Sprechen Sie meine Sprache?

Artikel veröffentlicht am 20. Juni 2005
Artikel veröffentlicht am 20. Juni 2005

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Die Malteser fangen bereits mit fünf Jahren an, eine Fremdsprache zu erlernen, an finnischen Schulen werden bis zu vier verschiedene Fremdsprachen gelehrt und 80% der Dänen sprechen eine andere Sprache fließend. Und dann gibt es da noch die Briten…

Mehrsprachige Kommunikation ermöglicht internationale Zusammenarbeit, interkulturelles Verständnis und stärkt unseren Sinn für Weltbürgertum. Außerdem kommt sie dem Welthandel sehr gelegen. Menschen mit sprachlichem Talent verfügen über bessere Job-Aussichten, bessere Gehirnfunktionen und, sollte der Umfrage einer britischen Dating-Agentur Glauben geschenkt werden, sogar größeren Sex-Appeal und mehr Selbstbewusstsein. Ist das nicht Grund genug, polyglott zu werden?

Diskrepanzen auf dem Kontinent

In einem Europa, wo der Gebrauch und das Erlernen von Fremdsprachen von einer Region zur nächsten höchst unterschiedlich vor sich geht, stehen viel versprechende Universalkenntnisse ganz oben auf der Tagesordnung. 2002 appellierte der Europäische Rat in Barcelona an die Notwendigkeit „der Verbesserung der Beherrschung grundlegender Fähigkeiten, insbesondere durch das Lehren von mindestens zwei Fremdsprachen bereits in sehr jungen Jahren“. Das Eintrittsalter zum Erlernen von Fremdsprachen schwankt vom Jüngstalter von fünf Jahren in den Niederlanden bis zu einem Höchstalter von 11 Jahren in Großbritannien. Außerdem fallen das Angebot an Fremdsprachen, die Dauer des Sprachunterrichts sowie der Grad des freiwillig festgelegten oder verpflichtenden Lernens unterschiedlich aus. Zum Beispiel bieten schwedische weiterführende Schulen ein Mischsystem an, das Schülern erlaubt, selbst den Sprachenschwerpunkt auf ihren Stundenplänen zu bestimmen. Sie entscheiden selbst, welche Sprache sie wie lange und wie häufig lernen wollen; die Lehrpläne anderer Nationen sind in Punkto Sprachenunterricht restriktiver.

Ein kürzlich erschienener Eurydice-Bericht über das Sprachenlernen in Europa zeigt einige viel versprechende Gesamtentwicklungen, und enthüllt, dass Mehrsprachigkeit im Kommen ist. Das Erlernen zumindest einer Fremdsprache ist in fast allen Ländern Pflicht, und zwei Fremdsprachen sind die Regel. Die Dauer des vorgeschriebenen Lernens ist seit 1994 um etwa ein Schuljahr gestiegen. Des Weiteren reagierten viele Länder, zum Beispiel Belgien, Dänemark, Griechenland, Österreich und Italien, auf den Aufruf zur früheren Integration von Sprachunterricht in den Grundschulen.

In ganz Europa garantieren Initiativen wie Comenius das kontinuierliche Fortbestehen des Austauschs von Sprachassistenten und Schulpartnerschaften, die jahrelang europäische Maßstäbe im Schulalltag unseres Kontinents setzten. Im Hochschulwesen ermöglicht das Socrates/Erasmus-Programm lohnende internationale Erfahrungen für Studenten und Lehrkräfte.

Alle sprechen Englisch

Dennoch gibt es eine Gruppe von Europäern, welche gegen den Strom der Fremdsprachenförderung fahren und auf ihrer chronischen Einsprachigkeit beharren: die Anglophonen. Die globale lingua franca Englisch ist auch die bei weitem populärste Fremdsprache in Europa. Nahezu 90% der europäischen Schulkinder von Polen bis Portugal, lernen diese Sprache. Aber wie wirkt sich dies auf die Muttersprachler aus? Die Tatsache, dass weniger als ein Drittel der irischen und der britischen Bevölkerung weitere Fremdsprachenkenntnisse neben ihrer Muttersprache vorweisen können, verwundert nicht.

Die Briten sind für ihre Selbstgefälligkeit, bezüglich der Kultivierung zusätzlicher Sprachfähigkeiten bekannt. Als Inselbewohner haben wir ganz einfach nie eine Kultur für das Sprachenerlernen entwickelt, und angesichts der Situation auf der anderen Seite des Kanals, wo sich Englisch inzwischen etabliert hat, sehen wir keine große Notwendigkeit dazu. Französisch und Deutsch, die am häufigsten unterrichteten Sprachen in Großbritannien, nehmen an den weiterführenden Schulen dramatisch ab. An den Universitäten werden Sprachkurse aufgrund unzureichender Studentenbeteiligung abgesetzt und das Erasmus-Angebot wird wenig genutzt, da die sprachlichen Fähigkeiten für das Leben im Ausland nicht ausreichen.

Obwohl die nationale Sprachenstrategie, die an unsere linguistische Unzulänglichkeit gerichtet ist, sich mit der Förderung des Sprachenzugangs in der frühen Kindheit in 50% der Schulen erfolgreich durchsetzte, kann das Absetzen des verpflichtenden Sprachunterrichts im Alter von 14 Jahren die Fortschritte zunichte machen. Universitäten beklagen, dass sich dies direkt auf die Studiumswahl auswirken wird, damit letztendlich auch auf das zukünftige Angebot an sprachlichem Fachwissen. Wer wird Kinder lehren, bis dix zu zählen, wenn der Mangel an Sprachenlehrern derart groß ist, dass die Regierung Studenten mit finanziellen Anreizen bestechen muss, damit sie sich für diesen Beruf entscheiden?

Großbritannien hat bereits einen Mangel an ausreichend qualifizierten Sprachlehrern, um den Bedarf zu decken. Im Gegensatz zur Ansicht vieler Leute können wir uns nicht überall und auf jedem Gebiet einzig und allein mit Hilfe der englischen Sprache behaupten. Isabelle Moore, Leiterin von CILT, dem Nationalen Sprachenzentrum, warnt davor, dass der Niedergang der Mehrsprachigkeit ernsthafte Folgen hat: „Angesichts der Tatsache, dass 70% der geschäftlichen Aktivitäten zumindest zum Teil auf internationaler Ebene abspielen, ist die Idee, dass Sprachen nur was für Akademiker sind, sehr kurzsichtig und zudem schädlich für die Wirtschaft." Roger Woods, Vorsitzender des Universitätsrats für moderne Sprachen, bestätigt: „Firmen begreifen allmählich, dass so manches Geschäft aufgrund nicht vorhandener Fremdsprachenkapazitäten an ihnen vorübergeht.“

Der Nutzen der Mehrsprachigkeit für Einzelpersonen, für Wirtschaftssysteme, und für die internationale Gesellschaft als Ganzes kann nicht hoch genug bewertet werden, und wir brauchen sprachenpolitische Richtlinien, um auf gleiche Ebene mit den anderen Nationen zu gelangen. Die meisten Länder Europas haben dies bereits verstanden. Wenn nicht der Wunsch des Schritthaltens mit unseren hochaktiven Nachbarn, dann wird uns Anglophone vielleicht die stufenweise Erkenntnis der persönlichen, beruflichen und wirtschaftlichen Einbußen aufgrund unserer Beschränkung auf die Muttersprache aus der linguistischen Lethargie aufrütteln.