„Sollen sie doch Champagner trinken!"

Artikel veröffentlicht am 20. August 2014
Artikel veröffentlicht am 20. August 2014

Kein an­deres Getränk ist so sehr mit der Vors­tel­lung von Pres­tige und Exk­lu­si­vität ver­bun­den wie Cham­pa­gner. Hin­ter dem Pro­dukt steht eine lange Tra­di­tion. Ein Be­such in der Cham­pagne-Ar­denne gibt einen Ein­blick in die sagenhafte Welt des edlen Trop­fens. Die Re­gion ist ein heißer Kandidat für das Unesco-Welt­kul­tu­rerbe 2015.

„Lasst die Kor­ken knal­len!'' Fällt das Wort Cham­pa­gner, denkt man an Fest­li­ch­kei­ten und Namen wie Moët & Chan­don oder Roe­de­rer Cris­tal. Ein Ein­blick in das Leben und Schaf­fen in der Cham­pagne-Ar­denne bie­tet wei­taus mehr: kleine Fa­mi­lien­be­triebe in den Händen der neuen Ge­ne­ra­tion, die langwährende Tra­di­tion wah­ren muss, aber auch Lust auf Innovation hat. Kauft in Zeiten der Krise überhaupt noch jemand die teuren Flaschen ?  Wir haben mit den Produzenten das Glas erhoben.

Peter Bourne drückt die Daumen, dass die Region im nächsten Jahr zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wird. Er ist ein ehe­ma­li­ger Ge­win­ner des Cham­pagne Awards Aus­tra­lia und bezeichnet diese Region als ein „Mekka“. Die Champagne-Ardenne liegt an der Grenze zu Belgien und war ursprünglich gar nicht für guten Wein bekannt. Champagner, so sprudelnd und vital wie wir ihn heute kennen, ist sei­ner­zeit eher durch Zu­fall entdeckt worden. Der heutige edle Geschmack war die Folge einer späten Ernte und eines kal­ten Win­ters, der die Fer­men­tie­rung des Weines ges­toppt hatte. Als die missmutigen Winzer den Wein im Frühjahr dann öffneten, machte es plötz­lich "Plop!" Das war die Ge­burts­tunde des Cham­pa­gner.

Nonnen verführen zum Champagner

Für Peter, den australischen Champagner-Champion, ist Cham­pa­gner das re­nom­mier­teste Getränk in der Welt der Spi­ri­tuo­sen. „Ein­zi­gar­tig ist ein zu ba­nales Wort, um die­sen fas­zi­nie­ren­den, kom­plexen und ge­feier­ten Wein zu bes­chrei­ben. Wir können nicht ohne leben!'', philosophiert er. „Für mich ist es kein Problem den ge­sam­ten Glo­bus zu über­que­ren, um einen guten Tropfen zu trinken und die Re­gion hier zu genießen. Ich werde schon im Ok­to­ber wie­derkommen, das dritte Mal in die­sem Jahr.'' Mat­thew Stut­sel, der jüng­ste Ge­win­ner des pri­ckeln­den Wett­be­werbs aus Down Under, denkt sogar darüber nach, das an­dere Ende der Welt zu ver­las­sen und in die französische Re­gion des edlen Trop­fens zu zie­hen. Non­nen haben ihn mit zu sei­nem ers­ten Wein­tas­ting ge­nom­men, als er offi­ziell noch gar keinen Alkohol trin­ken durfte. Heute ist er Ju­rist und qua­li­fi­zier­ter Cham­pa­gnerkenner mit Aus­zeich­nung.

''­Leave the Lobs­ter alive, but kill the Cham­pagne !''

Champagner Quiz auf Amerikanisch

Seit 2001 hat sich die Cham­pagne-Re­gion verp­flich­tet na­ch­hal­ti­gen Wei­nan­bau zu be­trei­ben. Die Nutzung von Wein­schutz-Pro­duk­ten beim Anbau soll halbiert werden, alles genutzte Wasser soll wieder aufbereitet, die Nebenprodukte zu 90 Prozent und die Abfälle zu 100 Prozent recycelt werden. Insgesamt soll sich der CO2-Fußab­druck bei der Herstellung einer Flasche Champagner um 15 Prozent reduzieren. Beim Re­cy­cling wer­den in Zukunft bei­spiels­weise die zer­quet­sch­ten Trau­ben für die Hers­tel­lung von Kos­me­tikartikeln und im Be­reich der Elek­tro­nik ge­nutzt. Mit dieser Nachhaltigkeitsstrategie wollen die Produzenten ihren Platz an der Weltspitze verteidigen.

''Ich habe nicht wirklich Mitarbeiter, wir sind eher Freunde mit einer gemeinsamen Passion: Champagner !'' 

Alexandre Chartogne ist ein junger Champagner-Produzent, der den familiären Betrieb übernomme hat. Kurze Zeit hat er außerhalb studiert und gearbeitet, aber letztendlich ist er dann doch der Familientradition und der Liebe zum guten Tropfen gefolgt. Etwa 100 220-Liter Fasser nutzt sein Betrieb. ''Ich persönlich bevorzuge Holzfässer, die lassen am meisten Außeneinflüsse zu, so kann sich der Wein frei entwickeln. Das ist der natürliche Prozess.'' Alexandre ist ein sehr entspannter Typ, weit entfernt vom Image eines vermögenden Großherstellers. Er ist von Haus aus fest mit der Region und ihrem besten Produkt verbunden. Gleichzeitig ist er weltoffen und nachsichtig, seine Herstellung ist auf Nachhaltigkeit angelegt, auf Pestizide wird verzichtet. ''Alles funktioniert bestens ohne Pestizide. Wir müssen den Wein einfach pflegen wie ein Vater sei Kind. Wir müssen achtsam sein, zuversichtlich und immer zuhören.'' Die Produktion soll im Einklang mit der Natur vorangehen, harmonisch. Harmonie ist im Chartogne-Betrieb auch unter den 6 festen Mitarbeitern wichtig. Alle sind passioniert und engagiert in der Welt des Weines. ''Ich bin immer bemüht, daß bei uns eine familiäre Atmosphäre herrscht oder mehr noch, dass alle ihr Arbeitsleben als vergnügsam und erfüllend empfinden.''

Champagner bleibt in der Familie

Der Familienbetrieb A.R. Le­noble Cham­pagne  stellt unter an­de­rem Grand Cru Cham­pa­gner her, der Beste der Besten.​ Man setzt in diesem Hause auf Qua­lität statt Quan­tität. Wenn An­toine Ma­las­sagne, der Betriebsleiter über Lenoble redet, dann hört sich das so an: „Ich sage nicht simpel 'Wir sind die Besten'. Es ist mir wich­tig den Kun­den wirk­lich zu in­for­mie­ren: über Bo­den­qua­lität, Rei­fung­spro­zess, Se­lek­tion der Trauben und Re­ge­lun­gen soll er alles erfahren. Das erklärt dann ganz einfach, warum wir die Bes­ten sind.“ Antoine leitet den Vertrieb schon in dritter Generation mit seiner Schwester zusammen.

Die Wirtschaftskrise in Eu­ropa ist in dem Be­trieb mit knapp 20 fes­ten Mi­tar­bei­tern spürbar. Kun­den aus Südeu­ropa sind teilweise ab­ges­prun­gen; neue Kun­den muss­ten erst ge­fun­den wer­den. In sol­chen Zei­ten kann es dur­chaus eng wer­den, auch wenn die Na­ch­frage nach dem Pro­dukt prin­zi­piell bes­te­hen bleibt. In jedem Fall wird in der Cham­pagne auch in Zei­ten der Krise ge­feiert, zum Bei­spiel zum 40-jähri­gen Bes­te­hen der Cham­pagne Awards Aus­tra­lia. Die in­ter­na­tio­na­len Kon­takte sind wich­tig und müssen gep­flegt wer­den. Ins­ge­samt gibt es 16 Cham­pagne Büros auf der gan­zen Welt; Aus­tra­lien ist momentan sechsgrößter Kon­sument nach Großbri­tan­nien, den USA, Deut­schland, Bel­gien und Japan.

Der Haupt­sitz des Co­mité in­ter­pro­fes­sio­nel du vin de Cham­pa­gne (CIVC) ist in Éper­nay. Der für die PR Ve­rant­wort­liche Phi­lippe Wi­brotte bringt die Liebe zum prickelnden Wein auf den Punkt: In Fran­kreich ist es oft Tra­di­tion dem Täufling ein wenig Cham­pa­gner statt Weih­was­ser auf die Stirn zu träufeln, somit ist dann die Liebe zur Spi­ri­tuose be­sie­gelt.'' Ob Le­gende oder nicht, bei Mon­sieur Wi­brotte hat es ge­wirkt, er lebt und arbeitet seit rund 14 Jah­ren in der Re­gion und geniesst dort seither jeden Tag.

Die Ver­bin­dung zu Eu­ropa hat auch unter den Preisträgern aus Australien Tra­di­tion. Jack Monti, der erste Ge­win­ner der Aus­tra­lia Awards aus dem Jahre 1974 lebt zwar lange Zeit in Aus­tra­lien, ist aber gebürti­ger Ge­no­vese. Heute ist er Mitte 80. Cham­pa­gner scheint also dur­chaus ein langes Leben bes­che­ren zu können. In die­sem Sinne:  Santé!