Sinnloses Gekritzel erregt die Muslime

Artikel veröffentlicht am 4. September 2007
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Artikel veröffentlicht am 4. September 2007
Die Veröffentlichung einer Karikatur in einer schwedischen Zeitung, die angeblich den Propheten als Hund zeigt, hat für wütende Proteste gesorgt. Ob der Abdruck der Zeichnung wirklich für die Verteidigung der Pressefreiheit nötig war und ob das Bildchen wirklich als Beleidigung des Propheten gelten musste, ist mehr als fraglich.

Der ursprüngliche Rondellhund - Credit to: MalteR/FlickrHaben wir dies nicht alles schon einmal erlebt? Muslimische Demonstranten, die vor dem Gebäude einer Zeitungsredaktion gegen die Veröffentlichung einer Karikatur protestieren; der iranische Präsident, der einem skandinavischen Botschafter seine Empörung über die Beleidigung des Propheten kundtut; und pakistanische Studenten, die symbolisch Flaggen und Puppen politischer Repräsentanten verbrennen? Der Chefredakteur der Zeitung lehnte indes eine Entschuldigung ab und verteidigte die Publikation der umstrittenen Karikatur als Beitrag zur Verteidigung der Pressefreiheit.

Gerade erst anderthalb Jahre ist es her, dass die Veröffentlichung einer Reihe von Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ die islamische Welt in Aufruhr versetzte. Nun hat die schwedische Provinzpostille „Nerikes Allehanda“ eine Zeichnung abgedruckt, die laut Aussage des Zeichners Lars Vilks den Propheten Mohammed zeigt. Und schon hat die Welt ihren nächsten Karikaturenstreit. Begonnen hatte alles mit einer Ausstellung über Rondellhunde. Dies sind Hundestatuen, die seit vergangenem Jahr überall in Schweden auf Verkehrsinseln aufgestellt wurden.

Ist ein Rondellhund mit Bart notwendigerweise der Prophet?

Warum der Zeichner Vilks meinte, für die Kunstausstellung einen Rondellhund mit dem Kopf Mohammeds abbilden zu müssen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Dass es als Provokation gesehen werden würde, war aber auch den Ausstellungsmachern klar, die seine Zeichnung daher ablehnten. Auch andere wollten das Gekritzel nicht haben. Vilks war empört und witterte Zensur. Daraufhin druckten mehrere Zeitungen das Bild – als Beweis, dass man sich in Schweden nichts von Muslimen vorschreiben lasse. Trotzdem brach der Protest erst los, als auch der Chefredakteur der „Nirekes Allehanda“, Ulf Johansson, die Zeichnung zum Thema eines Leitartikels machte und sie nebenbei abdruckte.

Die ganze Affäre zeigt vor allem eines: Offensichtlich hat niemand etwas aus dem dänischen Karikaturenstreit gelernt. Wieder empören sich Muslime in aller Welt über das Gekritzel eines Provinzkarikaturisten, anstatt das Selbstbewusstsein zu haben, sich von einer so platten Anmache nicht provozieren zu lassen. Wieder rufen westliche Medien zur Verteidigung der Pressefreiheit auf, obwohl klar sein sollte, dass diese kein Selbstzweck ist und eine bewusste Provokation nicht ihrer Verteidigung dient. Man kann nur hoffen, dass sich der Streit dieses Mal nicht in einer Mischung aus Starrsinn, Ignoranz und Manipulation weiter hochschaukelt, bis erneut irgendwo Botschaften brennen und Menschen sterben.