Spanien: Krise im Baugewerbe bedeutet Krise für Immigranten

Artikel veröffentlicht am 13. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 13. Mai 2008
Das Prinzip des 'erzwungenen Realismus', welches die Immigranten leben, macht sie anfällig für die Schwankungen des Baugewerbes in Krisenzeiten.

Die verschiedenen Darstellungen, die von Gewerkschaften, Bauleitern und Immigranten hervorgebracht werden, erwecken Misstrauen hinsichtlich der Arbeitssituation, in der sich die Ausländergemeinschaft im europäischen Bausektor befindet. Ein Sektor, der laut dem nationalen spanischen Arbeitsinstitut (Instituto Nacional de Empleo - INEM) Grund für mehr als 50 Prozent der seit Mai 2007 bestehenden Arbeitslosigkeit in diesem Land ist. Und das, trotz eines merklichen Immobilienbooms.

Scheinbare Normalität

Von Seiten spanischer Organisationen wie der Unión General de Trabajadores (UGT) oder den Comisiones Obreras (CCOO), die Arbeitnehmerrechte verteidigen, wird bestätigt, dass Arbeiter aus nicht-EU Staaten im Moment der Entlassung "viel verwundbarer sind" als ihre Kollegen aus Mitgliedsstaaten der Union. Aus Zeitgründen und der Ansicht, es sei nicht "dringend notwendig" für ihr Überleben, informieren sich diese Immigranten nur wenig über die verschieden Gesetze und Richtlinien, die sie als Arbeitnehmer betreffen, ob sie nun als solche eingetragen sind oder nicht.

Die Geschichte von Plopeanu Mitika, ein rumänischer Bauarbeiter, der seit einem Jahr in Sevilla arbeitet, ist die jedes Menschen, der auf der Suche nach einem besseren Leben in einem anderen Land ist. Laut dem 38-Jährigen ist seine Situation in Spanien "völlig legal". Er fühlt sich "in keiner Weise" diskriminiert und arbeitet die gleiche Stundenzahl wie seine Kollegen. Auch das Gehalt ist das gleiche: 40 Stunden in der Woche, 1000 Euro pro Monat und durch die Krankenversicherung abgesichert. Wenn er gefragt wird, ob er glaube, die Aufnahme Rumäniens in die EU habe für seinen Arbeitsvertrag eine Rolle gespielt, antwortet er ohne zu zögern mit "Ja". Später fügt er hinzu: "Ich habe Glück im Vergleich zu anderen Arbeitskollegen". Mitika wird zudem bald Vater. 

Plopeanu Mitikas Chef, Gustavo Barbosa, lobt dessen Arbeit und versichert, dass seine Firma keine "illegale" Beschäftigung erlaube. Er fügt jedoch hinzu, dass er Beispiele von anderen Arbeitern kenne, deren "Bedürftigkeit" dazu geführt habe, dass bestimmte grundlegende Arbeitnehmerrechte "umgangen wurden". So zum Beispiel das Recht auf Abfindung für eine unbegründete Entlassung oder der Antrag auf krankheitsbedingtes Fehlen. 

Immigration führt zu Deregulierung des Marktes

Unter den Gewerkschaften herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Immigration mit der Deregulierung des Arbeitsmarktes in Verbindung gebracht werden kann. Immigranten arbeiten meistens in Bereichen, die von starken Schwankungen betroffen sind. Die Akzeptanz dieser unsicheren Jobs wird oft auf das so genannte Prinzip des "erzwungenen Realismus", zurückgeführt. Morgan Gitau Waruiru, Präsident des Verbandes Bau, Holz und Veredelung der CCOO, hält an diesem Argument fest.

Nach fast zwölf Jahren Zeitarbeit in der Landwirtschaft, der Wein- und Gasindustrie und zuletzt im Baugewerbe entschloss er sich der Gewerkschaft CCOO beizutreten, da er sich angesichts seiner Herkunft aus einem Land wie Kenia "schutzlos" vorkam. Morgan glaubt, man solle als Arbeitnehmer seine Angst zurückzulassen und sich an die entsprechenden Einrichtungen wenden, um seinen Fall anzuzeigen. "Damit man ankommt und das nicht nur als Tourist". "Hier funktioniert das Gesetz", betont Morgan Gitau Waruiru. Die Mehrheit der Firmen im Bausektor sind Subunternehmer, die auf Anfrage arbeiten. Die Instabilität des Sektors ist daher vorprogrammiert.

Auf diesem Nährboden haben die Firmen Oberwasser und es ereignen sich schwere Gesetzesverstöße in Bezug auf Sozialhilfeleistungen bei Mutterschaft, im Krankheitsfall oder im Fall einer Kündigung. Da solche Rechte im Herkunftsland der ausländischen Arbeiter generell unbekannt sind, wird angenommen, dass sie auch hier unnötig seien.

"Die Panik muss genommen werden", weil, wie Morgan in Erinnerung ruft, "wir bereits mehrere Fälle gewonnen haben. in denen es um irreguläre Arbeitsverhältnisse ging. Die rechtswidrigen Arbeitgeber mussten vor Gericht Verantwortung übernehmen".