Monaten Deutsch lernen.

Gespräch mit Asel, 14 Jahre, aus Bagdad im Irak:

Seit wann bist du in Deutschland?

In Deutschland bin ich seit einem Jahr, und an der Schule in Berlin seit einem Monat. Bevor wir hierher kamen, sind wir in Hamburg und Schwerin gewesen. Ich bin mit meiner Mutter und meinen beiden Schwestern hergekommen. Mein Vater ist im Irak gestorben. Meine Mutter spricht ein wenig Französisch, aber sie hat viel vergessen, ich auch. Sie spricht jedoch sehr gut Englisch. Ich lerne Englisch im Internet, am Computer. Ich hab eine Internetfreundin in den USA, sie heißt Deborah. Sie hat mir dieses Armband gegeben.

Gehen deine Schwestern auch zur Schule?

Ja, sie sind jünger und haben schneller Deutsch gelernt als ich. Deshalb sind sie schon in den normalen Klassen mit den Deutschen, ich bin ein bisschen neidisch!

Hast du schon einmal im Irak Theater gespielt?

Nein. Ich kannte Theater aus dem Fernsehen, hatte aber nie selbst gespielt. Aber ich habe in Bagdad Gitarre gespielt, und ich singe. (Während des Workshops hat sie 'My heart will go on' aus dem Film Titanic gesungen) Ich habe unsere Lehrerin gefragt, ob ich mich beim Opernchor einschreiben kann, ich würde sehr gerne hier singen.

Würdest du gerne in Deutschland bleiben oder wünscht du dir in den Irak zurückzukehren?

Nein, nein, ich möchte hier bleiben. Ich möchte studieren und Ärztin werden.

Frau Schröder, Lehrerin an der Berliner Friedensburg Oberschule

Wo haben Sie von diesem Workshop gehört?

Es ist das Koordinationszentrum, welches alle Angebote für Geflüchtete bündelt und anschließend an die Schulleitungen weiterleitet. Wir kriegen eine Menge an Vorschlägen von Theatern und Museen, welche Gratisbesuche anbieten, aber auch von politischen Institutionen. Es ist unglaublich und wirklich spannend an diesen Aktivitäten teilzunehmen.

Was ist das Ziel der Willkommensklassen?

Wir möchten ihnen das nötige Vokabular und die Grammatik beibringen, sodass sie schnell allein zurechtkommen und sich leichter integrieren. Ich finde es gut und wichtig, dass wir alle ausgebildete Lehrer sind. Wir lehren sie auch das, was wir den anderen genauso beibringen: gegenseitigen Respekt, Gruppendynamik, usw. Das Problem wiederum ist, dass sie dazu neigen, viel unter sich zu bleiben und deswegen wenig Deutsch außerhalb des Unterrichts sprechen. Viele von ihnen leben noch in Notunterkünften. Aber alles hängt von den Schulen ab, andere Einrichtungen müssen die Durchmischung der Schüler herstellen.

Was charakterisiert diese Schüler?

Ihre Motivation. Sie haben sehr große Lust, die Sprache und Kultur des Gastlandes zu erlernen. Das Problem ist, dass sie unregelmäßig zum Unterricht kommen. (Tagsüber müssen sie häufig zu Terminen wie Registrierung oder zum Arzt, gerade im Winter sind viele Kinder krank geworden, AdR) Dieses Jahr sind bereits drei Schüler nicht wieder gekommen, das macht es schwieriger für mich, eine Gruppe entstehen zu lassen. Und es ist nicht leicht zu sehen, wie diese drei Kinder den Anschluss verlieren.

Ronan Favereau, Schauspieler und Theaterpädagoge, und Jeruscha Strelow, Musikpädagogin

Am Anfang jedes Workshops fragt ihr nach den gesprochenen Sprachen. Welche kommen am häufigsten vor?

R: Ich würde sagen Arabisch, Rumänisch, Farsi und Kurdisch.

J: Einmal hatten wir eine Gruppe, die 16 Sprachen spricht! Viele dieser Kinder sprechen sogar mehrere Sprachen.

Sie bieten außerdem an, manche Übungen in der eigenen Sprache zu machen, sodass die Gruppe Wörter wie 'links' und 'rechts' beispielsweise auf Arabisch oder Kurdisch lernt. Ist es daher wichtig jede Kultur im Workshop wertzuschätzen?

R: Ich denke, dass man als Angehöriger einer Minderheitenkultur in einem zentraleuropäischen Land wie Deutschland schnell einen Minderwertigkeitskomplex entwickeln kann. Es war sehr wichtig für mich, dass, wenn ich an eine Institution wie die Staatsoper komme, welche eher von einer gewissen europäischen Elite besucht wird, die jungen Leute sich ohne Scham in ihrer eigenen Sprache ausdrücken dürfen. 

J: Während des Workshops gibt es einen Moment, in dem wir den Kindern vorschlagen in ihrer Sprache zu singen. Wir hatten einmal einen afghanischen Jungen, der ein Lied singen wollte, sich aber nicht mehr an den Text erinnern konnte, da das Lied in seinem Land verboten war. Zwanzig Minuten später hat er sich erhoben und uns gefragt ob er es nun singen dürfe.

R: Das war sehr berührend, für ihn, für uns, und ich denke, es war eines der schönsten Lieder, dass ich in meinem Leben je gehört habe. Wir sprachen viel von Unterschieden zwischen den Ankömmlingen in Kultur, Glauben, Kleidung, aber ich war selbst überrascht festzustellen, dass es in den Workshops keinen gravierenden Unterschieden zu den sogenannten "normalen" Klassen gab.

Die Oper gibt eher das Bild einer verschlossenen Einrichtung, welche einer Elite vorbehalten ist. Wie wurden die Workshops durch solche Menschen angenommen, die dieser Szene angehören?

R: Der Intendant der Oper, Jürgen Flimm, hat sich schon früh für ein Engagemant für Geflüchtete eingesetzt. Er hat insbesondere ein Gratiskonzert für Geflüchtete und Ehrenamtliche in der Philharmonie organisiert. Er ist jemand, dem wirklich etwas daran liegt, die Türen der Oper für Alle zu öffnen, unabhängig der sozialen und kulturellen Hintergründe. Diese Philosophie ist sehr geprägt durch die Persönlichkeit Daniel Barenboims, der wiederum selbst viele Kulturen verkörpert. (Daniel Barenboim ist Orchesterdirigent an der Staatsoper zu Berlin. Geboren in Argentinien, ist er außerdem israelischer und spanischer Nationalität und besitzt einen palestinensischen Pass, AdR)

Gespräch mit Rainer O. Brickmann, Diektor der Jungen Staatsoper

Welche Aktionen leitet die Junge Staatsoper?

Die Staatsoper bietet Oper- und Konzertaufführungen für Erwachsene. Das Ziel der Jungen Staatsoper ist es, ein Programm speziell für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Es werden außerdem zahlreiche Projekte und Clubs angeboten. Wir arbeiten desweiteren mit Verbänden wie dem SOS Kinderdorf oder der Dimicare Anneliese Langner Stiftung.

Uns liegt es am Herzen alle Milieus anzusprechen. Oft ist die Oper der Elite vorbehalten: die Plätze sind teuer, der Zugang zu den Werken schwierig. Deswegen möchten wir den Zugang erleichtern, deswegen auch die Projekte.

Woher kam Ihnen diese Idee der Workshops für die Willkommensklassen?

Letztes Jahr, als die große Flüchtlingswelle Berlin erreichte, waren wir alle bereit uns zu engagieren. Wir haben in jeder möglichen Form Spenden gesammelt. Aber wir wollten uns noch direkter einbringen. Wir wollten es mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln möglich machen, der Musik und dem Theater, mit Freude dieses unbekannte Land zu bezwingen, die Sprache zu lernen, die Kommunikation und schließlich diesen gewissen 'German way of life'.

Genau, lassen die Workshops denn Platz für die Vergangenheit, die Geschichten jedes Einzelnen? Oder sind sie viel mehr der europäischen, deutschen Zukunft zugewandt, welche die Kinder erwartet?

Diese Probleme gibt es in diesem Workshop nicht. Er verortet sich im Hier und Jetzt. Mit der Gruppe, die an diesem Tag vor Ort ist. Wir erforschen vor allem Spaß und Unterhaltung. Sicherlich werden auch einige Dinge, die sie in diesen Stunden lernen, in der Zukunft weiterhelfen. Wir bieten den Kindern außerdem an, Übungen zu machen, welche die deutschen Kinder in der Schule lernen: die Hände nacheinander in einem Kreis klatschen, einander zuhören, sich in einer Gruppe wohlfühlen.

Sie haben bereits zahlreiche Publikationen und Forschungsartikel zum Thema der Bühnen-, Musik- und Theaterinterpretation veröffentlicht und arbeiten weiter in diesem Feld. Tragen diese Workshops zu Ihren Forschungen bei?

Das Projekt ist Teil eines Programms namens "Learning by opering", welches durch eine Kooperation der Stiftung Deutsche Bank und der Akademie Musik und Theater gefördert wird.

Wir haben bei ihnen die Finanzierung von zehn Workshops angefragt, welche uns ermöglichen Erfahrung zu diesem Thema zu sammeln und unsere Forschungsarbeit zu vertiefen. Nach jedem Workshop schreiben wir nieder, was wir in dieser Zeit gelernt haben, was funktioniert hat und was nicht, und was wir wieder anwenden können. Wir forschen qualitativ und suchen nach einer konstanten Entwicklung.

Gegenüber den zahlreichen Initiativen von Privaten aber auch von Institutionen (insbesondere in der Berliner Kulturlandschaft) sieht es in Frankreich eher mau aus. Wie erklären Sie sich diesen aufrichtigen und tiefgreifenden Einsatz der Deutschen für Geflüchtete der letzten zwei Jahre? 

Ich denke, es ist eine Reaktion auf die abscheulichen Bilder, die wir in den Medien sehen. Viele Deutsche haben eine tiefe Überzeugung den Ankömmlingen zu helfen, das ist aktuell der positive Aspekt. Der negative ist die Gründung rechtsextremer Gruppierungen mit PEGIDA an der Spitze, was uns stark an den Nazismus erinnert, eine Epoche, welche wir überwunden glaubten. Vielen Personen liegt es am Herzen, der Welt ein Deutschland zu zeigen, dass über das Bild von ein paar Bewegungen hinaus geht. 

Allen diesen Solidaritätsaktionen haben wir sehr viel Kraft und Energie gegeben. Es ist ein super Gefühl festzustellen, dass viele andere Menschen das Gleiche wie ich empfinden, und handeln.

Im Deutschen gibt es folgende Weisheit: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das klingt zwar sehr nach 1970er-Jahre, aber viele Deutsche folgen diesem Prinzip. 'Learning by doing', 'Learning by opering', die Leute sind extrem kreativ. Viele Ideen kommen nicht durch, aber viele weitere blühen auf. Des Wesentliche ist es etwas zu machen, man lernt, während man etwas macht. Und wenn es eine Institution wie die Oper schafft zu helfen, dann kann es jeder.

Neben den Workshops leitet die Junge Staatsoper eine weitere Aktion für Migrantenkinder in Deutschland: 1000 erste Wörter. Worin besteht diese?

Wir besuchen Flüchtlingsunterkünfte und arbeiten mit den Kindern am Spracheerwerb anhand von Liedern. Musik ist perfekt, um Wörter zu erlernen, aber die Lieder sind meist schwierig, die Grammatik ist meist veraltet oder an die Melodie angepasst. Wir verändern die Texte so, dass sie zugänglicher sind, aber gleichzeitig korrekt bleiben. Unser bestes Beispiel: „Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst du noch? wird zu „Ich bin Jakob, Ich bin Jakob, wer bist du?