Slowenien – Ein Eisberg im Herzen Europas

Artikel veröffentlicht am 5. Juli 2011
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Artikel veröffentlicht am 5. Juli 2011
Erstes Ziel unserer Reise ist Slowenien. Das kleine Land im Herzen Europas löste sich mit der Unabhängigkeitserklärung 1991 als erster Teilstaat vom ehemaligen Jugoslawien. Der Beitritt zur europäischen Union (2004) und die Einführung des Euros (2007) ebneten den Weg in eine moderne Zukunft. Viele Veränderungen für die knapp 2 Millionen Einwohner Sloweniens.
Gerade die Balkanregion stellt mit einer ereignisreichen Geschichte und vielseitigen Kultur einen der interessantesten Flecken Europas dar. Kein Wunder, dass auch hier das Europamagazin längst angekommen ist und den Rest Europas mit Balkan-News auf dem Laufenden hält. Während des von initiierten Projektes `Green Europe on the ground` trafen wir mit Natalija Majsova und Ljubica Damevska zwei Macher des City-Blog Ljubljana und befragten sie zu ihrem Land, zum Thema europäische Identität und ihrer Arbeit für.

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Ljubljana im Juni 2011; die Hauptstadt, das kulturelle Zentrum Sloweniens versprüht einen sehr modernen, jungen und dynamischen Lebensrhythmus und zählt mit seinen 276.000 Einwohnern zu den kleineren Metropolen Europas. Die historische Altstadt mit der vom Architekten Josef Plecnik geprägten Uferpromenade entlang der Ljubljanica, zeigt ein offenes und internationales Flair, lädt Bewohner und Touristen in die vielen Cafés und Bars ein. Barock, Jugendstil und Moderne Architektur prägen das kompakte Stadtbild in und um Ljubljana. Allein 10.000 Kulturveranstaltungen in Ljubljana machen die Vielschichtigkeit und eine gewisse Euphorie stellvertretend für das ganze Land deutlich. Euphorisch waren die Slowenen „auch gegenüber dem EU-Beitritt. Sie fieberten ihm regelrecht entgegen! Diese Euphorie legte sich aber mit der Zeit. Das allgemeine Preisniveau stieg an und den Menschen wurde klar, dass sie ab jetzt von Entscheidungen der EU abhängig sind. Natürlich sind viele froh darüber ohne Probleme in der EU reisen zu können. Auch der Lebensstandard im Land ist seit dem EU-Beitritt gestiegen. Dennoch sieht ein Großteil der Slowenen nur, dass ständig Steuern und Preise erhöht werden“, so Natalija. Für viele Balkanstaaten hat Slowenien dennoch eine Vorbildfunktion. „Das Land war auf dem Balkan schon immer eine Wirtschaftskraft und Vorbild in den Bereichen Bildung oder Gesundheitspolitik.“ Welche Rolle Slowenien letztendlich auf dem Balkan bzw. in der EU einnimmt ist für beide Seiten noch offen, „da sich das Land selbst als Staat in der Mitte Europas darstellt, das nicht Teil des Balkans ist, aber über alle Aktivitäten Bescheid weiß.“ In Natalijas Augen „macht Slowenien noch nicht genug in seiner Rolle als `Mediator`, da es mehr damit beschäftigt ist zu zeigen wie es sich vom Balkan unterschiedet, anstatt sich anderen Staaten der EU anzunähern.“ So ist es nicht verwunderlich, dass „für viele westliche Staaten Slowenien noch immer Teil des Balkans ist. Viele sehen keine Unterschiede in der Mentalität oder in den Bereichen Kultur und Politik, solange sie nicht hier gewesen sind.“ Für Ljubica, wie auch für Natalija steht fest, dass sie sich nicht als `Europäer` sehen. Zum Einen möchte sich Natalija nicht nur mit geografischen Konzepten identifizieren und zum Anderen „sind die Menschen in der EU zu sehr auf wirtschaftliche Aspekte und politische Entscheidungen fokussiert. Die Annäherung an `EINE` europäische Identität wird vernachlässigt.“ Um dem entgegenzuwirken und nationale wie auch sprachliche Grenzen zu überwinden, ging im Oktober 2010 der City-Blog Ljubljana online und versorgt seitdem das Europamagazin mit aktuellen und interessanten Themen aus Slowenien. Den ersten Kontakt zu den `Babelianern` hatte u.a. Ljubica vor einem knappen Jahr. „Ich habe im Sommer 2010 bei einer Summer School in Frankreich kennengelernt. Sie sprachen mich an und fragten, ob ich ein Interview für sie übernehmen kann. Bis dahin kannte ich gar nicht. Als wir zurück in Ljubljana waren haben wir uns im Internet über deren Ansatz, deren Idee informiert und wir sagten uns, lasst uns mit ihnen zusammenarbeiten. Wir finden die Grundidee gut - alle Europäer gemeinsam auf einer Plattform. gibt dir die Möglichkeit deine Meinung zu verbreiten und ich mag die Idee einer europäischen Öffentlichkeit. Es findet ein grenzübergreifender Meinungsaustausch statt.“ Danach ging alles recht schnell. „Wir haben eine e-Mail an die Chefredaktion in Paris geschrieben und sie waren sofort an einer Zusammenarbeit interessiert, weil sie noch keine `Babelianer` in Slowenien bzw. Ljubljana hatten. Wir haben die Initiative ergriffen und cafebabel hat uns dabei geholfen.“ Größtenteils übersetzt das Team Artikel anderer Redakteure. Selbst versuchen die City-Blogger durch Ankündigungen oder Rezensionen von Veranstaltungen am Europamagazin mitzuwirken. „Hin und wieder fragt bei uns an, ob wir über bestimmte Themen schreiben wollen bzw. bringen auch wir Themenvorschläge ein.“ Bei der Themenwahl sind die Blogger recht frei, „das heißt, sagt uns nicht worüber wir zu schreiben haben. Es muss nicht unbedingt etwas mit Slowenien zu tun haben, aber mit Europa.“

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Anfang Juni war das Team aus Ljubljana Gastgeber und Organisator des cafebabel Projektes `Green Europe on the ground`. Hier werden ausschließlich `grüne` bzw. Umweltthemen aufgegriffen. Dabei ist es nicht immer leicht alles unter einen Hut zu bekommen, da die Zusammenarbeit mit dem Europamagazin auf einer freiwilligen Ebene basiert und das Team neben dem Blog noch anderen Beschäftigungen nachgeht. Natalija arbeitet zum Beispiel neben ihrem Studium halbtags bei der Slowenischen Nachrichtenagentur. Dort übersetzt sie größtenteils Nachrichten und fasst sie zu neuen zusammen. Als Nachwuchs-Journalistin arbeitet sie erst seit einem knappen Jahr. Und, „auch wenn die Arbeit nicht vergütet wird, kann dir die City-Blog Erfahrung später eventuell weiterhelfen. Außerdem ist es schön zu sehen, dass Leute an dem Blog interessiert sind.“ Die beiden sehen den City-Blog als Projekt bzw. Herausforderung. „Wir lernen neue Leute kennen und bekommen ständig neue Kontakte. Man kann einfacher miteinander kommunizieren und wir finden Menschen, die unsere Meinungen teilen. Ich denke, dass das ein guter Weg ist.“ Natürlich nimmt die Organisation (z.B. Green Europe on the ground) Zeit und Geld in Anspruch, aber wir wollen in Slowenien und Ljubljana etwas `Neues` schaffen. Man darf also auf weiteres aus dem Land in der Mitte Europas gespannt sein. Natalija bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Slowenien ist wie ein Eisberg. Zunächst erscheint es klein, aber wenn man genauer hinschaut, gibt es sehr viele Dinge zu entdecken.“ Axel Matz