“Simon” ruft zur Toleranz

Artikel veröffentlicht am 21. Februar 2005
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Artikel veröffentlicht am 21. Februar 2005

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Drei Dinge, die sicher schnell mit den Niederlanden assoziiert werden, sind Cannabis, Euthanasie und Schwulenrechte. „Simon“, die diesjährige Oscarnominierung aus Holland behandelt alle drei Themen.

Die Niederlande wurden lange als der Inbegriff von Toleranz in Europa angesehen. Vor kurzem jedoch kamen sie wegen ethnischer Spannungen in die Nachrichten. Nach der Ermordung des Politikers Pim Fortuyn in 2002, einem erklärten Immigrationsgegner, verschlechterte sich die Situation zusehends, was den Regisseur Theo van Gogh auf die Idee brachte, Fortuyns Tod zu verfilmen. Doch das Projekt kam nie zum Abschluss, da van Goghs Kurzfilm „Submission“, den er zusammen mit der Politikerin und Somaliaflüchtling Ayaan Hirsi Ali realisierte und der die traditionelle islamische Einstellung gegenüber Frauen kritisiert, zur Ermordung van Goghsselbst führte. Dies hat jedoch andere holländische Filmemacher nicht vom mutigen Sprung in die politische Arena abgehalten. Eddy Terstall, Autor und Regisseur des Filmes „Simon“, erklärte kürzlich in einem Interview mit einer nationalen Zeitung, dass er das Filmbusiness verlassen wird um Staatsmann zu werden. Was ist mit den ehedem unpolitischen Künstlern passiert?

Politisch engagiert

In den Augen Terstalls ist das Leben auf der Welt härter geworden. Seit den Angriffen vom 11. September ist nichts beim Alten geblieben, und auch der typische holländische Wert der Toleranz leidet unter dieser Veränderung. Trotz seines Ärgers über diese Entwicklungen und seiner politischen Tendenzen ist „Simon“ reich an holländischem Humor, was bedeutet, dass er das Leben nicht so bitter ernst nimmt. „Simon“, der vier Golden Calves beim Holländischen Filmfestival 2004 gewann, darunter die beste Regie für Eddy Terstall, erzählt die Geschichte eines schwulen Zahnarztes und seine Freundschaft mit dem todkranken Hasch-Dealer Simon.

In diesem herzerwärmenden Film gelingt es Terstall politische und schwierige Themen auf eine menschliche Weise zu behandeln. Das Thema der Schwulenehe, die im April 2001 in den Niederlanden legalisiert wurde, wird mit Hilfe von Camiel bearbeitet, Erzähler und Hauptfigur des Films, der seinen Freund heiratet. Seine Erfahrung zeigt das tägliche Leben homosexueller Paare in Holland, die mehr oder weniger dieselben Rechte wie heterosexuelle Paare genießen, das Recht zur Adoption von Kindern eingeschlossen. In Europa ist Belgien das einzige Land, in dem gleichgeschlechtliche Paare vergleichbare Rechte haben. In Spanien setzt sich Zapatero dafür ein, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren, auch wenn er dabei auf starken Widerstand der katholischen Kirche stößt.

Drogen und Tod

Drogen sind ebenso ein zentrales Thema des Films. Simon besitzt einen „Coffeeshop“, wo nicht etwa Kaffee getrunken, sondern Hasch und Gras geraucht wird. Vor einigen Jahren wurde überall in Europa versucht, Druck auf die holländische tolerante Drogenpolitik auszuüben. Doch heute folgen immer mehr Länder dem holländischen Beispiel. Zum Beispiel kann in einigen Ländern, wie etwa in der spanischen Region Katalonien, Marihuana ärztlich verschrieben werden. Die Verbindung zwischen Drogen und Gesundheit wird deutlich an Simons eigenem Kampf mit dem Krebs und seiner möglichen Entscheidung, von dem Gesetz aus dem Jahr 2002 Gebrauch zu machen, nach dem Ärzte nicht länger zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie Euthanasie betreiben. Simons Angst, senil und ein Krüppel zu werden, führt ihn zu der Entscheidung eines „würdevollen“ Todes. Er entscheidet sich für einen Tag, verabschiedet sich von seiner Familie und seinen Freunden und geht.

Nicht alles ist Bitterkeit

Von einem Film, der von diesen Themen handelt, erwartet man, dass er schwermütig ist. Doch auch wenn sowohl bei den Schauspielern als auch beim Publikum Tränen fließen, handelt es sich um einen heiteren Film. Und das ist es, was seine Stärke ausmacht. Die Absicht des Filmes ist es nicht, zu provozieren oder seine Themen zu debattieren. Vielmehr sind die Inhalte des Films von Terstall als unumgängliche Teile des Lebens dargestellt. Das Zentralthema von „Simon“ ist Freundschaft und nicht Homosexualität, Drogen oder Euthanasie. Jedoch ist es der Angriff die liberale holländische Gesetzgebung, die einen Epikuräer wie Terstall dazu bringt, Politiker werden zu wollen.