Spanien: Das nennt sich Innovation, Du Idiot!

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2008
Spanien scheint momentan die Wirtschaftskrise auf den Fersen zu sein. Eine willkommene Gelegenheit, um ein neues Wachstumsmodell zu konzipieren.

Es kann nicht oft genug betont werden: Die geplatzte Immobilienblase in Spanien ist ein weiterer Beweis dafür, dass man die spanische Wirtschaft neu denken sollte. "Die Anpassung in der Baubranche ging schneller als erwartet vor sich, wird aber genau so schnell wieder abflauen", bestätigte der spanische Wirtschaftsminister und Ex-EU-Kommissar Pedro Solbes kürzlich. Wenn die Turbulenzen erst einmal vorbei sind, muss das Land neue Motoren für seine Entwicklung finden, so wie andere europäische Länder es bereits vorgemacht haben. Dafür scheint es unabdingbar, grundliegende Mängel aus dem Weg zu räumen aber auch, auf jene Zukunftsbereiche zu setzen, in denen Spanien bereits hervorsticht.

Von billigen und qualifizierten Arbeitskräften

Spanien ist viele Jahre ein Outsourcing-Land gewesen, in dem sich ausländische Firmen auf der Suche nach billigen Arbeitskräften niederließen. Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Konvergenz haben die Durchschnittsgehälter in Spanien in die Höhe getrieben. Jetzt braucht Spanien jedoch innovative Ideen und muss einen eigenen Mehrwert anbieten. Was tun? Die Antwort darauf geben jene Staaten der europäischen Union, die sich darauf stützen, ihre Arbeitnehmer mehr und besser auszubilden, um so die vormals billigen in qualifizierte Arbeitskräfte umzuwandeln.

Diese Politik der 'Qualifizierung' hängt vom Anstieg der öffentlichen (und privaten) Ausgaben in dem Bereich ab, der in Spanien I+D+I (Industria, Desarrollo e Innovación - Industrie, Entwicklung und Innovation) genannt wird. Die I+D+I-Investitionen liegen in Spanien noch weit unter dem europäischen Durchschnitt und den von der EU und der Lissabonstrategie des Jahres 2000 festgelegten Zielen (3% des Bruttoinlandsproduktes). 

Und obwohl die Regierung auf ihrem Argument beharrt, dass "die Investition in I+D+I sich im Zeitraum von 2004-2008 um das 2,6-fache vergrößert hat", liegen die Fakten in konkreten Zahlen auf der Hand. Insgesamt investiert Spanien lediglich 1,16% seines Bruttoinlandsproduktes in Entwicklung und Innovation. Damit liegt das Land beträchtlich unter den 1,84 % des europäischen Durchschnitts und Meilen hinter Deutschland (2,51%), Frankreich (2,12%) oder Dänemark (2,43%).

Trotz allem scheint sich die Regierung über die Bedeutung dieses wirtschaftlichen Opfers für die Zukunft bewusst geworden zu sein. Eine ihrer Prioritäten für die nächsten Jahre ist beispielweise "die substantielle Erhöhung der öffentlichen Mittel für den Bereich I+D+I, die auf Programme verwendet werden, die den Privatsektor fördern sollen". So steht es zumindest im Wahlprogramm der Sozialisten vom vergangenen März. Zu diesem Zweck hat die Regierung den nationalen Plan I+D+I 2008-2011 ins Leben gerufen, der 47.753 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um die Investitionen in diesen Sektor auf ca. 2% des Bruttoinlandproduktes aufzustocken.

Das europäische Silicon Valley in Malaga

©malagavalley.comDer wirtschaftliche Paradigmenwechsel, den Spanien jetzt erlebt, könnte eine gute Gelegenheit sein, um auf die neuen Technologien und Vorteile, die Spanien als Land besitzt, zu bauen. In dieser Logik siedelt sich sicherlich auch die Schaffung von hochwertigen Technologiezentren auf der iberischen Halbinsel, vergleichbar mit dem kalifornischen Silicon Valley, an. So zum Beispiel das Projekt 'Malaga Valley e-27', das verschiedene Firmen in einem Pol gruppiert, um Malaga in puncto neue Technologien zur wichtigsten Hochleistungszone Europas zu machen - zu einem europäischen Silicon Valley, das Firmen aus der ganzen Welt und Investionen im Bereich I+D anzieht. Ganz ähnlich gehen auch andere europäische Länder vor. Frankreich kann auf Technologiepole wie 'Minalogic' in der Nähe von Grenoble, 'AerospaceValley' nahe Toulouse oder auch 'Lyonbiopole' in der Nähe der gleichnamigen Stadt verweisen.

'Erneuerbare' Zukunft

Neben dem Blick auf die wirtschaftlichen Erfolge der europäischen Nachbarn ist der beste Weg aus der Krise wohl die Konzentration auf die Stärken der nationalen Wirtschaft: die Investition in erneuerbare Energien gehört zweifellos dazu. José María González Vélez, Präsident des Spanischen Vereins der Produzenten erneuerbarer Energien (Asociación española de Productores de Energías Renovables - APPA) drückt es so aus: "Spanien startet von einer privilegierten Position, um eine weltweit führende Rolle einzunehmen." Große Firmen scheinen den neuen Kurs frei nach der Devise 'Pioniere der Entwicklung und Nachhaltigkeit' bereits verinnerlicht zu haben und investieren bereits seit Jahren in diesen Sektor. Stellvertretend für diesen Stimmungswandel stehen Unternehmen wie Acciona sowie das Corporate Image, das große Gruppen wie Iberdrola Renovables oder Repsol YPF vermitteln wollen.