Siné: "Satire muss ikonoklastisch sein"

Artikel veröffentlicht am 23. September 2008
Artikel veröffentlicht am 23. September 2008
Interview mit dem ehemaligen Karikaturisten des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo, der nach seiner Entlassung aufgrund antisemitischer Tendenzen seine eigene Zeitung gründete.

Siné, der 1928 unter dem bürgerlichem Namen Maurice Sinet geboren wurde, ist ein französischer Zeichner und Karikaturist. Der heute 80-Jährige machte im Juli dieses Jahres Schlagzeilen: Er zeichnete für das französische Satireblatt Charlie Hebdo (das bereits mit dem Nachdruck der Mohammed-Karikaturen aus den dänischen Jylladen-Posten für Aufruhr sorgte, A.d.R.) eine Karikatur von Jean Sarkozy und machte sich darüber lustig, dass der Präsidentensohn zum Judentum übertreten könnte - seine damals noch Verlobte ist Jüdin. Die Vorwürfe des Antisemitismus führten dazu, dass Siné von Philippe Val, Chefredakteur des Blattes, entlassen wurde. Zusammen mit seiner Frau wandelte er die eigenen vier Wände in einem Pariser Vorort in eine Redaktion um und gründete am 10. September schließlich sein eigenes Wochenblatt, Siné Hebdo.

Was bedeutet es, Satire zu machen?

Das ist keine einfache Frage. Es bedeutet Tabus gegenüber allem, was heilig ist, gegenüber Instanzen zu brechen. Es bedeutet ikonoklastisch zu sein.

Gibt es in Frankreich eine Einschränkung der Meinungsfreiheit?

©blog.sine.comSicher, die gibt es in jedem Land. Und die Gesetze engen uns von Tag zu Tag mehr ein. Aber als Franzose kann ich mich nicht beklagen. In Ländern wie China und den USA ist die Situation schlimmer. Und vor allem in Italien. In Amerika kann man sich immerhin auf den Ersten Zusatzartikel der Verfassung (First Amendment, A.d.R.) berufen.

Wie würden Sie Ihre Rolle definieren? Fühlen Sie sich als Militant oder eher als Künstler?

Als Militant. Auch wenn diese Rolle nicht immer unbedingt wirkungsvoll ist. Es gilt, Konflikte immer wieder vor Augen zu führen, die Leute zur Debatte anzuregen, sie wachzurütteln... und ihnen zu sagen 'Hey, ich bin bei euch'. Aber in letzter Zeit war es eher wie einer Katze oder einem Hund den Rücken zu kraulen.

Ist Siné Hebdo gut angelaufen?

Wir haben unsere Erwartungen durchaus übertroffen. Die erste Nummer hatte eine Auflage von 150.000 Exemplaren. Alle verkauft. Für die zweite Nummer haben wir die gleiche Auflage vorgesehen. Mal schauen, ob es ein Strohfeuer ist.