St. Patrick’s Day: Poitín, der stärkste illegale Drink der Welt, aus Irland

Artikel veröffentlicht am 16. März 2011
Artikel veröffentlicht am 16. März 2011
Oft findet man ihn in einer durchsichtigen Glasflasche ohne Label oder im Kühlschrank eines Nachbarn. Den echten Poitín (ausgesprochen ‚Putschin’) kann man in keinem Geschäft in Dublin kaufen. Schon St. Patrick soll den hochprozentigen Umtrunk gebraut haben, der seit 1661 illegal ist.

Seit Ewigkeiten destilliert der Ire seinen uisce beatha (ausgesprochen 'Ish-kah Bah-hah', Gälisch für Lebenswasser). Als das kuriose Wässerchen in Großbritannien die Runde machte, tauften die Engländer das irische uisce im Handumdrehen auf den heute allseits bekannten Whiskey um. Ein Verbot für die Hausproduktion von Alkoholika verbannte die uisce beatha Brauer schnell in den Untergrund. Von nun an mussten sie ihr Gebräu heimlich in Wäldern oder Mooren zusammenmischen. Häufig wurde dafür ein kleiner, tragbarer Bottich verwendet, der als so genannter poitín in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist.

Gemäß der Tradition gab es mehrere Arten des Poitín, meistens jedoch bestand er aus Brombeeren, Hefe, Zucker und Gerste. Um 1800 mussten die irischen Bauern jedoch mit dem Vorlieb nehmen, was nicht nach Großbritannien exportiert wurde, um die hohen Steuerlasten an die Kolonialmacht zahlen zu können - Kartoffeln! Diese neue Zutat sorgte zusätzlich dafür, dass das Whiskey-artige Hausgebräu einem ordentlich in den Kopf steigt.Nicht selten mit einem Anteil von 95% Alkohol, ist es nicht allzu schwer zu verstehen, warum der Poitín sich von Anfang an am Rande der Legalität bewegte. Doch die Jahrhunderte alte Tradition des Versteckens und Verbots hat sich klammheimlich in die irische Folklore geschlichen. Das Zuhause des Poitín, so wird jeder Ire eindeutig bestätigen, ist das abgeschiedene und windstille Connemara an der Westküste der Grünen Insel.

Das andere ist BunrattyWer heutzutage Poitín trinken möchte (und das sind einige) wird also höchstwahrscheinlich dort fündig werden. Denn in Connemara brauen die Bewohner den Poitín noch heute nach der ursprünglichen Methode - und in der gleichen Verborgenheit - wie im 16. Jahrhundert. Die Produktion ist aufwändig: Zur Herstellung des Poteen, wie man im Englischen auch schreibt, braucht es Geduld und eine exakte Hand, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Sobald die Mischung perfekt ist, eröffnet jeder neue Poitín seinem Besitzer ein sehr wertvolles Geschenk: „the pure drop“ - den ersten puren Tropfen des frischen Destillats, der magische Heilkräfte besitzen soll. Nur die Wenigsten - die sich darüber hinaus äußerst glücklich schätzen können - werden jemals in den Genuss dieses verbotenen Elixiers kommen. Der Rest des Umtrunks ist jedoch problemlos auf dem lokalen Schwarzmarkt zu erstehen.

Seit 1989 dürfen irische Nachtshops eine harmlosere Version des Poitín verkaufen, die nur 40% Alkohol enthält, doch selbst diese Variante wird oft nur für den Export verwendet. Eins ist jedoch sicher: Kein im Laden gekauftes Produkt kann mit dem echten Poitín mithalten. Und dafür müsst ihr schon einen urigen Iren aufspüren. Aber keine Sorge, die sind meistens sowieso in der Nähe.

Fotos: ©Kollage Kid; ©snarkattack; flickr