Sitzt Spanien bald auf dem Trockenen?

Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2008
Spanien leidet, wie die anderen Mittelmeerländer, vor allem in den südlichen Regionen unter Trockenheit. Diesmal hat ein verregneter Mai Schlimmeres verhindern können. Doch allein durch die Entsalzung des Meeres wird man das Problem nicht in den Griff bekommen.

Die sintflutartigen Regenfälle im Mai dieses Jahres - die stärksten in Spanien seit 1880 - haben das Land noch einmal aufatmen lassen: Die erwartete Dürrekatastrophe, gegen die die Regierung bereits einen Notfallplan entworfen hat, ist ausgeblieben. Doch das Problem, das für die letzte Regierungskrise verantwortlich ist, wird sich ohne längerfristige Maßnahmen zur Prävention nicht aus der Welt schaffen lassen.

Notfallplan für Barcelona

Anfang des Jahres wurden in Barcelona eine Reihe von Vorschriften erlassen, die der Wasserknappheit vorbeugen sollen: zum Beispiel saftige Strafen für diejenigen, die ihren Garten mit Trinkwasser wässern oder damit ihre Schwimmbäder auffüllen. Nachdem man diese Bestimmungen bald wieder aufgehoben hatte, wurde Mitte April der nächste Versorgungsengpass festgestellt. Die Regierung Zapatero musste handeln: Der Notfallplan für die katalanische Stadt ist allerdings äußerst umstritten. Das Wasser wird nun über Tankschiffe aus Marseille und Tarragona 'importiert'. Später soll der Bedarf über entsalztes Meerwasser gedeckt werden, wie das in Almeria geschieht. Außerdem ist eine Wasserleitung von Tarragona nach Barcelona geplant, die mit Wasser aus dem Fluss Ebro gespeist wird.

©.santiMB.(too busy)/flickr

Die Entscheidung, die Stadt zunächst auf dem Seeweg zu versorgen, bevor bis Mitte 2009 die anderen beiden Projekte realisiert sind, hat die Generalitat, die Regierung der autonomen Provinz Katalonien, im vergangenen Winter gemeinsam mit der spanischen Regierung getroffen. Damals wurde festgestellt, dass die Wasserreserven der einzelnen Städte bereits unter die Notfallgrenze gesunken waren und die Situation im Frühjahr ohne zusätzliche ergiebige Niederschläge dramatisch zu werden versprach. Dann kam der erlösende Regen und nach den ersten Wasserlieferungen hat man die Versorgung durch die Tankschiffe wieder eingestellt. Auch das Projekt, den Ebro umzuleiten, scheint sich, bevor es begonnen wurde, schon wieder erledigt zu haben.

Linke und Rechte streiten um das Ebrowasser

©Ministerio de Medio AmbienteÜber diese Maßnahme ist am meisten diskutiert worden: Der Kanal, über den das Ebrowasser nach Barcelona umgeleitet werden sollte, ist nicht nur aus Gründen des Naturschutzes ein strittiges Bauwerk. Denn hier konkurrieren mehrere spanische Regionen um das Nutzungsrecht an einer immer wertvoller werdenden Ressource. So hat die sozialistische Regierung zwar der Umleitung nach Barcelona, das gleichfalls von den Sozialisten verwaltet wird, zugestimmt, nicht aber dem Kanal für Valencia und Murcía. Die beiden Regionen, die von Mitte-Rechts regiert werden, hatten ebenfalls Ansprüche auf das Wasser aus dem Ebro angemeldet. Zwar hatte ihnen die konservative Regierung Aznar das Projekt zugesagt, doch Zapatero hat es 2004 dann abgelehnt. Nun haben die Ministerpräsidenten von Valencia, Francisco Camps, und von Murcía, Ramon Luis Valcarel, zum Protest aufgerufen und angekündigt, beim Verwaltungsgericht Klage gegen den neuen Notfallplan einzureichen.

Die allgemeine Ablehnung dieses Vorhabens hat aber auch andere Gründe. Jede Umleitung des Ebro, aus dem bereits regelmäßig Wasser entnommen wird, stellt eine konkrete Gefahr für die Umwelt dar: Denn damit dringt Meerwasser in das Delta ein, das den Reisanbau und das Klima schädigt. Auch die Entsalzungsanlage ist keine unumstrittene Maßnahme: Durch den enormen Energieverbrauch ist das Wasser, das sie produziert, mit 50 Euro pro Kubikmeter, sehr teuer.

Nicht immer ist der Klimawandel schuld

Im Süden Spaniens ist das Wasser schon immer knapp. Dennoch wird hier alles andere als sparsam mit der wertvollen Ressource umgegangen: Die Wirtschaft setzt auf intensive Treibhauskultur und nicht auf Bebauungspläne. Für die reichen Touristen aus dem Norden entsteht ein Luxushotel nach dem anderen, Schwimmbad und Golfplatz inklusive.

Die Metropolregion Barcelona dagegen verzeichnete einen Bevölkerungszuwachs von eineinhalb Millionen Einwohnern in den vergangenen fünfzehn Jahren. Zusätzlich wird die Stadt jedes Jahr im Sommer von Touristen geradezu überschwemmt: Eine funktionierende Wasserversorgung stellt hier also eine gewaltige Herausforderung dar.

Was tun? Seit einigen Jahren ist Spanien führend, was die Zahl der Entsalzungsanlagen von Meerwasser angeht. Sechs davon sind an der Mittelmeerküste bereits in Betrieb, weitere zwanzig sind im Bau. Könnte das eine langfristige Lösung sein für das Problem der jährlich wiederkehrenden Trockenheit - ein Problem, das sich mit dem Klimawandel möglicherweise noch verschärfen wird? Allerdings ist dies auch eine Frage der Energieversorgung, schließlich hat Spanien die Grenzwerte, die im Vertrag von Kyoto festgelegt sind, bereits überschritten.