Softwarepatente: Zahlen für jeden Klick

Artikel veröffentlicht am 18. März 2005
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Artikel veröffentlicht am 18. März 2005

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Wie fänden Sie es, wenn Sie Geld berappen müssten, nur um diesen Artikel lesen zu können, weil der Doppelklick mit der Maus als geistiges Eigentum patentiert ist?

Unter der Nummer 6.727.830 wurde in den USA ein Patent an Microsoft vergeben, dass genau diese alltägliche Handlung patentiert. Und dies ist nicht das einzige Beispiel. Die Firma „Network Associates“ ist dabei, den Kampf gegen den Spam zu patentieren. Wo ist die Grenze? Erwartet uns genau das auch hier, in Europa?

Die Globalisierung der Software

Am 7. März unterzeichnete der europäische Ministerrat für Industrie und Energie ohne jegliche Debatte ein Abkommen, auf das man sich im Mai 2004 in einer Richtlinie zu Softwarepatenten geeinigt hatte. Die spanische Gegenstimme und die Enthaltungen einiger Länder der Union (Österreich, Italien und Belgien) reichten nicht, um die Umsetzung dieser Richtlinie zu verhindern.

Nachdem ein guter Teil der spanischen Bevölkerung beim kürzlichen Referendum zur EU-Verfassung ihre Unzufriedenheit mit den europäischen Institutionen mit einer Nichtwählerquote von 58% deutlich zum Ausdruck brachten, hat die Europäische Union nichts dazu gelernt und beweist wieder einmal, wie weit sie von den Bürgern entfernt ist, indem sie sich in ihrem Kampf für die Softwarepatente auf die Seite der großen Unternehmen schlägt und den allgemeinen Aufschrei, der angesichts dieser Maßnahme durch die ganze EU ging, einfach ignoriert.

Der Gigant Microsoft, in diesen Gefilden schon ein alter Hase, setzt, zusammen mit anderen großen multinationalen Firmen wie Nokia, die EU unter Druck damit sie die Richtlinie umsetzt – unter dem Vorwand, dass diese Maßnahmen die technologische Entwicklung und Innovationen begünstigten.

David gegen Goliath

Nichts ist weiter von der Realität entfernt. Das vorgebliche Ziel, die Softwareindustrie anzukurbeln, wird durch die Praxis der Softwarepatente konterkariert. Kleine und mittlere Unternehmen dieses Sektors werden in der USA bereits von den Softwaregiganten mit uferlosen Klagen überschüttet. Und unendlich vieler solcher Prozesse, die es durch diese Art Gesetze geben wird, werden von den großen Unternehmen dank ihres Heeres treuer und effektiver Anwälte gewonnen.

Ganz zu schweigen von der freien Software. So altruistische Projekte wie Linux sind vom Aussterben bedroht. Mit einem völlig offenen Quellcode liegt es auf der Hand, dass bei diesem das geistige Eigentum ständig verletzt wird. Die Vereinigungen der Nutzer freier Software schätzen, dass mehr als die Hälfte der in der EU genutzten Informatikprogramme illegal werden.

In einer globalisierten Welt, in der die großen Unternehmen die Fäden der Weltwirtschaft und –politik in der Hand halten, muss die Europäische Union standhaft bleiben und darf nicht auf Kosten seiner Bürger Maßnahmen zu ihrem Nachteil einführen. Wenn die Bürger der 25 den europäischen Institutionen vertrauen und sich als Europäer fühlen sollen, dann müssen die europäischen Verantwortlichen ihre Entscheidungen sorgsam abwägen. Nur allzu schnell kommt der Verdacht auf, dass hinter ihren guten Absichten die Interessen der Multis dieses Sektors stehen.

Hoffen wir, dass der normale Klick zum Verlassen dieser Seite Sie auch in naher Zukunft nicht teuer zu stehen kommt.

In der Zeitung El Mundo veröffentlichter Artikel

http://www.el-mundo.es/navegante/2005/03/07/esociedad/1110200152.html

Kampagne gegen Softwarepatente

http://www.nosoftwarepatents.com/es/m/politics/eudirective.html